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dialog Nr. 30 April 2017

Barrierefrei durchs Leben
Interview. Stefan Pankoke erzählt über sich, seinen beruflichen Werdegang und wie sich das Vatersein für ihn anfühlt. Seite ...

Die SBS sagt «Danke». Die SBS finanziert einen Grossteil ihrer Dienstleistungen mit freiwilligen Spenden. Neben Privatpersonen helfen auch Firmen und Stiftungen. Seite ...

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

Frühmorgens schaue ich kurz in die Zeitung, um den aktuellen Wetterbericht und die wichtigsten Schlagzeilen zu überfliegen. Leichte Kopfschmerzen lassen mich zum Aspirin greifen – wenn nur der Beipackzettel nicht so klein gedruckt wäre. Die Milch beim Frühstück schmeckt etwas säuerlich, ich prüfe das Verfalldatum auf der Packung. Auf dem Weg zur Bushaltestelle entdecke ich eine Infotafel zu einer kommenden Baustelle. Wo bleibt bloss der Bus? Sicherheitshalber sehe ich im Fahrplan nach.

Im Büro angekommen lese ich zuerst meine Mails, dann die Eingangspost und studiere die Berichte auf meinem Pult. Schon ruft die Mittagspause – die Menükarte ist lang, die Auswahl gross.

Endlich Feierabend! Was kommt eigentlich heute Abend im Fernsehen? Wo ist das Programm? Vor dem Einschlafen entspanne ich mich im Bett mit einem Buch, nicke aber nach drei Seiten bereits selig ein.

Wie häufig wir etwas lesen, überrascht mich immer wieder. Oft geschieht es ganz unbewusst. Merken würden wir es erst, wenn unsere Lesefähigkeit eingeschränkt wäre. Lesen ist im Alltag entscheidend, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Stefan Pankoke schildert im Interview auf Seite 4 genau solche Hürden in Form von Zugtafeln und Formularen.

Genau hier setzt die SBS an: Neben Unterhaltungsliteratur, Fachbüchern, Lehrmitteln und Magazinen, die wir in unterschiedliche Medien wie Braille-, Grossdruck- oder Hörbücher umsetzen, können bei uns auch Beipackzettel, Bedienungsanleitungen und andere Alltagsschriften zur Übertragung in Auftrag gegeben werden.

Vor allem engagierte Menschen ermöglichen die Arbeit der SBS – zum Beispiel durch ihre Spenden oder durch die Vermittlung von finanziellen Beträgen. Béatrice Spang und Rosmarie Dobler sind vorbildlich mit ihrer aktiven Unterstützung. Lesen Sie auf Seite 8 über ihren Besuch bei uns in der SBS.

Und merken Sie sich den Samstag, 24. Juni 2017 schon einmal vor. Für Ihren Besuch bei der SBS – am Tag der offenen Tür. Wir freuen uns auf Sie!

Herzlich

Ihr Daniel Kunz, stv. Geschäftsführer SBS

Interview

Im Dialog mit Stefan Pankoke

Stefan Pankoke ist Jurist. Für seinen Job bei der Finanzmarktaufsicht FINMA zog er im letzten Jahr von Frankfurt nach Zürich und ist im gleichen Jahr stolzer Vater einer Tochter geworden.

Herr Pankoke, Sie sind zum ersten Mal Vater geworden. Ihre Tochter Emilia ist nun knapp ein Jahr alt. Wie ist das Vatersein, wenn man sein Kind praktisch nicht sehen kann?

Generell glaube Ich, dass das Vatersein eine Grenzerfahrung und ein »Learning-on-the-Job« ist. Natürlich habe ich mir schon vor der Vaterschaft Gedanken gemacht, ob ich mit einem Kleinkind sicher umgehen kann. Ich überlegte mir beispielsweise, ob ich das Kind in einem Tragetuch vorne vor dem Bauch tragen könnte, ohne ein zu grosses Kollisionsrisiko einzugehen. Ich befürchtete, beim Spazieren mit weissem Stock in der Hand und dem Baby im Tragetuch in eine Baustelle oder in ein parkiertes Auto zu laufen. Mittlerweile bin ich routinierter, mache viele Spaziergänge mit meiner Tochter und hole sie auch von der Krippe ab. Einen Kinderwagen haben wir nicht; den könnte ich auch nicht stossen. Wir sind »nur« mit dem Tragetuch unterwegs.

Sind Sie seit Geburt blind?

Ich bin seit Geburt stark sehbehindert. Durch meine Krankheit LCA (Lebersche kongenitale Amaurose: angeborene Funktionsstörung des Pigmentepithels der Netzhaut mit degenerativen Erscheinungsformen der Aderhaut) hat sich mein Sehvermögen ab Mitte 40 nochmals verschlechtert. Darüber habe ich mir im Vorfeld zwar nie grosse Gedanken gemacht, doch im Laufe der Zeit fielen mir gewisse Alltagsroutinen wie das Ablesen der Fahrplantafeln im Bahnhof oder das Ausfüllen von Formularen immer schwerer. Seit zwei bis drei Jahren kann Ich allenfalls noch grobe Strukturen wahrnehmen. Ich kann mich aber noch gut an das Sehen erinnern. Scherzhaft sage Ich gerne, dass Ich Im Leben genug gesehen habe.

Wie war denn Ihr Start im Kindergarten und in der Schule?

Dank einer befreundeten Kindergärtnerin durfte ich vier Wochen lang bei ihr in einem regulären Kindergarten bleiben, denn der Kindergarten in unserem Dorf wagte es zuerst nicht, mich mit meiner Sehbehinderung aufzunehmen. Der Feldversuch funktionierte jedoch so gut, dass mich der Dorfkindergarten dann doch aufgenommen hat. Ich genoss diese Zeit sehr, auch wenn ich unter anderem nicht so gut Fussball spielen konnte wie die anderen (lacht).

Kamen Sie schon im Kindergarten mit der Blindenschrift in Berührung?

Nein, nach dem Kindergarten kam ich in eine Sonderschule mit Internat. Sie lag 100 Kilometer von meinem Heimatort entfernt, so dass ich nur am Wochenende und in den Ferien zuhause sein konnte. In der Schule erlernte ich zwar die Blindenschrift, allerdings nichts über Mobilität. Zum Beispiel, wie ich mich mit dem weissen Stock in der Umwelt sicher und möglichst eigenständig orientieren kann. Von Integration sprach damals leider noch niemand. Die Sonderschule in den 70er-Jahren war für mich ehrlich gesagt die Hölle. Die Erzieherinnen waren sehr streng und die massiven Sparmassnahmen trugen zu einem kalten Klima bei. Die Berufsaussichten für Absolventen meiner Sonderschule beschränkten sich auf handwerkliche Berufe und etwa Gerichtsstenographie. Heute sieht dies natürlich ganz anders aus.

Dank glücklicher Umstände konnte ich nach sechs Jahren auf der Sonderschule zusammen mit fünf anderen sehbehinderten Schülerinnen und Schülern an einem Modellversuch teilnehmen und wir wurden in eine reguläre Schule integriert. Ich absolvierte das Gymnasium und schloss mit der Matura ab. Mathematik und Physik waren meine Leistungskurse. Was ich studieren wollte, wusste ich damals noch nicht. Doch aufgrund meiner Leistungskurse entschied ich mich, Informatik zu studieren. Nach zwei Jahren wechselte ich von Karlsruhe nach Tübingen, wo ich eher absichtslos an einer Juravorlesung teilnahm; es faszinierte mich auf Anhieb und ich fing an, Jura zu studieren.

Wie lernten Sie damals in Ihrem Jurastudium?

Früher konnte ich noch ein bisschen lesen, das heisst rund eine bis drei Seiten pro Tag. Bei sehr sorgfältiger Literaturauswahl half mir das ausserordentlich. Jedoch studierten meine Kommilitonen in der gleichen Zeitspanne ein Vielfaches. Ich fühlte mich damals benachteiligt und erlebte dies auch am Wissensvorsprung meiner Kommilitonen. Ich recherchierte also nach Literatur, die für Blinde aufbereitet war und fand in einer Blindenbibliothek Tonkassetten. Mit meiner Strategie, wenige Bücher zu lesen, diese aber sehr sorgfältig und meist mit Hunderten von Tonkassetten, konnte ich mein Studium erfolgreich bewältigen. Wir waren damals eine Gruppe von drei blinden Jurastudenten und erhielten von der Uni ein kleines Budget für Tonbandaufnahmen; jemand sprach für uns ausgewählte Studienliteratur auf Kassetten auf.

Ich studierte auch ein Jahr lang in Aix-en-Provence (Frankreich). Dass ich dort keinerlei Blindenschriftbücher und Tonkassetten hatte, machte nichts. Denn in Frankreich war für die Prüfungen nur der Stoff aus den Vorlesungen relevant. Mitschreiben konnte ich dank des Laptops, und wir Tübinger Erasmus-Studenten waren ein super Team; wir halfen einander bei der Vorbereitung. Als ich aus Frankreich zurückkam und das Staatsexamen näher rückte, besorgte ich mir sofort einen Scanner und eine Software für die Sprachausgabe. Damals begann ich die Bücher selbst einzuscannen, damit ich mir die Inhalte per Sprachausgabe anhören und mit Hilfe einer Braille-Zeile lesen konnte. Dies brachte aber auch einen gewissen Zusatzaufwand mit sich. Diese etwas mühsame Art der Rezeption von Fachliteratur war Grund genug, später ein aktuelles Promotionsthema zu wählen, zu dem noch nicht viel geschrieben worden war.

Wie erleben Sie die Berufswelt?

Ich hatte das grosse Glück, mit der Finanzmarktregulierung ein ungemein spannendes Feld zu entdecken. Das Thema hat mich im Grunde schon als Jugendlicher fasziniert. Ich wollte einfach wissen, wie eine Börse funktioniert. Inzwischen weiss ich es recht genau. Trotzdem lerne ich laufend dazu. Ich gehe morgens gerne ins Büro. Das war aber nicht immer so. So erlebte ich in einer Anwaltskanzlei offene Diskriminierung. Doch selbst im scheinbar so beschaulichen Staatsdienst überraschte man mich beim Bewerbungsgespräch. Obschon in meinem Lebenslauf zahlreiche berufliche Auslandsaufenthalte aufgelistet sind (Praktikum in Buenos Aires, ein Studienjahr in Frankreich, Station als Referendar in einer internationalen Kanzlei in Brüssel usw.), wollte man mich für internationale Tätigkeiten im Ausland nicht einsetzen. Ich hatte jedoch sicherlich mehr Auslandserfahrungen als meine Gesprächspartner im damaligen Bewerbungsgespräch. Leider war wohl der erste Eindruck meiner Sehbehinderung so stark, dass man mir Auslandsreisen nicht »zumuten« wollte. Sicherlich ohne böse Absicht, doch diese Diskriminierung kränkte mich im ersten Moment schon ein wenig. Den Verantwortlichen teilte ich daraufhin mit, doch nochmals meinen Lebenslauf mit allen Reisen und Auslandsaufenthalten anzusehen. Mit Erfolg: Ich erhielt den Job und konnte für meinen früheren Arbeitgeber rund zehn Jahre auf der ganzen Welt tätig sein.

Wie orientieren und organisieren Sie sich heute im Alltag?

Unterwegs helfen mir mein Blindenstock und technische Hilfsmittel. Ich arbeite in Zürich und an zwei Tagen pro Woche reise ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Bern. Gelegentlich verwende ich Apps um meinen Weg zu finden, zum Beispiel unterstützt mich Blind Square in der Orientierung und leitet mich zu einer bestimmten Adresse. Auch Google Maps bietet mir schon mal eine Wegbeschreibung.

Bei meiner Tätigkeit für die FINMA arbeite ich sehr viel mit digitalen Medien, mein Büro ist eigentlich papierlos. Ich benutze zudem eine mobile Braille-Zeile.

Zuhause beschriftet meine Frau neuerdings alle Baby-Nahrungsmittel mit Brailleschrift, damit ich unsere Tochter Emilia mit dem richtigen Brei füttern kann. Ich füttere den Abendbrei schon etwas anders als meine Frau, da ich ja zuerst fühlen muss, wo der Mund der Kleinen ist. Herd und Waschmaschine sind mittlerweile komplett barrierefrei. Auch das Wickeln meiner Tochter war zu Beginn eine Herausforderung, das klappt mittlerweile problemlos.

Was sind Ihre Hobbys?

Früher sangen meine Frau und ich gemeinsam in einem Chor, momentan fehlt mir dazu die Zeit. Ein weiteres Hobby von mir ist das Rudern. Frühmorgens auf dem Zürichsee, denn dann ist der See noch schön glatt. Sobald Passagierschiffe auf dem See verkehren, gibt es Wellen. Beim Rudern fällt die Abhängigkeit von einer sehenden Person weg, da zu zweit, zu viert oder zu acht gerudert wird. Mein politisches Erweckungserlebnis kam 2010 mit der ersten sogenannten Griechenland-Rettung. Die Finanzkrise hatte die Konstruktionsmängel des Euro schonungslos freigelegt. Soweit ich zurückdenken kann, fühle ich liberal. Die Deportation des Sechsjährigen in eine ferne Sonderschule war mir von Anfang an als anmassender Staatseingriff bewusst. Aber erst das Aufflammen der Euro-Krise gab den Anstoss, mich auch politisch zu engagieren. Sicher habe ich dabei mehr gelernt als bewegt. Natürlich ist Emilia auch eine Art Hobby (lacht).

Was und wie lesen Sie?

Momentan komme ich leider kaum dazu, Belletristik zu lesen. Eigentlich schade, da ich gute Quartierbuchläden sehr schätze. Häufig lese ich mit dem iPhone E-Books, so kann ich ein Buch auch effizienter anhören – dabei ist die Vorlese-Geschwindigkeit viel schneller als bei gesprochener Sprache. Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich auch mehr Literatur in Blindenschrift lesen. Sehr wichtig ist mir die Punktschrift, vor allem in der Musik oder wenn ich eine Präsentation halte.

Was macht Sie glücklich?

Aktuell besonders unsere kleine Familie. Die gibt mir Stabilität und bedeutet für mich einen roten Faden. Aber ich empfinde es auch als grosses Geschenk, wenn ich morgens im Zug nach Bern etwa die NZZ online lesen bzw. hören kann. Die Digitalisierung hat einen anderen, sicher glücklicheren Menschen aus mir gemacht. Natürlich freue ich mich auch, wenn mir im Beruf etwas gelingt, ich mitgestalten kann.

Positiv möchte ich auch den öffentlichen Verkehr hier in der Schweiz erwähnen. Dass dabei an blinde und sehbehinderte Menschen gedacht wird, macht mich sehr dankbar. Gerade hier in Zürich ist vieles barrierefrei, wie zum Beispiel bei Fussgängerstreifen mit Signalampeln oder Leitlinien im Bahnhof. Einmal war ich im Kontakt mit einem Bauingenieur des Hauptbahnhofs Zürich. Der Mann hat einen Orden verdient: Der Hauptbahnhof ist wirklich sehr gut durchdacht und ich kann dadurch weitgehend stressfrei reisen.

Herr Pankoke, vielen Dank für das interessante Gespräch.

Christine Schenk

Steckbrief
  • Name: Stefan Pankoke
  • Alter: 47 Jahre
  • Beruf: Jurist bei der FINMA
  • Hobbys: Rudern, klassische Musik und Jazz, Politik, Literatur – und seine Tochter Emilia

Testimonial

Die SBS sagt Danke Novartis!

Die Novartis Pharma AG unterstützt regelmässig Non-Profit Organisationen. Vorgeschlagen werden diese von der Novartis Pensionierten-Vereinigung: ein internes Gremium prüft deren Anregungen und trifft die Auswahl. Und so erhielten auch Ende 2016 vier Institutionen eine finanzielle Unterstützung von Novartis Schweiz. Darunter ist auch die SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte.

Zwei ehemalige Mitarbeiterinnen von Novartis besuchten unsere Bibliothek Ende November 2016, um die Spende persönlich zu überreichen. Bei ihrem Besuch konnten Beatrice Spang und Rosmarie Dobler die SBS bei einer Führung besser kennen lernen. Auch wir haben Interessantes über die beiden engagierten Frauen erfahren.

Beatrice Spang war 25 Jahre lang in verschiedenen Positionen bei Ciba Geigy und Novartis tätig. Zeitweise war sie weltweit verantwortlich für die präklinische sowie klinische Entwicklung onkologischer Medikamente, später setzte sie sich für die »Good Clinical Practice« ein. Heute ist sie senioren-politisch engagiert und Präsidentin der Novartis Pensionierten-Vereinigung.

Rosmarie Dobler war früher im Flugwesen tätig, bevor sie bei Ciba Geigy in der Reisezentrale zu arbeiten begann.

Sie organisierte für Mitarbeitende von Ciba Geigy Reisen, beantragte Visa, reservierte Übernachtungen und war zuständig für die Durchführung von Kongressen und Tagungen. Auch heute noch ist sie ein Organisationstalent; sie kümmert sich um den reibungslosen Betrieb der Novartis Pensionierten-Vereinigung.

Liebe Frau Spang, Sie haben als Präsidentin der Novartis Pensionierten-Vereinigung die SBS für eine Spende vorgeschlagen. Wie wurden Sie auf unsere Bibliothek aufmerksam?

Béatrice Spang: Ich habe einen Spendenbrief der SBS erhalten. Danach habe ich mir die SBS-Unterlagen zusenden lassen. Dass die SBS vor allem auch ältere Kundinnen und Kunden bedient, hat die Entscheidung sicherlich positiv beeinflusst. (Anmerkung der Redaktion: Ungefähr 70 Prozent der SBS-Kundschaft ist über 65 Jahre alt und erst mit zunehmendem Alter von einer Sehbehinderung betroffen).

Nach welchen Kriterien sucht die Novartis Pensionierten-Vereinigung Institutionen für eine Spendevergabe aus?

Béatrice Spang: Wir empfehlen vor allem Institutionen, die sich um ältere Menschen kümmern. Das ist unser Hauptkriterium. Zum Beispiel hat Novartis ein Zentrum finanziell unterstützt, das älteren, einsamen Menschen, eine begleitete Tagesstruktur anbietet.

Rosmarie Dobler: Ein anderes Beispiel betrifft ein Altersheim, das im Aussenbereich Sonnenstoren benötigte. Ich habe durch einen Bekannten davon erfahren und konnte dieses konkrete Anliegen der Novartis Pensionierten-Vereinigung vorschlagen.

Kennen Sie Menschen, die selber stark sehbehindert oder blind sind?

Béatrice Spang: In meiner Bekanntschaft wurde ein Kind ohne Augenlicht geboren. Sonst kenne ich jedoch persönlich keine sehbehinderten Menschen.

Rosmarie Dobler: Mein Vater war vom grünen Star betroffen und am Schluss seines Lebens blind. Deshalb habe ich mich mit Blindeninstitutionen auseinandergesetzt und Hilfsmittel für Betroffene organisiert. Ich bin durch meine Familiengeschichte sensibilisiert und gehe jedes Jahr eisern zur Augenkontrolle.

Was bedeutet Lesen für Sie und was lesen Sie gerne?

Béatrice Spang: Viel! Ich lese gerne, wenn ich dazu komme. In letzter Zeit kommt das Lesen leider etwas zu kurz. Ich lese zum einen gerne Krimis, zum anderen mag ich Romane, die sich um Familiensagas drehen, wie zum Beispiel Bücher von Ken Follet.

Rosmarie Dobler: Ich bin eine Leseratte. Für mich ist es selbstverständlich, dass ich jeden Abend vor dem Schlafengehen ein Buch zur Hand nehme. Ich lese Geschichten, welche in anderen Ländern spielen, die man vielleicht schon einmal besucht hat. Aber auch Krimis dürfen es sein. Auf jeden Fall lese ich die Bücher von Donna Leon sehr gern.

Was möchten Sie den Leserinnen und Lesern des »dialog« mitteilen?

Béatrice Spang: Ich finde es sehr wichtig, dass blinde und sehbehinderte Menschen auch weiterhin auf ein grosses und vielfältiges Leseangebot zurückgreifen können. Das ist mir ein grosses Anliegen.

Rosmarie Dobler: Ich kenne eine Kundin der SBS-Bibliothek, die sich regelmässig Hörbücher ausleiht. Es ist für sie immer eine besondere Freude, wenn ein Päckchen der SBS eintrifft. Ich finde Hörbücher auch für sehende Personen ganz toll.

Liebe Frau Spang, liebe Frau Dobler, nochmals vielen Dank für die Spende und für das interessante Gespräch!

Ilona Koch

In eigener Sache: Wir möchten uns bei Ihnen bedanken!

Die SBS finanziert einen Grossteil ihrer Dienstleistungen mit freiwilligen Spenden. Viele davon erhalten wir von langjährigen Gönnerinnen und Gönnern unserer Organisation, vielleicht auch von Ihnen. Wir sind Ihnen allen sehr dankbar und möchten gerne erfahren, warum Sie der SBS so zugetan sind.

Erlauben Sie uns, Sie besser kennenzulernen: Was sind die Gründe für Ihre Treue? Sind Sie selber oder ist jemand in Ihrem Umfeld von Sehbehinderung betroffen? Gibt es andere Gründe dafür, warum Sie unter den immer zahlreicheren gemeinnützigen Organisationen ausgerechnet unsere SBS unterstützen, die ja eher zu den kleineren Institutionen gehört? Was sind Ihre Beweggründe? Lassen Sie es uns wissen.

Manchmal erhalten wir auch Legate für die SBS. Das freut uns immer sehr. Wir sind aber auch traurig darüber, dass wir uns dann meistens nicht mehr bedanken können. Sehr oft lassen sich auch keine Hinterbliebenen mehr ausmachen. Daher wissen wir in den meisten Fällen nicht, warum die SBS mit einem Nachlass bedacht wurde – wir würden gerne unsere Wertschätzung zum Ausdruck bringen.

Für uns ist es keine Selbstverständlichkeit, von Ihnen eine Spende oder ein Legat zu erhalten. Umso gespannter sind wir darauf zu erfahren, warum Sie uns ausgewählt haben. Wir möchten diese Beweggründe und Geschichten sammeln und später anonymisiert im »dialog« auch für andere zugänglich machen – Ihre Geschichten sind auch unsere Geschichten, lassen Sie uns gemeinsam andere bewegen. Herzlichen Dank!

Schreiben Sie uns:

SBS, z.Hd. Ilona Koch,

Grubenstrasse 12,

8045 Zürich

oder per Mail an ilona.koch@sbs.ch

Lexikon

DAISY – WAS IST DAS?

DAISY

1. (botanisch Gänseblümchen);

2. Name eines weltweiten Standards für navigierbare, zugängliche Multimedia-Dokumente.

Abk.: DAISY = Digital Accessible Information System (Digitales System für den Zugang zu Informationen).

25 Jahre DAISY-Format. Wie aus Hörbüchern richtige Bücher wurden.

Das Digital Accessible Information System, kurz DAISY genannt, ist ein weltweit gültiger Standard bei der Produktion digitaler Bücher für blinde, seh- und lesebehinderte Menschen. Eine erste Version des DAISY-Formats wurde 1992 in Schweden entwickelt. Entsprechende Produktionen ersetzten die damals üblichen Hörbücher auf Tonbandkassetten. Das digitale Hörbuch sollte das analoge aber nicht bloss ersetzen. Es sollte das volle Potenzial der neuen Digital-Technologie nutzen und gleichzeitig Lese- bzw. Hörkomfort bieten, wie man ihn von der Lektüre eines gedruckten Buches kennt. Die Hörer von DAISY-Formaten sollten sich ähnlich unkompliziert, schnell und gezielt im Text bewegen können. Da keiner der damals verfügbaren Audiostandards diese Anforderung erfüllte, musste ein eigenes Format entwickelt werden – und das war DAISY.

1996 übernahm ein internationales Konsortium die weitere Entwicklung von DAISY. Gleichzeitig wurde DAISY vom reinen Audiostandard immer stärker zum allgemeinen E-Book-Format erweitert. Das DAISY-Konsortium verfolgte von Anfang an das Ziel, den vielfältigen und komfortablen Zugang über DAISY in weltweit gültige E-Book-Standards zu integrieren. Idealerweise sollten Bücher nicht nachträglich zugänglich gemacht werden müssen, sondern von Anfang an für alle Leser unabhängig von deren Sehkraft nutzbar sein.

Das Ziel der Einbindung der DAISY-Technologie in ein verbreitetes E-Book-Format wurde inzwischen erreicht. Mit ePub 3 steht ein Standard zur Verfügung, der es im Prinzip jedem Produzenten von E-Books erlaubt, vollständig zugängliche Bücher auf den Markt zu bringen.

Ob, bis wann und inwieweit kommerzielle Verlage diese Möglichkeit nutzen werden, kann heute noch niemand sagen. Die Blindenbibliotheken werden aber mit hoher Wahrscheinlichkeit in den nächsten Jahren vom Spezialformat DAISY auf den neuen kommerziellen Standard ePub3 wechseln.

Buchpatenschaft

Verschenken Sie ein Stück Natur – in Buchform

Fragt man sehende Erwachsene, was sie beim Blindsein wohl am meisten vermissen würden, dann werden oft das Sehen und Erleben von Natur genannt: den Sonnenuntergang betrachten, dem Garten beim Frühlingserwachen zusehen, Tiere beobachten. Doch auch blinde Menschen erleben die Natur: den Duft einer Blume, die warmen Sonnenstrahlen auf der Haut, das Plätschern eines Baches. In Rapperswil, im Kanton Sankt Gallen, gibt es zum Beispiel einen Rosengarten, in welchem jedes Exemplar der duftenden Schönheiten auch in Blindenschrift angeschrieben ist.

Es verwundert daher nicht, dass unsere Bibliothek regelmässig Bücher wie »Das geheime Leben der Bäume« von Peter Wohlleben in Blindenschrift oder »H wie Habicht« von Helen Macdonald regelmässig als Hörbuch ausleihen darf.

Alexander von Humboldt (1769-1859), ein deutscher Naturforscher, hat sein Leben gänzlich der Natur gewidmet. Mehrjährige Forschungsreisen führten ihn nach Lateinamerika, in die USA sowie nach Zentralasien. Seine Reisen machten ihn und seine Naturerkenntnisse weltweit bekannt.

Schenken Sie unseren blinden Nutzerinnen und Nutzern diese Reise-Erlebnisse auf den Pfaden von Alexander von Humboldt und ermöglichen Sie mit Ihrer Buchpatenschaft die Produktion des Blindenschriftbuches »Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur«.

Eine SBS-Buchpatenschaft für die komplette Übertragung eines Buches in Blindenschrift oder in ein Hörbuch kostet einmalig 4000 Franken. Auf den nachfolgenden Seiten präsentieren wir Ihnen gerne weitere Bücher, welche für eine Patenschaft zur Verfügung stehen. Selbstverständlich sind auch »Kleinbuchpatenschaften« bei der SBS herzlich willkommen.

Egal, für welches Buch Sie eine Patenschaft übernehmen möchten: Sie ermöglichen damit blinden und sehbehinderten Menschen den selbstständigen Zugang zu schönen und nachhaltigen Lesestunden.

Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

Herzlichst, Ihre

Ilona Koch, Buchpatenschaften SBS

Tel. 043 333 32 32,

spenden@sbs.ch

Vorschläge für Ihre Buchpatenschaft als Hörbücher

Klaartje de Zwarte-Walvisch: Mein geheimes Tagebuch

Klaartje de Zwarte-Walvischs Tagebuch beginnt dort, wo das von Anne Frank endete. Schmerzhaft präzise beschreibt sie ihr Martyrium – von der Verhaftung bis zum Vernichtungslager. Die einfache junge Frau aus Amsterdam, Jahrgang 1911, formuliert nicht so geschliffen wie die Kaufmannstochter Anne Frank, dennoch verbindet die beiden viel: Wie Anne verlor auch de Zwarte-Walvisch selbst in Momenten grösster Verzweiflung nicht den Humor. Seit Anfang April 1943 war de Zwarte-Walvisch im SS-Konzentrationslager Herzogenbusch interniert. Dreieinhalb Monate später, am 16. Juli, wurde sie im Vernichtungslager Sobibór ermordet. Bis zuletzt protokollierte sie den Alltag im Lager, füllte ein Notizbuch und drei blaue Schulhefte. Der historische Wert der Notizen steht ausser Frage, denn es gibt nur wenige detaillierte Zeugnisse von Holocaust-Opfern auf ihrem Weg in den Tod. Wie Anne war auch Klaartje beseelt von dem Wunsch, dass ihr Tagebuch einmal gefunden und gelesen wird: »Ich hoffe inständig, dass alles, was ich hier aufgeschrieben habe, einmal die Aussenwelt erreicht«, notiert sie, »nicht, um Propaganda zu betreiben, sondern nur, damit diejenigen, die von diesen Zuständen nichts wissen (und davon gibt es genug), davon erfahren.«

Es liest: Dominique Lüdi.

Charlie Chaplin/David Robinson: Footlights – Rampenlicht

»Er trug einen kleinen Zahnbürsten-Schnurrbart, eine schlechtsitzende Melone, einen engen Frack, weite Hosen und ein grosses Paar Schuhe« – wer dächte bei dieser Beschreibung nicht an Charlie Chaplin, der mit dieser Figur weltberühmt wurde? Die Beschreibung stammt aus Chaplins Feder, so sah einst der Clown Calvero aus, der Held seines einzigen Romans. Die Geschichte ist eine Hommage an Chaplins Anfangstage, sie spielt in den Theatern am Londoner West End im Jahre 1914. Charles Chaplin (1889-1977) war einer der bedeutendsten Komiker des 20. Jahrhunderts und als Regisseur, Drehbuchautor, Komponist und Produzent ein Universalgenie der Filmgeschichte. Doch bisher war vollkommen unbekannt, dass Chaplin 1948 auch einen Roman verfasste mit dem Titel »Footlights«. 2014 wurde der Originaltext im Filmarchiv in Bologna entdeckt und als Sensation gefeiert. Aus der Geschichte entstand 1952 Chaplins Spielfilm »Limelight« (dt. »Rampenlicht«), ein melancholisches Spätwerk, das das Publikum seinerzeit spaltete.

Mindestens ebenso spannend wie der Roman selbst sind die Anmerkungen des Chaplin-Experten David Robinson, die grossen Raum im Buch einnehmen.

Es lesen: Eveline Ratering und Danny Exnar.

Daniel Suter: Die Unvergleichlichen. Parallelroman

»Habt ihr denn noch Sachen aus der Zeit, als sie bei euch gewohnt hat?« – »Alles auf dem Dachboden. Da ist noch ganz altes Zeug darunter. Bücher, Zeitschriften und tonnenweise Briefe. Ich glaube, wir tragen alles auf die Wiese und machen ein grosses Feuer.« Aus dem grossen Feuer ist nichts geworden, zum Glück, dafür ein dicker Roman: ein Streifzug durch das Leben zweier schillernder Frauen, vor dem Hintergrund der jüngeren Weltgeschichte.

Frühling 1899 – die zehnjährige Paula Ahrons kommt aus Berlin in Zürich an. Ihr Vater, ein kleiner jüdischer Kaufmann, träumt vom wirtschaftlichen Aufstieg. In Basel wächst zur gleichen Zeit Jenny Gass wohlbehütet als Tochter eines Privatbankiers auf. Während Paula nach dem Gymnasium zur Universität geht, um Ökonomie und Politik zu studieren, bewundert Jenny in London die gekrönten Häupter des alten Europas im Trauerzug von König Edward VII. Nur anderthalb Jahre später feiert sie eine grosse Hochzeit mit dem Basler Seidenbandfabrikanten Rudolf Frygermut. Derweil muss Paula Ahrons in Zürich ihr Studium abbrechen, weil der Vater die Familie nicht mehr ernähren will und kann. Von da an bestimmen drei Widersprüche Paulas Leben: das Engagement für Sozialismus und Kommunismus, die Brotarbeit als Sekretärin und die schwierige Liebe zum sieben Jahre jüngeren Genossen Christian Seiler. Auch Jenny Frygermut muss früh erkennen, dass vieles, woran sie fest geglaubt hat, erschreckend brüchig ist. Jede erlebt auf ihre Weise die Krisen, Kriege und gesellschaftlichen Umbrüche ihrer Epoche. Über ein halbes Jahrhundert hinweg verbindet die beiden Frauen allein die Zeit, bis ein Zufall Paulas Sohn und Jennys Tochter Zusammentreffen lässt.

Daniel Suter erzählt die Geschichte aus dem Inneren der beiden Familien als Parallelroman, der persönliche und historische Momente verdichtet. Der langjährige »Tages-Anzeiger«-Redaktor setzte zudem journalistisches Handwerk ein, befragte Zeitzeugen, las Gerichtsurteile, forschte in Archiven, bei Zeitungsverlagen und Behördenstellen. Alle Szenen, die im Buch Vorkommen, sind dokumentiert, erfunden sind nur die Dialoge.

Es liest: Markus Back.

Angelo Lottaz: Totetänz

»Dr Fons isch ypfuuset gsy. Di ruuchi Schtimm vom Hannes het ne gweckt. D Marei het bleich i d Chuchi gluegt, dür di hauboffnigi Tür het er d Stepha- nia ghört luut u müehsam schnuufe. ›Gang dr Dokter go hole.‹ Ar isch viu zschnäu losgrennt u het scho haub am Schtutz obe fasch nümm möge. Dr nass u schwär Schnee het bi jedem Schritt gschprützt. Är isch bis zum Buuch ufe plotschnass gsy. Niemer het gseit, leg dr Pullover aa, niemer het zum Fänschter usegiueget, was es für Wätter macht. D Stephania isch ir Schtube gläge u het nüt gseit. Numen ihre schwär Schnuufisch da gsy. U dr Hannes isch mit Wuet u Vrzwyflig u Chlupf i d Chuchi usecho, dr Fons het gwüsst, dass er itz muess schwyge.«

Fons kommt in seinem Leben mit Schweigen oft weiter, leidet aber gleichzeitig unter dem Unausgesprochenen in einem Dorf voller ungeschriebener Gesetze. Viele der Haupt- und Nebengeschichten in Lottaz' Roman entstehen durch Missverständnisse, aber niemand tut etwas, um besser informiert zu sein. Erst am Totenbett ihrer Nächsten beginnen die Überlebenden langsam zu verstehen.

Lottaz schildert das Dorfleben in seiner Härte und Zärtlichkeit in einem ausdrucksstarken, poetischen und ganz eigen gestalteten Berndeutsch. Mit »Totetänz« beweist der Autor, dass auch ein literarisch anspruchsvoller Stil und schwierige Themen als moderner Mundart-Roman funktionieren. Angelo Lottaz lebt in Bern. Er ist in eigener Praxis als Psychotherapeut tätig. Zudem arbeitet er als Theologe und Seelsorger in einer Vorortspfarrei mit.

Es liest: Daniel Kasztura.

Vorschläge für Ihre Buchpatenschaft in Blindenschrift

Elif Shafak: Der Geruch des Paradieses

Als Peri in Istanbul auf dem Weg zu einer Dinnerparty auf offener Strasse überfallen wird, fällt ein Foto aus ihrer Handtasche – ein Relikt aus ihrer Studienzeit in Oxford. Die Erinnerung an einen Skandal, der ihre Welt für immer aus den Fugen gehoben hat, holt Peri ein. Elif Shafak verwebt meisterhaft Fragen der Liebe, der Schuld und des Glaubens. Die (in London lebende) türkische Autorin erzählt, wie der Kampf zwischen Tradition und Moderne die junge Peri zu zerreissen droht. In ihrem neuen Roman widmet sich Elif Shafak den dringlichsten Themen der heutigen Zeit. Eine berührende und zugleich explosive Geschichte über Identität, Politik, Glauben und die Türkei.

Luanda Riley: Die Schattenschwester

Star d'Aplièse ist eine sensible junge Frau. Der Welt begegnet sie eher vorsichtig. Seit sie denken kann, ist ihr Leben aufs Engste mit dem ihrer Schwester CeCe verflochten, aus deren Schatten herauszutreten ihr nie gelang. Als ihr geliebter Adoptivvater Pa Salt plötzlich stirbt, steht Star unversehens an einem Wendepunkt. Wie alle Mädchen in der Familie ist auch sie ein Adoptivkind und kennt ihre Wurzeln nicht. Doch im Abschiedsbrief Pa Salts findet sich ein Hinweis: die Adresse einer Londoner Buchhandlung. Dort soll sie nach einer gewissen Flora MacNichol fragen. Während Star diesen Spuren folgt, eröffnen sich ihr völlig ungeahnte Wege.

Andrea Wulf: Alexander von Humboldt und die Erfindung der Natur

Was hat Alexander von Humboldt, der 1859 starb, mit Klimawandel und Nachhaltigkeit zu tun? Der Naturforscher und Universalgelehrte ist nicht nur Namensgeber unzähliger Strassen und Pflanzen; selbst auf dem Mond ist ein »Mare« nach ihm benannt. Kaum ein anderer Wissenschaftler hat unser Verständnis von Natur als lebendigem Ganzen, als Kosmos, in dem vom Winzigsten bis zum Grössten alles miteinander verbunden ist, dessen untrennbarer Teil wir sind, nachhaltiger geprägt. Die Historikerin Andrea Wulf stellt Humboldts Erfindung der Natur, die er radikal neu dachte, ins Zentrum ihrer Erkundungsreise durch sein Leben und Werk. Sie folgt den Spuren des begnadeten Netzwerkers und zeigt, dass unser heutiges Wissen um die Verwundbarkeit der Erde in Humboldts Überzeugungen verwurzelt ist.

WHO'S WHO

Dr. Petra Aldridge, BEREICHSLEITERIN BLINDENSCHRIFT

Ihre Aufgabe in der Blindenbibliothek?

Ziel meiner Mitarbeiter und mir ist das Umsetzen von Kundenwünschen in die Medien Brailleschrift, Grossdruck oder E-Book.

Ihre Motivation, für die Blindenbibliothek zu arbeiten?

Aus meiner persönlichen Erfahrung als blinde Studentin und später als Lehrerin an einem integrativen Förderzentrum weiss ich, wie wichtig es ist, Bücher so rasch und so aktuell wie nur möglich, in guter Qualität zu bekommen.

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei Ihren Kollegen am meisten?

Ihr kreatives Potenzial, ihre Zuverlässigkeit und den Zusammenhalt im Team.

Und welches ist Ihre wichtigste Eigenschaft?

Motivieren können.

Brauchen Sie Bücher, um glücklich zu sein?

Sie sind mein Arbeitsgegenstand. Sie verschönern viele Momente des Alltags, zum Beispiel beim Pendeln zwischen Basel und Zürich.

In welcher Form geniessen Sie Literatur und wie häufig?

Mehrheitlich in gedruckter Braille-Form – und das mehrmals täglich.

Welches Buch hat Sie besonders geprägt – und warum?

Es gibt für mich viele wichtige Bücher. »Täglich vegetarisch« hat zumindest meine Kochgewohnheiten bereichert. Das Buch hat mir bewiesen, dass vegetarisches Essen vielseitig und ausserordentlich schmackhaft sein kann.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen – und warum?

»Das Zebra unterm Bett« von Markus Orths habe ich mit Freude Korrekturgelesen und später Kindern vorgelesen.

Welches Buch würden Sie selbst gerne schreiben?

Diese Frage stelle ich mir vor allem nach weniger guter Lektüre auch manchmal.

Sie können uns drei Bücher ans Herz legen:

Urs Widmer »Reise an den Rand des Universums«, Tomás González: »Das spröde Licht«, Timothée de Tombelle: »Tobie Lolness«

Ihre Lieblingsbeschäftigung neben der Literatur?

Tandemfahren.

Ihr liebstes Reiseziel?

Bei jeder Reise entdecke ich etwas Neues. Zuletzt Graz.

Ihr nächstes Ziel in der SBS?

Die Kunden der SBS immer wieder mit attraktiven und ästhetisch gut gelungenen Büchern zu überraschen.

Ihr Lebensmotto?

»Man löst keine Probleme, indem man sie auf Eis legt.« Von Sir Winston Churchill.

In fünf Sätzen:

Nach der Schule in Berlin und Studien in Leipzig wurde ich mit gut 30 Jahren von der DDR verlassen und wohnte fortan in der BRD. Obwohl als Hochschullehrerin ausgebildet, widmete ich mich der Arbeit in einer Integrationsschule mit sehbehinderten und nicht sehbehinderten Kindern, bevor ich mein Glück in einem neuen Wohnort – und Land – fand. In Basel qualifizierte ich mich als schulische Heilpädagogin. Die SBS kannte ich schon sehr lange aus meinem Engagement als Leiterin der AG Braille im Verband für Blinden- und Sehbehindertenpädagogik. So freute es mich, 2004 als Leiterin des Bereichs Blindenschrift zur SBS zu kommen.

SBS Märchenbücher

Goldmarie oder Pechmarie – FRAU HOLLE ENTSCHEIDET!

Die Bettfedern aufschütteln, bis es auf der Erde schneit. Das verlangt Frau Holle von ihren Dienstmädchen. Wer das fleissig tut, wird zur Goldmarie. Wer aber faul ist, den ereilt das Schicksal der Pechmarie. So nachzulesen im neuesten SBS-Märchenbüchlein.

»Wie schön das Märlibüchlein wieder geworden ist!« Die vielen positiven Rückmeldungen freuen uns jeweils sehr. Und entsprechend gerne präsentieren wir auch die diesjährige Ausgabe. Herbert Leupin hat das strenge Regime von Frau Holle liebevoll illustriert. Das Bändchen ist mit einem hochwertigen, farbigen Halbleineneinband versehen. Es wird exklusiv für die SBS produziert.

Die Kleinode mit Märchen der Brüder Grimm verschickt die SBS jahr für jahr an ihre Gönnerinnen und Gönner. Sie sind als Sammlerobjekte so beliebt, dass oft weitere Exemplare angefordert werden. Mittlerweile gibt es 55 SBS-Märchenbücher. Die Ausgaben aus den Jahren 1960 bis 2011 sind leider vergriffen. Doch folgende Exemplare sind noch lieferbar:

  • 2012: Aschenputtel
  • 2013: Der Wolf und die sieben jungen Geisslein
  • 2014: Der gestiefelte Kater
  • 2015: Schneewittchen
  • 2016: Hans im Glück

Ihre Nachbestellungen nehmen wir gerne entgegen unter der Telefonnummer 043 333 32 32 oder per E-Mail an spenden@sbs.ch. Im Namen unserer Kunden dankt die SBS schon jetzt herzlich für Ihre Unterstützung.

Eine Reise durch die Schweiz

EINLADUNG ZUM TAG DER OFFENEN TÜR

  • 24. JUNI 2017 9.00-16.00 UHR
  • SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte,
  • Grubenstr.12,
  • 8045 Zürich,
  • www.sbs.ch/offenetuer

Impressum

dialog Nr. 30 April 2017

dialog, das Magazin der SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte
Redaktionsleitung und Produktion: Ilona Koch, www.sbs.ch
Textredaktion und Beratung: trieloff kommunikation, www.trieloff.ch
Grafik Design und Satz/Illustrationen: JoosWolfangel, www.jooswolfangel.ch
Titelbild/weitere Fotos: Matthias Auer, www.auerfoto.ch
© SBS 2017
Verlag: SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte
Grubenstrasse 12, CH-8045 Zürich, Telefon +41 43 333 32 32, Fax +41 43 333 32 33
www.sbs.ch
E-Mail: spenden@sbs.ch
Spendenkonto: 80-1514-1
Der dialog ist für blinde, seh- und lesebehinderte Menschen auch in geeigneter Form erhältlich.
Auskunft über Telefon +41 43 333 32 32 oder nutzerservice@sbs.ch

Aktuelle «dialog»-Ausgabe hören

dialog Nr. 30 (00:23) Start
1 Editorial (02:39) Start
2 Interview. Im Dialog mit Stefan Pankoke (13:19) Start
3 Testimonial. Die SBS sagt «Danke Novartis!» (07:57) Start
4 Lexikon DAISY. Was ist das? (03:03) Start
5 Buchpatenschaft (15:21) Start
6 Who's who. Dr. Petra Aldridge (04:08) Start
7 SBS Märchenbücher (02:16) Start
8 Einladung zum Tag der offenen Tür (00:29) Start

Lesen Sie vergangene Ausgaben online:

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Porträt einer Mitarbeiterin der Mittelbeschaffung

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