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«dialog» 34 April 2019

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Hürden überwinden
Das Interview. Die blinde Sängerin Bernarda Brunovic aus Dietikon erreichte bei »The Voice of Germany« das Halbfinale. Sie nahm sich Zeit für ein ausführliches Interview.

Taktiler Atlas der Schweiz.
Die SBS musste einige Hürden überwinden, um für Blinde und Sehbehinderte ein besonderes, neues Angebot schaffen zu können.

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

Hürden überwinden! Jeder Mensch hat fast täglich Hürden zu überwinden, mal einfachere, mal kaum zu bewältigende. Gerade blinde Menschen stehen im Alltag immer wieder vor Hürden, besonders in unserer Gesellschaft, die vom geschriebenen Wort geprägt ist. Zu viele Warnungen, Anleitungen, Hinweise, Informationen und Erklärungen sind in unserer Umgebung nur in schriftlicher Form zu finden.

Die Titelgeschichte dieser Ausgabe handelt von der blinden Bernarda Brunovic aus Dietikon: Die 26-jährige schaffte den Sprung ins Halbfinale von »The Voice of Germany«. Um bei einer Castingshow mit 60'000 Teilnehmenden so weit zu kommen, musste sie einige Hürden überwinden. Martin Orgler hat die lebensfrohe, junge Frau interviewt und mit ihr über die Hürden gesprochen, die sie überwinden musste und die sie noch bewältigen will.

Der langjährige SBS-Sprecher Matthias von Bausznern stiess auf unerwartete Schwierigkeiten, als er die Memoiren von Péter Nádas mit dem Titel »Aufleuchtende Details« in den SBS-Hörbuchstudios aufsprechen sollte. Lesen Sie, welche Hürden sich ihm in den Weg stellten, was er dagegen unternahm und was daraus Besonderes entstanden ist.

Der lange Weg: Das SBS-Team musste ebenfalls etliche Hürden nehmen, bis es taktiles geografisches Kartenmaterial anbieten konnte – ein langgehegter Wunsch, der 2018 in Erfüllung ging. Petra Aldridge berichtet im Artikel »Auf Fingers Rappen durch die Schweiz« lebhaft von diesem langen Prozess.

Auch die jungen Bandmitglieder von »Red Bandana« werden Hürden überwinden müssen, um ihre selbst auferlegte »Challenge« erfolgreich zu meistern. Sie wollen bis Ende 2020 in allen 26 Kantonen mindestens ein Benefizkonzert zugunsten der SBS durchführen. Ines Meili beschreibt, wie es zur Idee der »Rock 4 Senses Tour« kam.

Die SBS setzt sich unermüdlich dafür ein, Bücher und Schriftwerke in zugängliche Formate zu übertragen und damit Blinden und Sehbehinderten wenigstens ein paar Hürden aus dem Weg zu räumen. Danke, dass Sie uns dabei helfen!

Herzlich

Ihr Daniel Kunz, Stv. Geschäftsführer SBS

Interview

Bernarda Brunovic

Bernarda Brunovic

Im bunten El Lokal in Zürich habe ich mich Ende Januar 2019 mit Bernarda Brunovic (26) verabredet. Die blinde Sängerin aus Dietikon erreichte einen Monat zuvor das Halbfinale von The Voice of Germany, einer Casting Show im Deutschen Fernsehen. Begleitet von ihrer Schwester sprach die fröhliche, junge Frau offenherzig über ihr Antreten bei The Voice, ihre Musikkarriere und ihren schwierigen Weg durch insgesamt 33 erfolglose Augenoperationen.

The Voice of Germany

In dieser Castingshow singen die Kandidatinnen und Kandidaten auf einer grossen Bühne vor Publikum. In den sogenannten »Blind Auditions« müssen sie vier Coaches überzeugen. Diese sitzen in grossen Stühlen, den Rücken den Kandidatinnen und Kandidaten zugewandt. Die Coaches müssen sich nur anhand der Stimme entscheiden. Sie können einen Knopf drücken, dann dreht sich ihr Stuhl und sie zeigen so, dass sie die Kandidatin oder den Kandidaten in ihr Team holen wollen.

Sie haben bei The Voice of Germany das Halbfinale erreicht. Sind Sie sehr enttäuscht, dass es nicht für das Finale gereicht hat?

Ich war sehr traurig, da ich sehr gerne noch einen Song mit dieser wunderbaren Band gemacht hätte. Mit meinem Finalsong hätte ich auch andere Facetten meiner Stimme gezeigt. Nicht nur die krasse Energie sondern auch das Tiefe, das Sanfte. Es wäre ein Lied gewesen, das mir sehr am Herz liegt. Ich hatte Highlights auf der Stage, das Publikum war sehr cool, die Coaches waren sehr nett. Die Show ist so schön. Das ist jetzt vorbei und das hat sehr wehgetan.

Sie waren unter den letzten zwölf von 60'000 Teilnehmenden – ein Riesenerfolg.

Ja, vor allem hat nur so wenig zum Finale gefehlt. Wenn man sich die Votingzahlen ansieht. Es war sehr knapp.

Wie können Sie sich auf einer so grossen Bühne wie bei The Voice orientieren?

Wir hatten eine Studiobesichtigung. Mit mir hat man dabei speziell die Bühne angeschaut. Man hat mir gesagt: hier steht die Band, hier wirst du stehen, da sind die Monitore. Am besten ist, wenn ich direkt vor den Monitoren stehe. Dann höre ich mich und kann direkt mit den Leuten kommunizieren, wie der Sound sein soll.

Ist es störend oder verwirrend mit den vielen Scheinwerfern? Sie sehen ja Licht und Schatten.

Ich habe Licht gerne. Bei The Voice hatte ich das Gefühl, dass sie sehr viel mit Licht gespielt haben. Besonders beim Halbfinale wurde vor mir ein Licht als Orientierungspunkt eingerichtet. Das fand ich wirklich ganz super.

Warum wollten Sie bei The Voice mitmachen?

Meine Schwester kam Ende Januar 2018 auf mich zu. Ich war gerade mitten in meinen Uniprüfungen. Da hat sie mir gesagt: Bernarda jetzt packen wir die Koffer, alles ist fix, im Februar gehen wir auf die erste Scoutingtour. Wir gehen nach Stuttgart, du gehst zu The Voice. Sie hatte mich gar nicht gefragt, ob ich gehen will oder nicht. Sie hat einfach alles schon fix gemacht. Ich wollte eigentlich nicht hingehen, sage ich jetzt ganz ehrlich. Es ist mir sehr viel durch den Kopf gegangen. Einerseits mein Studium und andererseits habe ich nicht damit gerechnet, dass sich überhaupt irgendein Coach umdrehen würde.

Haben Sie während des Auftritts bemerkt, dass sich alle Coaches umgedreht haben?

Nein, das sieht man nicht, das hört man nicht. Nur die Zuschauer am Fernseher hören das Signal des Knopfes. Man hat mich gebrieft, wenn jemand den Knopf drückt, redet er auch mit dir. Wenn nicht, dann gehst du von der Bühne.

Sie haben dann sehr gehofft, dass jemand Sie anspricht?

Das erste »Hallo« war super! Sie haben mir vorher gesagt: Du sagst dann selbst, dass du blind bist. Ich dachte: Muss das sein? Das fällt ja sowieso auf. Ich hatte geplant: So wird der Auftritt aussehen, das werde ich sagen, das werde ich unbedingt nicht sagen. Aber am Schluss war alles ganz anders. Es war wirklich ein Wettlauf mit der Zeit. Als ich nach Berlin gereist bin – ich, sonst nie krank, hatte plötzlich eine Mittelohrentzündung, beidseitig, kaputte Stimme, hohes Fieber, das ganze Vollprogramm. Ich bin halb taub aufgetreten. Ein Ohr war komplett zu, das andere war bei vielleicht 40%.

Das hat man aber nicht bemerkt.

Meine Mutter wollte mich nach Hause holen. Sie sagte, du blamierst dich nur. Ich sagte, ich ziehe das jetzt durch. Ich war daher extrem nervös. Ich, die sonst sehr gelassen ist, hatte noch nie so Angst vor einem Auftritt. Aber dann habe ich mir gesagt, ich singe um mein Leben, und was wird, wird. Als ich das erste »Hallo« hörte, dachte ich: Nein, das kann nicht sein, ich träume. Und dann der Moment, als ich gefragt wurde, was ich glaube, wie viele für mich gedrückt haben, und ich sage: einer, und denke: so frag doch nicht so – und dann die Antwort, alle vier, da bekomme ich jetzt noch Gänsehaut.

Hat Sie Ihr Auftritt bei The Voice weitergebracht?

Ja, jetzt geht es weiter. Das nächste Grosse ist, ich gehe Mitte Februar nach Kroatien zum Vorentscheid für den Eurovision Song Contest (ESC). Ich bin ursprünglich Kroatin. Es kann also sein, dass ich Kroatien beim ESC vertreten darf. Das wäre cool.

Konnten Sie von den Coaches profitieren, etwas lernen, vor allem natürlich von Michael Patrick Kelly, Ihrem Coach?

Ich sage mal, man lernt schon von den Coaches. Sie geben gute Tipps. Ich habe aber selber sogar noch mehr gelernt. Erstens das ganze Emotionale, man lernt sich von einer ganz anderen Seite kennen. Oder zum Beispiel bei den Battles. (Anm. Red.: In den Battles treten zwei Kandidaten gegeneinander an. Sie müssen dabei ein Lied im Duett singen.) Ich bin eigentlich jemand, der lieber solo singt als im Duett. Beim Duett lernt man, wie man eine Person strahlen lassen kann und nicht selbst im Mittelpunkt stehen muss. Dann hat man eine bessere Einstellung zu sich selbst und zu den anderen. Man steht auch irgendwie auf dem Boden der Realität – du bist nicht das Wichtigste im Leben.

Denken Sie, Sie können vom Musikmachen leben?

Das weiss ich nicht, weil es so schwierig ist. Es gibt so viele Gute und die sind nirgends. Stimme alleine, Talent alleine zählt nicht. Der Auftritt muss auch visuell stimmen. Bei mir wird zumindest am Anfang immer wieder die Blindheit ein Thema sein. Ich habe nichts gegen gut gemeinte Kommentare auf Social Media: Oh, das ist so bewundernswert, sie meistert das Leben. Für keinen ist das Leben einfach, und ein wenig Bestärkung ist schön, wenn wir sie uns allen geben könnten. Man sollte nicht auf die Karte Blindheit setzen, auf keinen Fall. In einem Interview für den ESC-Vorentscheid in Kroatien wurde ich darauf angesprochen, dass ich die erste blinde Sängerin bin. Ich habe gesagt, ich bin hier wegen des Songs, wegen der Stimme, wegen des Talents und nicht wegen meines Handicaps. Falls ich mit der Stimme nicht überzeugen kann, meine Leistung nicht bringen kann, was nützt mir dann eine Karriere?

Als ich jemandem erzählt habe, dass ich dieses Interview führen kann, wurde mir gesagt: Das ist ja toll, sie ist blind und kann trotzdem so gut singen.

Ich finde das wirklich sehr mühsam, wenn jemand sagt, für eine Blinde kann sie das sehr gut. Es ist wirklich nicht fair gegenüber den anderen, die ein Talent haben und dann so abgestempelt werden. Egal, ob es um Schwarz oder Weiss geht, um Mann oder Frau oder Blinde und Sehende. Seid nicht so oberflächlich, liebe Leute! Ihr hättet es doch auch nicht gerne, wenn euch das passiert. Ihr könnt dankbar sein, dass ihr gesund seid – man kann es ja nie wissen. Es gibt Menschen, die erblinden. Ich bin von Geburt an blind, ich kenne gar nichts anderes. Ich habe das Gefühl, die Karte Blindheit auszuspielen ist nicht fair gegenüber den anderen, die versuchen etwas zu machen und aus den Stereotypen raus wollen, weil sie die ganze Zeit irgendwie etikettiert werden.

Wenn jemand eine CD kauft, hört er ja nicht, ob die Sängerin blind ist oder nicht.

Ja genau. Ich wusste von Stevie Wonder bis vor ein paar Jahren nicht, dass er blind ist. (lacht) Das hat mich nie interessiert. Wenn jemand super singt, dann singt er super, dann inspiriert er.

Sie spielen Klavier. Können Sie Noten lesen? Die SBS bietet Musiknoten in Brailleschrift an.

Ich habe davon gehört. Ich spiele noch nicht lange Klavier. Es ist jetzt ein bisschen eine Passion geworden. Beim Gitarrespielen ist das Gefühl auch langsam am Kommen. Ich hatte zum Teil Unterricht, dann wieder nicht. Wenn das mit dem Klavier etwas wird, ich bin mal optimistisch, wären Noten für mich sehr nützlich, um bei einem Song herauszufinden, was ich links spiele und was rechts und welche Fingertechnik ich brauche.

Bis Sie 15 Jahre alt waren, hatten Sie 33 Augenoperationen. Wie hart war diese Zeit für Sie?

Ich kann mich nur an zwei Operationen erinnern. 2001 hat ein Arzt auf dem Operationstisch einen Fehler gemacht. Mein linkes Auge ist jetzt weg. Dort sitzt nun eine Glasprothese. Ich will gar nicht zu viel darauf eingehen, das war eine sehr schlimme Zeit.

Das war doch sicher ein Schock, eine Ernüchterung nach so vielen Versuchen?

2008 wurde ich dann am rechten Auge operiert. Da wurde auch etwas versucht, damit ich das Augenlicht nicht verliere. Zum Glück ist dabei nichts Schlimmeres passiert. Aber bei dieser Operation hatte ich das Gefühl, die Angst gehabt, zwischen Leben und Tod zu schweben. Das war zwar kein so gefährlicher Eingriff, aber die Narkosen sind nicht harmlos. Da kann immer etwas passieren. Ich hatte noch 30, 31 Operationen mehr, die allermeisten in meiner frühesten Kindheit. Ich dachte, es langt mir echt. Narkosen, Spital – es langt mir einfach.

Wie und wo konnten Sie in dieser Zeit Halt finden?

Ich wollte nie, dass man mir vom Leben etwas nimmt. Ich wollte mich nie mit weniger begnügen. Ich wollte unbedingt die Schule fertig machen. Die Musik gab mir Kraft. Sport war immer mein Hobby. Jetzt ist Winterzeit, da gehe ich Ski fahren. Mein Glaube war auch wichtig. Es hat vieles mitgespielt. Ich muss sagen, dass ich auch sehr viele Geschenke von oben bekam.

Die Zeit mit den 33 Operationen war auch für Ihre Eltern schwer. Wie haben sie diese Zeit gemeistert?

Ehrlich gesagt, ganz gut. Irgendwie hatte ich nie den Eindruck, dass sie ein riesiges Problem damit gehabt hätten. Das war mein Gefühl und trotzdem muss es wohl schwieriger gewesen sein, als man es in Worte fassen kann. Deshalb wollte ich an etwas arbeiten, das Hoffnung geben kann und das nicht zerstört werden kann. Wie zum Beispiel: Ich mache eine gute Matura, und dann hat man das im Sack. Auf dem OP-Tisch kann man das nicht, weil die Medizin, die menschlichen Möglichkeiten begrenzt sind.

Sie haben noch einen kleinen Rest Sehkraft. Sie sehen Licht und Schatten.

Ja, Licht und Schatten, bei Sonnenlicht Farben.

Welche Hilfsmittel nutzen Sie, um lesen zu können?

Ich habe ein grosses Lesegerät mit einem Monitor. Da kann ich die Schrift sehr gross stellen, aber das ist sehr anstrengend. Meistens nutze ich die Jaws-Sprachausgabe am Computer, zum Teil auch die Braille-Zeile, damit ich die Brailleschrift nicht vergesse. Mit der Technik, die man heute hat, lässt sich alles sehr gut machen, alle Word-Programme, oder wenn ich etwas im Internet suche. Social Media ist blindentechnisch erschwert, ist nicht unbedingt in Formaten, die vorgelesen werden können. Am ehesten bin ich auf Social Media, wenn es darum geht, einen Text zu schreiben. Fotos überlasse ich lieber jemand anderem. (lacht)

Sie haben die Angebote der SBS bereits genutzt. Wie zufrieden waren Sie damit?

Sehr! Die SBS hat für mich Schulmittel und Lehrbücher übertragen oder sie hat ein Lehrmittel in Brailleschrift für mich gefunden. Das war eine sehr gute Lösung. Ich kann mir vorstellen, die Übertragung von Lehrmitteln auch jetzt bei meinem Studium zu benötigen. Ich studiere seit 2014 an der Uni in Luzern im Fernstudium Theologie und Philosophie.

Warum haben Sie Theologie und Philosophie gewählt? Was fasziniert Sie daran?

(Lacht) Ja, ich als gläubige Person habe mich schon immer gerne mit dem Glauben befasst und mich intensiv mit den grossen Fragen auseinandergesetzt. Theologie und Philosophie gehen in die Breite, gehen in die Tiefe, sind interdisziplinär. Keine Ahnung, wenn ich irgendwelche Naturwissenschaften gewählt hätte, als Blinde wäre das schwer möglich, zusätzlich ist man auf ein Gebiet festgelegt.

Wie können Sie Theologie und Philosophie in Einklang bringen?

Es ist so schön, was in den kirchlichen Dokumenten der katholischen Kirche immer wieder geschrieben steht. Es braucht den Glauben und die Vernunft. Es geht alles im Einklang. Es sollte gar keinen Widerspruch geben, weil man glaubt, um zu verstehen und man versteht, um zu glauben. Es gehört alles zusammen. Die Wahrheit ist derart gross, da kommt man nie an ein Ende, da kann man immer wieder etwas neu entdecken. Man kann die Wahrheit nicht so behandeln, als ob man einen Ozean in einen kleinen Kessel giessen wollte. Das geht nicht.

Wie sieht Ihre Zukunft aus? Was haben Sie für Pläne?

Jetzt konzentriere ich mich auf den ESC-Vorentscheid in Kroatien, und dann schauen wir mal weiter. Ich habe da ein paar Dinge im März und im April, einige Auftritte. Das ganze Team mit dem Management muss sich noch einspielen. Jetzt kann ich nur darauf vertrauen, dass alles so läuft, wie es laufen soll. Nebenbei bin ich daran, mein Studium zu organisieren, so gut es geht. Ich sage mir, Schritt für Schritt wird sich das ergeben. Es braucht eine Mischung aus Optimismus und Realismus im richtigen Mass und auch eine Mischung aus Vorausplanung und Spontanität. Da muss ich sehr flexibel sein. Die Zukunft sieht auf alle Fälle sehr interessant aus. Ich lasse mich mal überraschen. Bei The Voice wusste ich auch nicht, was der jeweils nächste Schritt sein wird. Man stellt sich darauf ein, was auch immer kommt. Eurovision jetzt ist auch nicht gerade etwas Kleines.

Sie haben ja Erfahrung im Überwinden von Hürden.

Ich sage mal, ich bin noch immer am Üben.

Herzlichen Dank für das offene Gespräch!
Martin Orgler

SBS Atlas

TAKTILER ATLAS DER SCHWEIZ: Auf Fingers Rappen durch die Schweiz

Taktiler Atlas

Die Entdeckung der Welt

Sich eine Vorstellung von der nahen oder fernen Welt zu machen, ist ein immerwährendes Bedürfnis und die Triebfeder für zahlreiche Entdeckungsreisen der Menschheit. Auch taktiles geografisches Kartenmaterial für Blinde ist keinesfalls eine Erfindung der Neuzeit. Beispiele weisen bis weit in die Geschichte zurück. So lange währt die Diskussion zum Für und Wider von taktilen Karten für Blinde.

Am Anfang war ein Kundenwunsch

Ein interessierter und beharrlicher Kunde der SBS eruierte Möglichkeiten, Partner für die Realisierung seines Wunsches nach taktilen Karten der Schweiz ausfindig zu machen und von seiner Idee zu begeistern. Bei der Suche nach Kartenmaterial freute er sich zwar über das stetig wachsende Angebot an Literatur für Blinde und Sehbehinderte, bedauerte jedoch zugleich, dass es kaum taktile Karten gibt.

Getrieben vom unbefriedigenden Gefühl, in geografischer Hinsicht völlig ungebildet zu sein, und dem Eindruck, dass alle Versuche verbaler Aufklärung nur vage Abbilder der Landschaft liefern können, wuchs sein Wunsch, sich ein eigenes Bild von der Geografie der Schweiz machen zu können.

Die SBS steht innovativen Kundenwünschen grundsätzlich offen gegenüber. Das widerspiegelt auch der fortwährende Ausbau ihres Angebots seit nunmehr 115 Jahren. Eine gründliche Recherche der internationalen Bezugsmöglichkeiten von taktilem Kartenmaterial fiel ernüchternd aus. Deshalb prüfte die SBS praktikable hauseigene Möglichkeiten. Da uns der Zugang zu den benötigten Kartendaten und zu deren komplexer Aufbereitung fehlte, mussten wir dem Kunden bedauerlicherweise mitteilen, dass mit unseren Voraussetzungen ein derartiges Grossprojekt weder qualitativ zufriedenstellend noch wirtschaftlich sinnvoll wäre.

Wie die SBS trotzdem zum taktilen Atlas der Schweiz kam

Wenn man sich etwas ganz fest wünscht, gute Argumente hat und auf begeisterungsfähige Menschen stösst, die zudem über das notwendige Know-how verfügen, dann versetzt der Wunsch auch schon mal Schweizer Berge auf eine taktile Karte. Und nicht nur diese. Das Anliegen des blinden Fans geografischer Karten der Schweiz traf auf ein aufgeschlossenes Team im Kartierungssoftware-Unternehmen (GIS) Esri Schweiz AG in Zürich.

Angespornt durch die Herausforderung, Karten für die Fingerspitzen lesbar zu machen, nahmen Anna Vetter, Roland Schenkel und Thomas Koblet von Esri das Projekt in Angriff. Ziel war es, die Karten nicht nur tastbar zu machen, sondern auch für Finger gut lesbar und verständlich. Es entstand eine Partnerschaft mit der SBS, in der sich beide Seiten perfekt ergänzten. Esri lieferte das Karten-Know-how, wir konnten unser Wissen in der Umsetzung für Blinde und Sehbehinderte einbringen. Folgende Beispiele zeigen, wie wir unsere Kompetenz einbrachten: Die Zeichen der Brailleschrift nehmen viel Platz in Anspruch. Namen von Bergen, Flüssen und Ortschaften können daher nicht ausgeschrieben werden. Auf den taktilen Karten stehen daher Abkürzungen, die in der Legende aufgeschlüsselt sind. Brailleschrift kann nicht grösser oder kleiner, die Zeichen können nicht farbig, fett oder kursiv gedruckt werden. Die üblichen kartografischen Möglichkeiten, etwa die Namen von Wasserläufen farblich zu kennzeichnen, fallen weg. Deswegen schlugen wir eine braillegerechte Alternative vor: Spezielle Zeichen vor den Abkürzungen, die auf den Karten die Funktion der unterschiedlichen Schriftarten und -farben übernehmen.

Esri bereitete die Daten des Bundesamtes für Landestopografie nach den vereinbarten Standards auf. Weltweit erstmalig war, dass detailreiches Kartenmaterial sehr grosser Gebiete dank automatisierter Abläufe in kurzer Zeit erstellt werden konnte.

Als nächstes galt es, die Daten auf Papier zu bringen. Die topografischen Merkmale wurden mit Linien, Symbolen und Schriftzeichen wiedergegeben. Durch den Druck auf spezielles Papier konnten diese Merkmale für Blinde und Sehbehinderte lesbar gemacht werden. Die Karten wurden zunächst auf sogenanntes »Schwellpapier« gedruckt; wird dieses Papier erwärmt, quellen die schwarzen Stellen auf und werden so ertastbar.

Nicht nur Landes-, sondern verfahrenstechnische Grenzen

Was sich einfach anhört, ist im Detail eine ziemlich komplexe Angelegenheit. Nicht nur musste das Konzept die Klarheit und Wiedererkennbarkeit der Symbole gewährleisten, es galt auch verfahrens- und wahrnehmungstechnische Grenzen zu überwinden.

Während ein schattierter Hintergrund oder eine kreuzende Linie die Lesbarkeit von Schrift fürs Auge nicht wesentlich beeinträchtigt, ist der Finger überfordert, wenn Linien auch nur in die Nähe von Schriftzeichen kommen. Die maximale Informationsdichte ist viel geringer als bei herkömmlichen Karten – auf einer Karte für den Finger kann viel weniger angezeigt werden als auf einer fürs Auge. So entstanden Karten mit Bergen und Seen, andere beispielsweise mit dem Eisenbahnnetz. Auch wurde der Atlas in vier Grossraumregionen der Schweiz unterteilt: Nordosten, Nordwesten, Südwesten, Südosten.

Leider zeigt das Schwellpapier nach einigen »handgreiflichen Betrachtungen« rasch Gebrauchsspuren. Daher bietet die SBS diesen taktilen Atlas nur zum Verkauf und nicht zur Ausleihe an. Bei jedem Exemplar handelt es sich um eine Einzelanfertigung der 168 Teilkarten, die vor der Auslieferung von einem blinden Mitarbeiter kontrolliert werden.

Im Oktober 2018 war es so weit. Die SBS konnte ihren Kunden den fertiggestellten taktilen Atlas der Schweiz zum Kauf anbieten. Wir wünschen ihm eine begeisterte Fingerschar und der SBS viele neue Kunden.

Petra Aldridge, Marlies Bochsler

TAKTILEN ATLAS KAUFEN

Der taktile Atlas kann in unserer online-Bibliothek (www.sbs.ch/buecher-medien/kataloge/) bestellt werden. Er ist in vier Bände aufgeteilt: Nordosten (Zürich-St. Gallen / Schaffhausen-Glarus), Nordwesten (Jura-Aargau / Freiburg-Nidwalden), Südosten (Graubünden, St. Gallen, Tessin) und Südwesten (Bern-Genf / Neuenburg-Wallis).

Preis pro Band: CHF 200.-

Ein herausforderndes Hörbuch

Aufleuchtende Details

Interview mit Péter Nádas

So etwas hatte Matthias von Bausznern, einer der Hörbuchsprecher der SBS, noch nicht erlebt. Péter Nádas' Memoiren »Aufleuchtende Details« wehrten sich zunächst dagegen, von ihm gelesen zu werden. Die Lösung war, mit dem Autor in Kontakt zu treten. Ein spannendes Interview ist bei dieser Begegnung entstanden.

Bei jedem neuen Hörbuch, das in der SBS aufgenommen wird, steht zu Beginn ein sorgfältiges Auswahlverfahren: Welche Sprecherin oder welcher Sprecher liest das Buch? Für Péter Nádas' Memoiren »Aufleuchtende Details« fiel die Wahl auf Matthias von Bausznern. Auf den ersten Schreck über den Umfang des Buches folgte schnell Begeisterung. Beeindruckt vom Schreibstil des Autors und der hervorragenden Übersetzung durch Christina Viragh, las sich von Bausznern in das Buch ein. Dabei blieb er besonders an Nádas' Schlusssatz »Es tut mir leid.« hängen. Er war sich sicher, dass dieser Satz gelogen ist, fand es aber sehr faszinierend, dass jemand seine Memoiren nach 1700 Buchseiten mit diesem Satz beendet.

Das Buch wehrt sich

Nun begann für Matthias von Bausznern die Sprecharbeit in unserem Hörbuchstudio. Es galt, einige Hürden zu überwinden. Im Buch gibt es viele ungarische Ausdrücke und der Autor schreibt ohne Anführungs- und Schlusszeichen, weil die Aussagen der Protagonisten Erinnerungen sind. Zudem ist der Leser sehr gefordert; er muss mitdenken. Die Erzählperspektive wechselt stetig – von der Kindersicht zu der eines jungen Erwachsenen. Je tiefer von Bausznern beim Lesen in das Buch eintauchte, desto stärker befiel ihn das Gefühl, dass es auch um seine eigene Biografie geht, dass eine Verbindung zum Autor besteht, die er entdecken musste, um Zugang zum Text zu erhalten. Das Buch liess ihn nun nicht mehr los. Seine Gedanken kreisten um die bewegenden Inhalte, und er wusste nicht, wie er den Schreibstil gesprochen richtig wiedergeben sollte. Dies ging so weit, dass es ihm ein wenig unheimlich wurde, die Stimme von Péter Nádas zu sein, dessen Gedanken seine Stimme zu leihen. Wie sollte er tief genug in das Buch eintauchen, um es glaubhaft lesen zu können, ohne die nötige Distanz zu verlieren und zu emotional zu werden?

Ein Kontakt entsteht

Matthias von Bausznern wandte sich deshalb an den Verlag, der ihm einen Kontakt zu Péter Nádas vermittelte. Von Bausznern hatte grosse Bedenken und auch ein wenig Angst, mit dem Autor zu sprechen. Was denkt ein so angesehener Schriftsteller von mir? Störe ich ihn? Bin ich ihm sogar lästig? Die humorvolle Art von Péter Nádas liess aber alle seine Bedenken bereits beim ersten telefonischen Kontakt schnell verschwinden. Die Gespräche waren sehr hilfreich und ebneten den Weg, das Hörbuch erfolgreich lesen zu können.

Der Autor und der Hörbuchsprecher waren sich durch den telefonischen Kontakt nähergekommen, langsam entstand eine Freundschaft. Matthias von Bausznern konnte Péter Nádas endgültig für sich einnehmen, als ihm eine Stelle auffiel, die offenbar unvollständig ins Deutsche übersetzt worden war. Dies beeindruckte Péter Nádas. Beide hatten nun das Bedürfnis sich zu treffen. Im Herbst 2018 kam es in Berlin dazu.

Das vollständige Interview können Sie sich auf www.sbs.ch/dialog#Nadas anhören. Dort finden Sie auch Auszüge des Interviews als pdf zum Herunterladen.

Martin Orgler

Péter Nádas wurde 1942 in Budapest in eine jüdische, kommunistische Familie geboren. Seine Mutter starb 1955 an Krebs, sein Vater beging 1958 Selbstmord. Seither ist er als Fotograf und Fotoreporter tätig, seit 1985 auch als freier Schriftsteller. Er wurde mit diversen Literaturpreisen ausgezeichnet. Diesen Sommer zeigt das Kunsthaus Zug sein fotografisches Werk, das er dem Kunsthaus 2012 geschenkt hat.

Interview mit Péter Nádas

Konzerte für die SBS

RED BANDANA ON TOUR

ROCK 4 SENSES TOUR

RED BANDANA ON TOUR

Die Blues 'n' Rock Band aus dem Kanton Schwyz hat auf grossen und kleinen Bühnen bereits mehr als 150 Konzerte bestritten. Die Band will in den kommenden zwei Jahren etwas Neues schaffen: in jedem Kanton mindestens ein Konzert geben und dabei Spenden für einen guten Zweck sammeln. Ein ambitioniertes Vorhaben, wenn man bedenkt, dass alle Bandmitglieder voll im Berufsleben stehen.

Doch wem sollen die Spenden zugutekommen? Lange suchten die fünf Musiker nach einer passenden gemeinnützigen Institution. Sie sollte vertrauenswürdig und in der ganzen Schweiz tätig sein, sich für benachteiligte Menschen einsetzen und selbständiges Musizieren fördern. Nicht ganz einfach. Zufällig entdeckte die Band das SBS-Inserat »Ich fühle, also musiziere ich.« Das könnte es sein! »Red Bandana« informierten sich genauer über die Arbeit und die Werte der Bibliothek, die mit so originellen Inseraten wirbt. Schnell stand fest, dass man das Projekt für die SBS starten will.

Bei uns stiess das sympathische Vorhaben sofort auf grosses Interesse. Wir trafen uns zum Kennenlernen und für eine »Betriebsbesichtigung«. Die Bandmitglieder waren begeistert von den vielseitigen Aufgaben unserer Bibliothek. Ganz besonders beeindruckte sie, dass für blinde Musikerinnen und Musiker sogar Musiknoten in Punktschrift übertragen werden. Dafür wollen sie mit ihren Konzerten gerne Spenden sammeln!

Wir freuen uns ausserordentlich über das sehr persönliche und langfristige Engagement der Musikgruppe und wünschen »Red Bandana« tolle Konzerte und ein grossartiges Publikum.

Rock 4 Senses Tour

Helfen auch Sie, damit die Tournee ein voller Erfolg wird! Besuchen Sie das eine oder andere Benefizkonzert und kaufen Sie eine CD mit den neuesten »Red Bandana«-Hits. Und: Sagen Sie es weiter!

Mehr Informationen zur Band, zu Konzertdaten und zur Bestellung von CDs finden Sie auf der Website von »Red Bandana«: www.redbandana.ch.

Ines Meili

Buchpatenschaft

Buchpatenschaften für Hörbücher und Bücher in Blindenschrift

Eine spezielle Spende von Privaten, von Firmen oder aus besonderem Anlass

Liebe Leserin, lieber Leser

Hinter unseren Medien für blinde, seh- und lesebehinderte Menschen stecken eine aufwändige Technologie, viel Können und Erfahrung. Damit das breite Sortiment der SBS aktuell und spannend bleibt, sind wir auf die Mithilfe von Buchpatinnen und Buchpaten angewiesen.

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Ines Meili, Verantwortliche Partnerschaften

Tel. 043 333 32 32

E-Mail: spenden@sbs.ch

Vorschläge Hörbücher

Dana Grigorcea:

Die Dame mit dem maghrebinischen Hündchen

Anna ist Tänzerin. Gut verheiratet lebt sie ein schönes Leben. Dann trifft sie auf Gürkan. An der Seepromenade spricht er sie an. Und nichts ist mehr wie zuvor. Die Novelle erzählt von einer ungewöhnlichen Liebe in Zürich, aus dem Herzen einer Gesellschaft, die dem schönen Leben frönen will. In einer hellen, flirrenden Atmosphäre entsteht das Bild einer heterogenen Gesellschaft, in der Exotik und Zugehörigkeit sowie die Rolle der Kunst kritisch beleuchtet werden.

Eine hinreissende Geschichte über die Sehnsucht nach Sinn und Sinnlichkeit und über die Zeiten hinweg eine Hommage an Anton Tschechow.

Es liest: Lotti Happle

Jens Sparschuh:

Das Leben kostet viel Zeit

Dieser Roman ist ein so philosophisches wie herrlich humorvolles Nachdenken über die Entstehung von Lebenserzählungen und eine Hommage an eine ganz besondere Freundschaft.

Vor Jahren führte Titus Brose ein beinahe aufregendes Leben als Chefredakteur des Spandauer Boten. Heute schreibt er Memoiren im Auftrag der Firma LebensLauf. Seine Klienten findet er in einer Seniorenresidenz am Rande von Berlin. Auch Dr. Einhorn lernt er dort kennen, der sein Interesse auf Adelbert von Chamisso und Eduard Hitzig lenkt. Letzterer schrieb nicht nur posthum Chamissos Biografie, er sorgte gleich selbst für einige der spannendsten Episoden in dessen Leben. Fasziniert von dieser Beziehung begibt sich Brose auf eine Recherchereise.

Es liest: Jens Wachholz

Olivia Elkaim:

Modigliani, mon amour

Die leidenschaftliche Beziehung zwischen Jeanne Hébuterne und Amedeo Modigliani beginnt 1916 in Paris und gilt bis heute als eine der tragischsten Liebesgeschichten der Kunstwelt. Mit knapp 18 Jahren lernt Jeanne Hébuterne während ihres Malereistudiums in Paris den 14 Jahre älteren Amedeo Modigliani kennen, es ist Liebe auf den ersten Blick. Sie verlässt ihr Elternhaus und folgt dem mittellosen Maler ins Künstlerviertel Montparnasse. Während des Ersten Weltkrieges flieht das Paar nach Nizza und lässt alle familiären Bindungen hinter sich. Doch die leidenschaftliche, exzessive Liebe zwischen Modigliani und seiner Muse entfaltet eine zunehmend zerstörerische Kraft.

Es liest: Jeanne Devos

Hansjörg Schertenleib:

Die Fliegengöttin

Dass sie in ihrem gemeinsamen Haus sterben wollen, haben sie sich versprochen. Hier sind ihre Kinder aufgewachsen, hier hat ihr Leben stattgefunden. Immer wollten sie füreinander da sein. Bis zuletzt. Sich gegenseitig erlösen, wenn einer von ihnen nicht mehr weiter kann. Seit über fünfzig Jahren sind die Irin Eilis und der Holländer Willem verheiratet. Zwei Jahre sind seit ihrer Alzheimer-Diagnose vergangen. Aufopferungsvoll kümmert er sich um seine geliebte Frau und kann doch nur zusehen, wie sie immer weiter verschwindet. Auch Willem macht das Alter zu schaffen. Die Zeit verschwimmt in seinem Kopf, da hilft auch der Abreisskalender in der Küche nicht. Willem ist am Ende seiner Zuversicht, seiner Kraft, und er denkt an das Versprechen, das Eilis und er sich gegeben haben.

Es liest: Heiner Hitz

Vorschläge Blindenschrift

Hiromi Kawakami:

Die zehn Lieben des Nishino

Nishino ist der perfekte Liebhaber, der die geheimen Wünsche jeder Frau errät. Warum hat keine seiner Lieben Bestand? Es beginnt schon in der Schule. Warum ist die Welt so unendlich? fragt Nishino seine Freundin, um sie gleich mit der nächsten zu betrügen. Ein Mädchen spricht ihn auf der Strasse an und will sofort Sex mit ihm. Seine Chefin hat sich geschworen, nichts mit ihm anzufangen, bis er sie aus heiterem Himmel verführt. In seinen Fünfzigern möchte er zusammen mit einer jungen Geliebten sterben, doch so weit will sie nicht mit ihm gehen. »Die zehn Lieben von Nishino« erzählt nicht nur von diesen zehn Beziehungen, sondern – poetisch und genau – vom Verhältnis zwischen Mann und Frau.

Peter Høeg:

Durch deine Augen

Simon hat versucht, sich das Leben zu nehmen. Peter will ihm helfen und nimmt Kontakt mit der Therapeutin Lisa auf. Die drei waren einst Kindergartenfreunde, doch daran kann Lisa sich nicht mehr erinnern. Als Forscherin hat Lisa eine Methode gefunden, wie man das Bewusstsein eines Menschen als Hologramm sichtbar machen kann. So will sie Patienten helfen, wieder in eine echte Beziehung zu anderen zu treten. In ihrem Bemühen, den völlig in sich verschlossenen Simon zu retten, kommen sich Peter und Lisa näher. Auch die verschüttete Kindheit steigt wieder vor Lisa auf. Nach dem Bestseller »Der Susan Effekt« ein neues Meisterstück von Peter Høeg über umwerfende menschliche Begegnungen.

Lukas Hartmann:

Der Sänger

Seine Stimme füllte Konzertsäle, betörte die Damenwelt, eroberte in Deutschland, Europa, Amerika ein Millionenpublikum. Joseph Schmidt, Sohn orthodoxer Juden aus Czernowitz, hat es weit gebracht. 1942 aber gelten Kunst und Ruhm nichts mehr. Auf der Flucht vor den Nazis strandet der berühmte Tenor, krank, erschöpft, als einer unter Tausenden an der Schweizer Grenze. Wird er es sicher auf die andere Seite schaffen?

Folgende Buchtitel konnten dank einer Patenschaft produziert werden

Hörbuch

Hanns Heinz Ewers:
Lustmord einer Schildkröte
Ermöglicht durch Familie Meier-Neves, herzlichen Dank

Hörbuch

Eric-Emmanuel Schmitt:
Was Liebe will
Dank einer Patenschaft der J.C. Fridlin Gewürze AG

Buch in Blindenschrift

Keigo Higashino:
Unter der Mitternachtssonne
Dank einer anonymen Patin

 

Mit einer Buchpatenschaft für 4000 Franken ermöglichen Sie ein Hörbuch oder ein Blindenschriftbuch.

Wir freuen uns, wenn Sie Ihre Patenschaft in Ihren Firmen-Publikationen und auf Ihrer Website erwähnen, Ihren Kundinnen und Kunden darüber berichten oder es privat weiterempfehlen. Ihre Spende ist steuerabzugsfähig.

Herzlichen Dank!

Who's who

Susanne Wagner, ÜBERTRAGUNGSSPEZIALISTIN

Susanne Wagner
Ihre Aufgabe in der Blindenbibliothek?

Das Strukturieren, Übertragen und Korrigieren von Texten aller Art in Blindenschrift.

Ihre Motivation, für die Blindenbibliothek zu arbeiten?

Bücher für alle!

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei Ihren Kolleginnen und Kollegen am meisten?

Ihre Begeisterung für die Blindenschrift und die Freude am Feierabendbier.

Und welches ist Ihre wichtigste Eigenschaft?

Mein Eigensinn.

Brauchen Sie Bücher, um glücklich zu sein?

Ja. Bücher sind Heimat. Gewisse Bücher muss ich immer wieder in die Hand nehmen.

In welcher Form geniessen Sie Literatur und wie häufig?

Im Alltag: Sachliteratur, Gedichte, English Fiction. In den letzten Jahren zunehmend elektronisch oder als Hörbuch. Am liebsten auf Papier: Kinderbücher, Bildbände, illustrierte Werke. Zum Experimentieren: Bastelanleitungen, Rätsel, Kochrezepte. In den Ferien: dicke Wälzer mit generationen- und weltumspannenden Geschichten.

Welches Buch hat Sie besonders geprägt – und warum?

»Mein kleiner Orangenbaum« von Jose Mauro de Vasconcelos. Als Kind fand ich in Sese einen Verbündeten wegen seiner Freundschaft zum kleinen Orangenbaum. Meine Freundin war eine Trauerweide, die glücklicherweise heute noch dasteht.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen – und warum?

»Das verlorene Gähnen« von Franz Hohler, weil ich mich mit dem Gähnen beschäftige.

Welches Buch würden Sie selbst gerne schreiben?

Ein Geräuschlexikon.

Sie können uns drei Bücher ans Herz legen:

Zur Herzverankerung: »The Wind-Up Bird Chronicle« (Mister Aufziehvogel) von Haruki Murakami – über das Erfahren des inneren Abgrunds, ein modernes Märchen um Geduld zu üben. Für die Herzkraft: Gedichte von Rose Ausländer und Else Lasker-Schüler – die mich schon fast mein ganzes Leben begleiten und die ich immer wieder neu lese. Nach Herzenslust: Das »Schweizerische Idiotikon« (Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache) – zur Freude an unserer Sprache und um die unbekannte oder vergessene Heimat zu entdecken.

Ihre Lieblingsbeschäftigung neben der Literatur?

Mit Eseln spazieren gehen. Hörner zum Klingen bringen. Webdesign.

Ihr liebstes Reiseziel?

Der Horizont.

Ihr nächstes Ziel in der SBS?

Die Erscheinung des 500. Rucksackbuches feiern!

Kurzbiographie in 5 Sätzen

Geboren und aufgewachsen bin ich im Zürcher Unterland. Mein Studium an der Universität Zürich schloss ich 2003 mit einem Lizenziat in Englisch, Antikchinesisch und Völkerrecht ab. Kurz darauf startete ich bei der SBS im Bereich Blindenschrift. Seit 16 Jahren arbeite ich hier in einem Teilzeitpensum mit wechselnden Aufgaben. Derzeit mache ich berufsbegleitend einen Abschluss als Atemtherapeutin nach Ilse Middendorf und schreibe eine Diplomarbeit zum Thema »Gähnen«.

SBS Märchenbücher

Aufwachen! SPENDENAKTION DER SBS: DIE GRIMM-MÄRCHENBÜCHER

Dornroeschen

An ihrem fünfzehnten Geburtstag entdeckt eine Königstochter im Turmzimmer des Schlosses eine alte Frau mit einer Spindel. Die Königstochter will das Spinnen auch versuchen. Dabei sticht sie sich in den Finger und fällt gemeinsam mit dem ganzen Hofstaat in einen tiefen langen Schlaf. Erinnern Sie sich an dieses Grimm-Märchen?

Mit Dornröschen setzt die SBS ihre Märchenreihe fort. »Die Grimm-Märchen haben mir als Kind viel bedeutet. Darum schenke ich die SBS-Märchenbücher immer meiner Enkelin«, hat uns eine treue Spenderin geschrieben. Für unsere kleinen und grossen Märchenfreunde hat Herbert Leupin die Geschichte von Dornröschen liebevoll illustriert. Die Ausgabe mit hochwertigem Halbleineneinband wird exklusiv für die Spenderinnen und Spender der SBS produziert.

Das Dornröschen-Märchenbuch erscheint im August. Sammeln Sie die seit 1960 jährlich herausgegebenen Bücher? Ausgaben vergangener Jahre liefern wir Ihnen gerne nach. Folgende Titel sind noch lieferbar:

  • 2013 Der Wolf und die sieben jungen Geisslein
  • 2014 Der gestiefelte Kater
  • 2015 Schneewittchen
  • 2016 Hans im Glück
  • 2017 Frau Holle
  • 2018 Das tapfere Schneiderlein

Ihre Nachbestellungen nehmen wir gerne entgegen unter der Telefonnummer 043 333 32 32 oder per E-Mail an spenden@sbs.ch. Wir danken Ihnen herzlich für Ihre Unterstützung.

Hokus*Pokus*SBS

EINLADUNG ZUM TAG DER OFFENEN TÜR

29. JUNI 2019

9.00-16.00 UHR

Magische Momente

Bernarda Brunovic
live in Concert

SBS SCHWEIZERISCHE BIBLIOTHEK FÜR BLINDE, SEH- UND LESEBEHINDERTE

Grubenstrasse 12
8045 Zürich
www.sbs.ch/offenetuer

Impressum

Wir sind jetzt auf Facebook! www.facebook.com/sbs.schweiz
dialog Nr. 34 April 2019
dialog, das Magazin der SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte
Redaktionsleitung und Produktion: Martin Orgler, www.sbs.ch
Textredaktion und Beratung: trieloff kommunikation, www.trieloff.ch
Grafik Design und Satz / Illustrationen: JoosWolfangel, www.jooswolfangel.ch
Titelbild / weitere Fotos: Matthias Auer, www.auerfoto.ch; Mirjam Knickriem (Fotos: Péter Nádas und Matthias von Bausznern), www.knickriem.de; Lisa Röthig (Fotos: Red Bandana), lisa.roethig@gmx.ch; Janosch Abel (Foto: Arno Camenisch), www.janoschabel.com
© SBS 2019
Verlag: SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte
Grubenstrasse 12
CH-8045 Zürich
Telefon +41 43 333 32 32
Fax +41 43 333 32 33 www.sbs.ch
E-Mail: spenden@sbs.ch
Spendenkonto: 80-1514-1
Der dialog ist für blinde, seh- und lesebehinderte Menschen auch in geeigneter Form erhältlich. Auskunft über Telefon +41 43 333 32 32 oder nutzerservice@sbs.ch

Aktuelle «dialog»-Ausgabe hören

dialog Nr. 34 (00:22) Start
1 Editorial (02:42) Start
2 Das Interview. Bernarda Brunovic (15:31) Start
3 SBS Atlas. Taktiler Atlas der Schweiz (07:37) Start
4 Ein herausforderndes Hörbuch (04:51) Start
5 Konzerte für die SBS (02:27) Start
6 Buchpatenschaft (09:31) Start
7 Who's who. Susanne Wagner (03:43) Start
8 SBS Märchenbücher (02:10) Start
9 Hokus Pokus SBS. Tag der offenen Tür 2019 (00:35) Start

Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie uns.

Porträt Martin Orgler
Martin Orgler

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08.00 – 12.15 und 13.15 – 17.00