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«dialog» 38 April 2021

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dialog Nr. 38 April 2021

Interview. Hedwig Hummel, eine unserer aktivsten Kundinnen, erzählt aus ihrem spannenden Leben.

5 Fragen an Reinhold Messner. Lesen Sie, was er dazu sagt, dass die SBS sein Buch »Wild« dank Buchpatenschaften sowohl als Hörbuch aufnehmen als auch in Blindenschrift übertragen konnte!

Editorial

Lesen

»Lesen bedeutet, schriftlich niedergelegte, sprachlich formulierte Gedanken aufzunehmen«, so steht es im Lexikon. Eine sehr trockene Erklärung für ein Erlebnis, welches so viel auslösen kann.

Lesen kann unterhaltsam sein. Lesen kann mich weiterbilden. Lesen kann helfen, meine Meinung zu einem Thema zu ändern. Lesen kann mich zum Lachen oder Weinen bringen. Lesen kann eine solche Spannung in mir entfachen, dass ich alles um mich herum vergesse.

Gerade in schwierigen Zeiten hilft Lesen auch, von anderen Sorgen abzulenken. Noch nie wurden so viele Bücher bei der SBS ausgeliehen wie während des Lockdowns!

Auch die 90-jährige Hedwig Hummel ist eine fleissige Leserin. Seit einigen Jahren bezieht sie wegen ihrer starken Makuladegeneration ihre Lektüre bei der SBS. Im Interview erzählt sie, was Lesen ihr bedeutet. Hedwig Hummel hat die Blindenschrift nie gelernt und wird sie auch nicht mehr lernen. Die SBS bietet aber für Jung und Alt spezielle Buchformate an, welche den Einstieg ins Braille-Lesen erleichtern. Erfahren Sie mehr über unsere Brailleprodukte. Aus dem gleichen Grund beteiligt sich die SBS auch am Projekt »LEGO® Braille Bricks«, mit dem spielerisch Braille-Lesen gelernt werden kann.

Der berühmte Bergsteiger Reinhold Messner bringt im Kurzinterview seine Freude zum Ausdruck, dass die SBS sein Buch »Wild« als Hörbuch und als Braillebuch überträgt, damit es auch blinde und sehbehinderte Menschen lesen können.

Lesen spielt wohl in fast jedem Leben eine bedeutende Rolle. Das ist bei blinden und sehbehinderten Menschen nicht anders. Nur ist deren Zugang zu Büchern und Schriftwerken nicht immer ganz einfach. Deshalb ist immer wieder auch Ihre Unterstützung gefragt, damit die SBS diesen Zugang ermöglichen und erleichtern kann! Danke, dass Sie uns weiterhin treu bleiben!

Herzlich
Ihr Daniel Kunz

Interview

Hedwig Hummel: »Ich hatte ein spannendes Leben.«

Hedwig Hummel ist eine der eifrigsten SBS-Kundinnen. Sie nahm sich Zeit, aus ihrem spannenden Leben zu erzählen und gab uns Auskunft über ihre Beziehung zu Büchern.

Hedwig Hummel
Martin Orgler: Wie geht es Ihnen, Frau Hummel?

Hedwig Hummel: Ich kann nicht klagen. Neben den üblichen Leiden, die ich habe, geht es mir gut. Es tut mir nichts weh. Ich bin natürlich schon uralt. Ich bin jetzt 90 Jahre alt. 100 will ich gar nicht werden. Das wird dann doch ein wenig lang.

Sie sind im Kanton Bern aufgewachsen.

Geboren bin ich 1930 in einem kleinen Dorf im Obersimmental. Mein Vater hatte eine Schuhhandlung. Ich hatte sehr gute Eltern für die damalige Zeit. Sie mussten ihr Geld hart verdienen. Wenn ich aber etwas unbedingt wollte, habe ich es meistens bekommen – nicht immer alles.

Darum habe ich beispielsweise aus Stoffresten eine neue Bluse genäht. So war ich auch ohne Geld immer tipptopp angezogen. Mit 16 Jahren, nach der Konfirmation, bin ich weggegangen, denn es gab bei uns keine weiterführende Schule. Ich absolvierte die Aufnahmeprüfung in die Tertia am Gymnasium Burgdorf. Meine Eltern mussten viel zahlen, da ich auswärts untergebracht war. Nach der Matura habe ich sechs Monate eine Schnellbleiche als Sekretärin in Zürich gemacht. Ich wollte nur für sechs Monate nach Zürich und bin sechzehn Jahre geblieben.

Was hielt Sie in Zürich?

Ich hatte zuerst einen Broterwerb, eine Stelle als Sekretärin, stinklangweilig und blöd. Das war nichts für mich. Nach elf Monaten habe ich gekündigt. In den Fünfzigerjahren konnte man seine Stelle kündigen und fand gleich am nächsten Tag problemlos eine neue. In der Zeitung sah ich ein Inserat, bei der Illustrierten Die Woche wurde eine Sekretärin gesucht. Ah, das war es! Ich wollte ja immer Journalistin werden. Für mich war diese Arbeit ein richtiges Zuckerschlecken. Ich bin so gerne zur Arbeit gegangen! Die Woche war damals eine sehr gute Illustrierte und die Konkurrenz zur Schweizer Illustrierten.

Wie sind Sie dann Journalistin geworden?

Ein Grafiker erzählte mir, dass die Zeitschrift Wochenblätter eine Redaktorin suchen würde, ob ich mich da nicht melden wolle. Ich habe mein Curriculum Vitae geschickt und bekam tatsächlich Bescheid, dass ich vorbeikommen solle. Eine Reportage hatte ich bislang gemacht. Aber sonst hatte ich noch gar nichts geschrieben. Ich stellte mich vor und bekam die Antwort, es sei gut, aber es bräuchte jetzt noch eine Chefredaktorin. Ich sagte, ich wüsste jemand und habe meine frühere Mitarbeiterin, mit der ich so gut ausgekommen bin, vorgeschlagen. So hatte ich wieder die gleiche Kollegin. Das war das Paradies.

Und Sie waren nun tatsächlich Journalistin.

Bei der Zeitschrift Wochenblätter waren wir etwa 7 Jahre zusammen. Sie wurde dann in eine zweimonatlich erscheinende Zeitschrift umgewandelt, die wir unter dem Namen femina gründeten. Ich bekam eine neue Kollegin, mit der ich auch sehr gut auskam. Ich war immer eine gute Nummer zwei. Ich wäre nie eine Chefin gewesen, da hätte ich nicht mehr schlafen können. Bei der femina hatte ich eine sehr gute Zeit, bis ich dachte, ich bin lange genug dort gewesen. 1954 hatte ich bei der Zeitschrift Wochenblätter angefangen und 1970 habe ich gekündigt. Für vier Jahre ging ich nach Bern und habe zuerst für Tageszeitungen, unter anderem für Der Bund, geschrieben. Ich verfasste hauptsächlich Buchbesprechungen. Später habe ich mich beim Scherz Verlag gemeldet und gefragt, ob sie eine freie Mitarbeiterin brauchen können. Dort übersetzte ich Bücher. Vor allem las ich viele Bücher auf Englisch und Französisch und prüfte, ob sie für eine deutschsprachige Herausgabe in Frage kommen.

Haben Sie schon als Kind gerne gelesen?

Wir hatten zuhause nicht sehr viele Bücher, aber meine Eltern schimpften nie, wenn ich mit meinem restlichen Taschengeld wieder einmal ein Buch gekauft habe. Ich bekam zu Weihnachten und zum Geburtstag jeweils ein Buch geschenkt, aber die waren immer schnell gelesen.

Lesen war Ihnen also schon immer wichtig?

Ich wollte schon vor der Schule lesen lernen, aber mein Vater wollte es mir nicht beibringen. Er sagte, dass ich mich sonst in der Schule langweile. Dank meiner Lehrerin konnte ich dann alles Mögliche lesen. Sie gab mir diese SJW-Hefte oder auch alle Bücher von Johanna Spyri.

Sie waren nun freischaffende Journalistin in Bern. Wie ging es in Ihrem Leben weiter?

Als ich meinen Mann kennen lernte, war ich 24 Jahre alt. Ich dachte mir, den würde ich gerne heiraten. Er war verheiratet. Damals war das natürlich noch ein Problem. Ich musste halt warten. Als wir endlich heirateten, war ich 44. 1974, als ich wieder mit ihm zusammenkam, wurde er als Botschafter der UNESCO nach Paris versetzt. Ohne mich wollte er nicht nach Paris, also bin ich mitgegangen. Wir heirateten und lebten dann 13 Jahre in Paris. Ich habe weiterhin Übersetzungen gemacht. Das war eine wunderbare Zeit. Paris hatte in diesen Jahren noch nicht so viele Touristen und die UNESCO war natürlich schon damals eine sehr spannende Organisation. Das ist nicht Diplomatie, bei der man sich langweilen kann, das ist Wissenschaft und Kultur. Daher fand ich die Arbeit meines Mannes sehr interessant. Wir mussten viele Einladungen geben. Ich hatte jeweils die spannendsten Gäste links und rechts neben mir. Nach 13 Jahren dachte mein Mann, dass wir auch mal an einen anderen Ort gehen könnten. Er wurde nach Dublin versetzt. Das war natürlich wieder ein ganz anderes »Konfitürehäfeli«, in das ich gekommen bin.

Damals war ja eine aufregende Zeit in Irland.

Ja, das war recht wild. In dieser Zeit des Konflikts zwischen dem Norden und dem Süden wurde fast jede Woche jemand erschossen. Wir waren immerhin in Dublin und nicht in Belfast. Mit der Zeit beruhigte sich die Situation. Irland ist eine wunderschöne Insel. Alle diese halb zerfallenen Kirchen, Kathedralen und Klöster waren noch nicht zu einem Heritage Center umgestaltet. Da gab es manchmal Kühe auf dem Gelände. Kinder sind auf die Mauern geklettert. Das war alles ganz normal. Ich fand das wunderschön. 1992, nach fünf Jahren in Irland, wurde mein Mann pensioniert.

Sind Sie dann in die Schweiz zurückgekehrt?

Nein, wir haben noch 20 Jahre in Südfrankreich gewohnt und sind erst dann zurück. Wir hatten die Wohnung in Bern bereits und waren ab und zu für zwei, drei Tage hier. Skifahren gingen wir im Wallis und gelebt haben wir in Südfrankreich. Dort hatten wir Reben und Obstbäume. Wir hatten ein altes Haus renoviert.

Wann haben Sie bemerkt, dass Sie schlechter sehen?

Solange mein Mann noch gelebt hat, hatte ich nie Probleme. Doch, einmal schon. Ich bemerkte, dass mit den Augen etwas nicht in Ordnung ist. In einer Augenklinik bekam ich eine Spritze. Offenbar hatte ich damals schon Makuladegeneration.

Sie haben es damals noch gar nicht so bewusst als Einschränkung wahrgenommen?

Nein, habe ich nicht. Ich hatte schon immer eine Brille, aber wegen einer Hornhautverkrümmung. 2013 ist mein Mann gestorben, und 2014 fing ich plötzlich an, immer schlechter zu sehen. Von einer Optikerin erhielt ich eine Lesebrille. Das war aber nicht das Gelbe vom Ei. Ich dachte mir, was mache ich jetzt nur, wenn ich nicht mehr lesen kann? Ein Augenarzt hat dann festgestellt, dass ich eine Makuladegeneration habe, in einem Auge stärker als im anderen. Ich musste wieder Spritzen bekommen.

Sind Sie erschrocken, als Sie diese Diagnose erhielten?

Ich wusste nicht, was eine Makuladegeneration ist. Beim Augenarzt sah ich eine Broschüre einer Beratungsstelle. Dort erhielt ich eine neue Lampe, um besser lesen zu können. Drei Wochen ging das gut. Nachdem die Lampe nicht mehr ausreichte, habe ich eine kleine Lupe gefunden, in der Grösse einer Postkarte. Damit kann ich zwar lesen, es ist aber auf Dauer sehr anstrengend. Leider kamen nun noch Probleme mit meinen Beinen dazu. Ich habe eine Neuropathie an den Beinen. Das heisst, ich habe einfach kein Gefühl mehr auf der Haut. Es ist, wie wenn die Beine einschlafen. Das ist sehr unangenehm.

Für Ihre Trittsicherheit würde es sicher helfen, wenn Sie gut sehen könnten.

Ja und dem Sehen würde es helfen, wenn ich besser laufen könnte. Ich muss mich so sehr aufs Laufen konzentrieren, damit ich nicht umfalle, dass ich kaum etwas anderes sehe. Ich habe in den Zehen und Füssen einfach kein Feingefühl mehr. Schlechtes Sehen und schlechte Beine, das ist eine Kombination, die sehr ungünstig ist.

Mit Hilfsmitteln können Sie also noch lesen und kleinere Dinge erkennen?

Lesen kann ich schon länger nicht mehr. Wenn ich etwas lesen will, muss ich meine Lupe verwenden. Damit kann ich Briefe lesen, wenn sie nicht zu lang sind. Alles braucht sehr viel mehr Zeit. Was ich nicht mehr sehe, sind Rosen in Gärten. So etwas kann ich nicht mehr unterscheiden. Ich besuche zum Beispiel auch noch Ausstellungen im Kunsthaus. Wenn ich sehr nah an die Bilder herangehe, kann ich sie schon erkennen. Was ich nicht sehe, ist der Text, der neben den Bildern steht. Es gibt zwar diese Audioguides, aber die Nummern zu den Bildern sind auch so klein geschrieben, dass ich sie nicht erkennen kann. Fernsehen ist auch so eine Sache. Ich habe einen sehr grossen Fernseher, aber ich muss trotzdem mit dem Feldstecher fernsehen.

Ist das nicht sehr anstrengend auf Dauer?

Ich habe ja zwei Arme, da kann ich abwechseln. Dann geht das schon.

Sie lesen sehr gerne, und Bücher sind Ihnen wichtig. Sind Hörbücher, wie sie die SBS anbietet, ein guter Ersatz für das Erlebnis Buch?

Mein Mann war Verleger, bevor er in den diplomatischen Dienst eintrat. Er hat die Manesse-Bibliothek mit aufgebaut. Wir hatten tonnenweise Bücher, vor allem in Südfrankreich. Ich musste sehr viele verschenken, weil ich jetzt nur eine Zweizimmerwohnung habe. Mir fehlen Bücher schon sehr. Früher habe ich bei der SBS CDs ausgeliehen. Jetzt leihe ich diese Chips (Anm.: SD-Speicherkarten) aus. Die sind sehr praktisch, wenn man sie mit dem Milestone (Anm.: Abspielgerät für SD-Speicherkarten) hört. Ich kann 13, 15 oder noch mehr Stunden hören und so bequem dicke Bücher lesen. Aber man kann so ein Buch, wenn man etwas nachschlagen will, nicht aus dem Regal nehmen. Es ist halt kein Buch.

Wie leihen Sie Bücher bei der SBS aus?

Ich rufe meistens Ihren Nutzerservice an und frage nach Vero Stehlik oder lege der Rücksendung einen Zettel mit meinen Wünschen bei. Frau Stehlik hat ein sehr gutes Gespür dafür, was mir gefallen könnte. Ich finde auch die Bücher gut, die sie von sich aus auswählt und mir schickt, von denen sie denkt, sie könnten mich interessieren. Die Spitzweg-Biographie hat sie mir kürzlich geschickt. Das hat mich sehr gefreut. Ich wollte die SBS letztes Jahr besuchen. Wir waren bereits für eine Führung angemeldet, doch dann ist Corona gekommen. Es interessiert mich sehr, wie das in der SBS gemacht wird. Ich finde es erstaunlich: Ich kann bestellen, was ich will, die Bücher kommen immer. Ich kann auch ältere Bücher bestellen. Kürzlich kam mir in den Sinn, dass ich noch nie Marguerite Duras gelesen habe. Frau Stehlik hat mir nun drei Bücher geschickt.

Die Auswahl, die die SBS anbietet, ist also gut für Sie?

Ja, ja, sehr! Es kam zweimal vor, dass ich ein Buch nicht fertig gehört habe. Eines, das habe ich sogar selbst bestellt, war von einem Russen. Oh! Das war so langfädig. Da ist »Anna Karenina« geradezu eine spannende Kost! Was ich gerne lese, sind Biographien oder auch gerne eine Biographie romancée. Den Diogenes Verlag finde ich so gut, von dem können mir die Mitarbeiter der SBS alles schicken, selbst wenn es Krimis sind. Ich mag Krimis eigentlich nicht. Obwohl ich Krimis übersetzt habe. Ich bin sehr glücklich mit den Büchern, die der Nutzerservice der SBS auswählt.

Fanden Sie die Anmeldung bei der SBS oder auch das Zurücksenden der Bücher mühsam?

Nein, das ist alles wunderbar! Die SBS ist ein wunderbarer Betrieb. Ich bekomme immer diese relativ grossen gelben Behälter. Das funktioniert bestens. Jetzt steht auch noch der Titel darauf, auch in Brailleschrift. Aber die kann ich nicht lesen, die lerne ich auch nicht mehr. Das ginge viel zu lange. Brailleschrift lernen ist wahnsinnig schwierig. Ich bewundere alle, die das können. In die gelben Behälter packe ich alles wieder hinein und schicke es zurück. Ich finde das super einfach.

Bei den vielen Büchern, die Sie gelesen haben, gibt es da ein Lieblingsbuch?

Da gibt es viele, ich habe viele Lieblingsbücher.

Gibt es aktuell ein Buch, das Ihnen besonders gefällt?

Eine Biographie von Albrecht von Haller habe ich sogar zweimal gelesen.

Sind Sie glücklich?

Ich hatte ein spannendes Leben. Ich habe viel gesehen, viele spannende Dinge erlebt. Wissen Sie, die Welt ändert sich sehr, wenn man so lange lebt.

Herzlichen Dank Frau Hummel. Ich wünsche Ihnen, dass Sie noch einige spannende Veränderungen miterleben dürfen.

Martin Orgler

Brailleprodukte

Die SBS punktet mit Leseförderung

Haben Sie schon einmal überlegt, wie blinde Kinder lesen lernen? Oder wie ein blinder Vater, eine blinde Mutter oder Grossmutter Kindern ein Bilderbuch erzählt? Um das zu ermöglichen, stellt die SBS in Handarbeit Bücher und Kartenspiele her, die sowohl mit den Augen, als auch den Fingern gelesen werden können.

Blinde Menschen lesen anders. Sie müssen sich Informationen Zeichen für Zeichen erschliessen. Buchstaben, Wörter und Texte werden mit den Fingern ertastet, anstatt über den Sehsinn auf einen Blick erfasst. Hinzu kommt: Sehen bedeutet Lesen. Alle Eindrücke und Informationen, die ein sehendes Auge ans Gehirn liefert, liegen für blinde Menschen im Unsichtbaren. Deshalb müssen sich blinde und sehbehinderte Menschen um schriftliche Informationen stets aktiv bemühen. Beim taktilen Lesen sind zudem die Orientierung im Text und die Gewichtung der aufgenommenen Informationen eine grosse Herausforderung. Braille-Lesende benötigen ausserdem Kenntnisse in der speziellen Schreibweise von Fremdsprachen, Musik, Mathematik und anderem. Das entlastende Vorauslesen ist beschränkt. Auch geübte Lesende mit hochentwickeltem Tastsinn entschlüsseln maximal zwei bis drei Zeichen im Voraus. Bevor Fingerlesende einen Text überhaupt entschlüsseln können, muss dieser dafür vorbereitet werden. Die Mitarbeitenden der SBS widmen sich der herausfordernden Aufgabe, schriftliche Informationen taktil zugänglich zu machen. Eine aufwändige Arbeit, die nur mit jahrelanger Erfahrung und Spezialkenntnissen geleistet werden kann.

Geschichten für alle

Eine Kindheit ohne Geschichten – wie traurig wäre das! Die SBS ermöglicht sehenden und blinden Menschen einen gemeinsamen unbeschwerten Lese- und Spielspass. Für Kinder ist das Erleben von Geschichten durch Vorlesen die allerbeste Leseförderung. Das Geschichtenerzählen weckt das Interesse an Büchern – die beste Motivation, um selbst lesen zu lernen. Deshalb entwickelt die SBS Bücher, die es blinden Menschen ermöglichen, Kindern Geschichten vorzulesen. Bei diesen Büchern ergänzt die SBS das farbige Bilderbuch von Hand mit einer »Braille-Übersetzung«, die sorgfältig ins Buch eingepasst wird. Es entsteht ein Buch, das sowohl mit den Augen als auch mit den Fingern gelesen werden kann. Es sieht dann immer noch genauso schön und farbig aus wie herkömmliche Bilderbücher im Original. Die Grösse der Braillezeichen setzt bei der Anpassung eines Bilderbuchs Grenzen. Deshalb ergänzt ein Braille-Zusatzheft mit den Vorlesetexten und Bildbeschreibungen das Bilderbuch.

Erfahrene Mitarbeitende der SBS begleiten die Produktion eines solchen Buches von der Titelauswahl über die inhaltliche Schrifterweiterung bis zur Produktion des vollständig zugänglichen Endprodukts. Die Braillezeichen, die zum Beispiel eine ergänzte Bildbeschreibung richtig zuordnen, werden für jedes Buch an passender Stelle eingeklebt. Viel Zeit und Handarbeit ist also nötig, damit blinde Eltern und sehende Kinder Bilderbücher gemeinsam anschauen und lesen können.

»Rucksackbücher« der SBS für unbeschwertes Lesen

Lesen üben gelingt am besten, wenn es Freude bereitet. Doch unbeschwertes Lesen ist für blinde Kinder nicht selbstverständlich. Braillebücher sind klobig und schwer. Die Auswahl für das junge Publikum war lange Zeit sehr begrenzt. Doch seit 2006 produziert die SBS für Kinder und Jugendliche »Rucksackbücher« im handlichen A4-Format. Über 500 Titel befinden sich bereits im Sortiment der SBS. Einige davon konnte die SBS dank Buchpatenschaften realisieren. Auch der jährlich erscheinende Kinderkalender bietet Jung und Alt jede Woche ein Abreissblatt mit Texten zum Lachen, Rätseln oder Staunen.

Leseförderung für Erwachsene

Auch für erwachsene Leseanfänger tüftelt die SBS am Spassfaktor und möchte Erfolgserlebnisse mit der Brailleschrift vermitteln. Möglichkeiten gibt es viele: So müssen lediglich zehn Zeichen gelernt werden, um taktile Sudoku-Rätsel zu lösen. Speziell aufbereitete Bücher und Spiele fördern das Lesen und den Tastsinn. Damit übt es sich spielerisch. Im Handumdrehen fügen sich einzelne Silben zu Wörtern und einzelne Wörter zu Sätzen. Auch das Hantieren mit Braille-Spielkarten unterstützt die Entwicklung der taktilen Fähigkeiten. So wird das Lesen für den Finger selbstverständlich.

Kreativ Braillezeichen lernen

Die Anordnung von Punkten, aus denen jedes Braillezeichen besteht, lässt sich auch gezielt zu »Bildern« zusammenfügen. Die SBS hat verschiedene Motive mit Schreibanleitung herausgegeben. Das »Zeichnen mit der Braillemaschine« regt die kreative Entwicklung und den spielerischen Umgang mit den Zeichenformen an. So fördert die SBS taktiles Lesen auch durch Schreiben. Wo Freude am Tun herrscht, stellt sich schnell einmal Lernfortschritt ein. Mit Ihrer Spende oder einer Patenschaft werden Sie Teil da von – geteilte Freude ist bekanntlich doppelte Freude!

Susanne Wagner und Petra Aldridge

LEGO® Braille Bricks

LEGO Braille Bricks

Spielend die Brailleschrift lernen

Mit den von der LEGO Foundation entwickelten LEGO Braille-Steinen lernen Kinder das Braille-Alphabet spielerisch. Die SBS wirkt bei diesem internationalen Projekt als offizielle Schweizer Partnerin mit.

Auf den ersten Blick sehen die fröhlich bunten LEGO® Braille Bricks wie ganz normale Legosteine aus. Und tatsächlich kann man mit ihnen auch prima bauen. Auf den zweiten Blick bemerkt man jedoch, dass die Punkte nicht wie gewohnt auf den Steinen angeordnet sind. Nein, hier hat die Anordnung der Punkte ein anderes System, und zwar das Sechs-Punkte-System der Brailleschrift. Mit flinken Fingern kann man Buchstaben, Zahlen und Zeichen ertasten. Zusätzlich gibt es auf jedem Stein einen schwarzen Aufdruck des entsprechenden Buchstabens oder Zeichens. So können sehbehinderte und sehende Personen gemeinsam lernen und spielen.

Die LEGO Foundation hat die LEGO Braille Bricks in Zusammenarbeit mit Blindenorganisationen verschiedener Länder entwickelt. Zusätzlich haben internationale Braille-Experten viele Anregungen für den Braille-Unterricht mit den Steinen erarbeitet. Diesen Unterrichtsideen liegt das Konzept »Lernen durch Spielen« zugrunde. Aktuell gibt es die LEGO Braille-Steine in zwanzig Ländern und in elf Sprachen.

Ausgewählte nationale Partner verteilen die Boxen mit je über 300 LEGO Braille-Steinen und drei Grundplatten kostenlos und exklusiv an Blindenschulen und Förderlehrpersonen. Die Boxen sind ausschliesslich für den Braille-Unterricht mit blinden und sehbehinderten Kindern und Jugendlichen vorgesehen. Die Steine dürfen nicht verkauft werden.

Als offizielle Schweizer Partnerin übernimmt die SBS die Verteilung der LEGO Braille Bricks in deutscher Sprache in der Schweiz. Sie gibt auch die von der LEGO Foundation entwickelten Unterrichtskonzepte weiter. Darüber hinaus haben sehbehinderte Kundinnen und Kunden der SBS die Möglichkeit, LEGO Braille Boxen auszuleihen.

Alle Informationen zum Projekt finden Sie unter www.sbs.ch/lego.

Henrike Strehler

SBS Legate

Längerfristig etwas Positives bewirken

In Gesprächen über die eigene Vergänglichkeit zeigt sich, dass die Vorstellungen zur Planung der Hinterlassenschaft sehr individuell sind. Diese Reportage zeichnet Aspekte der Nachlassplanung vor dem Hintergrund von Lebenssituationen älterer Menschen auf.

»Das Haus vermachen wir einmal unseren Töchtern, obwohl wir noch gar nicht wissen, ob eine der beiden später darin wohnen möchte. Daneben ist uns ein soziales Engagement wichtig. Wir diskutieren, ob wir in unser Testament ein Legat für einen guten Zweck aufnehmen sollen.« Wie dieses Ehepaar aus Rüti vermachen die Schweizerinnen und Schweizer die meisten Vermögenswerte ihren direkten Nachkommen, jährlich insgesamt fast 95 Milliarden Franken. Daneben gibt es aber auch den Wunsch, mit dem Erbe über den Familienkreis hinaus Gutes zu bewirken.

Vielen ist bewusst, wie wichtig eine frühzeitige Erbregelung ist. Wird bezüglich des Nachlasses nichts festgehalten, tritt automatisch die gesetzliche Erbfolge in Kraft. Ein handgeschriebenes, nach formellen Regeln verfasstes Testament kann verhindern, dass es bei der Erbteilung zum Streit der Hinterbliebenen kommt oder das Testament angefochten wird.

In einem Testament handschriftlich festhalten, was einem wichtig ist

»Ich hatte in meinem erfüllten Leben viel Gelegenheit, meine Hobbys wie die Musik zu pflegen. Nun überlege ich, ob ich mein Vermögen einem Musikstudenten vermachen soll, damit mein Nachlass längerfristig etwas Positives bewirken kann.« Der 81-jährige Zürcher hat keine direkten Nachkommen und kann deshalb frei Personen oder Organisationen als Erben einsetzen, die sein Vermögen erhalten sollen.

Gutes tun mit einem Legat

Eine weitere Form, um mit dem Nachlass nicht eigene Angehörige zu begünstigen, ist ein Legat. Als Bestandteil des Testaments ist das Legat ein Geldbetrag oder ein Gegenstand, den zum Beispiel ein Patenkind oder eine gemeinnützige Organisation erhalten soll. Nonprofit-Organisationen wie die SBS sind dankbare Empfänger solcher Legate.

»Als mein Mann vor zwei Jahren starb, musste ich mich aus heiterem Himmel mit der Erbthematik auseinandersetzen, da er kein Testament hinterlassen hatte. Unser Sohn ist nach Argentinien ausgewandert. Ich habe jetzt ein Testament verfasst, in dem ich den frei verfügbaren Teil einer gemeinnützigen Organisation überlassen werde.« Die 85-jährige Frau aus Spreitenbach hat sich beraten lassen, was sich besonders bei komplizierten Verhältnissen und grossen Vermögenswerten empfiehlt.

Das gute Gefühl, die Dinge geregelt zu haben

Obschon es als belastend empfunden wird, festzuhalten, wer was erben soll, sollte man den Nachlass frühzeitig regeln. Auch wenn sich die lebensfrohe Spreitenbacherin noch nicht sicher ist, ob sie ihr Testament nochmals ändern wird, so betont sie: »Es gibt mir ein gutes Gefühl, dass mein Nachlass geregelt ist.«

Weitere Informationen sowie einen »Testament-Generator« finden Sie unter www.sbs.ch/testament.

Buchpatenschaft

Buchpatenschaften für Hörbücher und Bücher in Blindenschrift

Sie lesen gerne Bücher? Ihr Lieblingsbuch ist nicht für Blinde oder Sehbehinderte verfügbar? Sie wollen Blinden und Sehbehinderten aus besonderem Anlass ein spezielles Buch zugänglich machen? Eine Buchpatenschaft bei der SBS für 4000 Franken kann die Lösung sein.

Einen traurigen, besonderen Anlass hatte Carlina Capaul. Ihr Vater war verstorben. Als langjährige Spenderin der SBS ist es ihr ein Anliegen, dass Blinde und Sehbehinderte Zugang zu Büchern erhalten. Im Gedenken an ihren Vater entschied sie sich daher für eine Buchpatenschaft bei der SBS. Mit 4000 Franken finanzierte sie die Produktion eines Hörbuchs. Da sich ihr Vater sehr für Abenteuergeschichten interessierte, besonders für Berichte von Polarexpeditionen, fiel ihre Wahl auf das Buch »Wild« von Reinhold Messner.

Ihre Mutter Barbara Capaul-Stämpfli war so begeistert von der Idee, dass sie kurzerhand anbot, die Übertragung des gleichen Buches in Blindenschrift mit ebenfalls 4000 Franken zu finanzieren. In »Wild« beschreibt der berühmte Bergsteiger und Autor eindrücklich Ernest Shackletons Endurance-Expedition in die Antarktis. Er konzentriert sich auf den Überlebenskampf der im antarktischen Winter zurückgebliebenen Männer, die unter der Führung von Frank Wild mehrere Monate auf ihre Rettung warten mussten. Reinhold Messner nahm sich freundlicherweise Zeit, uns einige Fragen zu beantworten.

So werden Sie Buchpatin oder Buchpate

Auf www.sbs.ch/spenden-unterstuetzen/buchpatenschaft oder auf
www.facebook.com/sbs.schweiz präsentieren wir Ihnen jeweils einige Wunschbücher unserer Leserschaft. Wenn Sie eigene Vorschläge haben, teilen Sie uns diese mit! Wir besprechen mit Ihnen gerne jeden Ihrer Vorschläge und sind sehr gespannt, mit welchem Titel Sie unser Sortiment bereichern möchten.

Ines Meili, Verantwortliche Partnerschaften
Telefon 043 333 32 32
E-Mail: spenden@sbs.ch

Diese Bücher konnten wir dank Patenschaften als Hörbuch oder Braille-Buch realisieren

Hörbuch ermöglicht durch Herr Erich Glückler

Thomas Röthlisberger: Das Licht hinter den Bergen

Als die deutsche Wehrmacht 1939 in Polen einmarschiert, dringt das Weltgeschehen auch in ein Tal in der Schweiz vor: Die junge Anna Schwarz steht eines Abends vor der Tür des Lehrers Anton Marxer. Sie ist aus dem Vorarlbergischen geflüchtet, nachdem man ihren Mann deportiert und angeblich auf der Flucht erschossen hat.

Es liest: Peter Goetsch

Hörbuch ermöglicht durch Frau Heidi Nisslé

Laura Van den Berg: Das dritte Hotel

Mit einem Flug ins sommerliche Kuba beginnt für Clare eine flirrende Reise in die Vergangenheit. Wenige Wochen zuvor hat sie ihren Mann Richard bei einem Unfall verloren. Nun besucht sie auf seinen Spuren ein Filmfestival in Havanna, als Richard plötzlich vor ihr steht. Kann sie ihren Sinnen trauen?

Es liest: Silke Geertz

Zwei Hörbücher ermöglicht durch eine Stiftung

Charles Eisenstein: Wut, Mut, Liebe!

In seinem Essay nimmt Kulturphilosoph Charles Eisenstein die politischen Protestbewegungen der vergangenen Jahre in den Fokus. Dabei beleuchtet er zentrale Motive, Erfolge und Niederlagen des politischen Aktivismus.

Es liest: Jonas Rüegg

Charles Eisenstein: Klima. Eine neue Perspektive

Charles Eisenstein plädiert dafür, uns wieder dem Wasser, dem Boden, den Wäldern, der regenerativen Landwirtschaft und dem Naturschutz zuzuwenden. Denn vieles, was Treibhausgasen und globaler Erwärmung zugeschrieben wird, ist in Wahrheit unserem separatistischen Weltbild geschuldet.

Es liest: Daniel Buser

Hörbuch ermöglicht durch Carlina Capaul

Buch in Blindenschrift ermöglicht durch Barbara Capaul-Stämpfli

Reinhold Messner: Wild

Die berühmte Shackleton-Expedition in die Antarktis – erzählt wie nie zuvor: Im Jahr 1914 bricht der englische Abenteurer Frank Wild zusammen mit dem bedeutenden Polforscher Ernest Shackleton und 26 Männern zum »letzten Trip auf Erden« auf – sie wollen die Antarktis durchqueren. Ihr Schiff, die Endurance, aber wird vom Packeis zerstört, drei Monate driften sie auf einer Eisscholle nordwärts und retten sich schließlich auf eine Insel, auf der sie nie jemand finden würde.

In Blindenschrift hat die SBS das Buch bereits übertragen. Als Hörbuch wird es ab Anfang Juni für unsere Kundinnen und Kunden verfügbar sein.

5 Fragen an Reinhold Messner

5 Fragen an Reinhold Messner
Zwei Frauen war es jeweils 4000 Franken wert, dass die SBS Ihr Buch »Wild« sowohl als Hörbuch wie auch in Blindenschrift überträgt. Was sagen Sie dazu?

Ich freue mich darüber und finde das sehr grosszügig. Ich finde das verständnisvoll den Blinden und Sehbehinderten gegenüber und bedanke mich bei den beiden Frauen. Ohne die beiden wäre »Wild« nie in Blindenschrift oder als gelesenes Buch entstanden. Gerade dieses Buch, das zeigt, dass auch jemand aus der zweiten Reihe glänzen kann, passt genau zu dieser Aktion der beiden Frauen.

Sie beschreiben in »Wild« das Überleben in einem langen, dunklen antarktischen Winter. Ist eine Botschaft Ihres Buches, dass es sich immer lohnt weiterzumachen – gegen alle Widerstände, trotz aller Hindernisse?

Ja, auf jeden Fall. Der Selbsterhaltungstrieb lässt uns gar keine andere Wahl, als weiterzumachen, bis es wirklich nicht mehr geht. In diesem Fall ist es eben auch der zweite Mann, der sehr viel Ausdauer beweist und der auch das Potential hat, bis ans Ende zu gehen. Allerdings wird er später ausgegrenzt, weil er es besser kann als der Expeditionsleiter, und damit zerbricht er schlussendlich an der Aufgabe, über alle Hindernisse hinweg durchzuhalten.

Sie suchen immer wieder neue Herausforderungen. Gibt es momentan eine besondere Herausforderung, der Sie sich stellen?

Aktuell haben wir die Covid-Krise, wir haben eine Pandemie und was ich vorbereitet hatte für 2020, wurde alles abgesagt oder untersagt, weil man nicht mehr reisen konnte. Ich möchte noch einmal um die ganze Welt reisen, um das Narrativ des grossen Abenteuers an die nächsten Generationen weiterzugeben, sozusagen mein Erbe weiterzugeben. In der Zwischenzeit habe ich ein neues Buch geschrieben. Es handelt vom traditionellen Alpinismus, wie Alpinismus entstanden ist und welches das Narrativ ist, das ihn weiterhin sich wandelnd existenzfähig bleiben lässt.

Es gibt blinde Bergsteiger. Können Sie nachvollziehen, wie so etwas möglich ist?

Es gibt so stark sehbehinderte Bergsteiger, dass sie nur noch Schatten sehen. Dass die es schaffen, auf diese grossen Berge hinaufzugehen, verdient meinen grössten Respekt. Ich kann mir das gar nicht vorstellen. Mit einer maximalen Sehbehinderung, die kaum eine Aktivität zulässt, schaffen es einige Genies dann trotzdem mit Tastsinn und Vorstellungsvermögen, sich da oben zu bewegen. Natürlich in Begleitung einer Hilfe.

Was denken Sie über die Arbeit der SBS?

Ich finde es sehr wichtig, sozial und politisch gedacht, dass Seh- und Lesebehinderte Zugang haben zu Büchern, zu Kultur, zu Auseinandersetzungen mit Themen. Sie brauchen das mehr als normal Sehende. Wir können alles lesen: Magazine, Zeitschriften, Bücher. Wir haben kein Problem. Wir sind schneller dabei. Jene, die das nicht können, sind natürlich in einer Diaspora ohnegleichen, wenn es nicht diese Notfallhilfen gäbe, die zum Beispiel die SBS leistet.

Vielen Dank Herr Messner für dieses Gespräch.

Martin Orgler

Who's who

Who's who: Barbara Zürcher

Barbara Zürcher – Bereichsleiterin Katalog

Deine Aufgabe in der Blindenbibliothek?

Als Bereichsleiterin Katalog bin ich verantwortlich, dass die SBS-Kundschaft, z. B. in der Online-Bibliothek, via SBS Leser Plus App oder in Neuheiten-Katalogen, die Bücher finden und ausleihen kann, die sie interessiert. Als Mitglied der Buchkommission kann ich das Sortiment der SBS mitbestimmen.

Deine Motivation, für die Blindenbibliothek zu arbeiten?

Einen Beitrag zu leisten, damit der Zugang zu Büchern auch für blinde und sehbehinderte Personen möglich ist, macht mir Freude und ist sehr wichtig.

Welche Eigenschaften schätzt du bei deinen Kollegen am meisten?

Spürbares Engagement, Hilfsbereitschaft und Humor.

Und welches ist deine wichtigste Eigenschaft?

Zuverlässigkeit.

Brauchst du Bücher, um glücklich zu sein?

Bücher leisten einen nicht unerheblichen Beitrag an mein Glücklichsein.

In welcher Form geniesst du Literatur und wie häufig?

Am liebsten lese ich gedruckte Bücher. Mittlerweile habe ich aber auch Freude an Hörbüchern gefunden. Ich habe meist ein Buch und ein Hörbuch, die ich parallel lese/höre.

Welches Buch hat dich besonders geprägt – und warum?

»Sommerhaus, später« von Judith Hermann. Sie war einen Tag lang Gast an meiner Kanti und hat mich beeindruckt. Seither will ich so schreiben können wie sie.

Welches Buch hast du zuletzt gelesen und warum?

»Die Patientin« von Christine Brand. Weil ich nach »Blind« wissen wollte, wie es weitergeht.

Welches Buch würdest du selbst gerne schreiben?

Eines, das in Erinnerung bleibt wie die folgenden drei:
Gerbrand Bakker: »Oben ist es still«
Paolo Giordano: »Die Einsamkeit der Primzahlen«
Lukas Hartmann: »Finsteres Glück«

Deine Lieblingsbeschäftigung neben der Literatur?

Wandern

Dein liebstes Reiseziel?

Ecuador

Dein nächstes Ziel in der SBS?

Eine Pflanze fürs Büro anschaffen und dafür sorgen, dass sie überlebt.

Dein Lebensmotto?

Wer mit Freuden gibt, bekommt Unerwartetes zurück.

In fünf Sätzen

Nach der Lehre als Buchhändlerin arbeitete ich zuerst in einer Buchhandlung, danach in einer öffentlichen Bibliothek. Berufsbegleitend absolvierte ich ein Studium der Informationswissenschaft an der HTW Chur. Nach Abschluss des Studiums war ich zwei Jahre in einem KMU tätig, das sich auf die Digitalisierung und Erschliessung von analogen Medien (z. B. Bücher, Fotos, Filme) spezialisiert hat. Seit fünf Jahren arbeite ich für die SBS. Ich wohne in Schwerzenbach.

SBS Märchenbücher

Spendenaktion der SBS: Die Grimm-Märchenbücher

Hänsel und Gretel

Gemeinsam stark – nicht nur im Märchen

Hänsel und Gretel müssen einige harte Schicksalsschläge verkraften. Sie leiden mit ihrer armen Familie Hunger und werden von den Eltern, vor allem von der Stiefmutter, verstossen. Ausgesetzt im dunklen Wald, werden sie von einer bösen Hexe gefangen genommen. Hänsel wird gemästet, Gretel muss Sklavenarbeit leisten, beide sollen gegessen werden. Weil sie zueinander halten können sie diese Prüfungen gemeinsam meistern und zusammen mit ihrem Vater in eine glückliche Zukunft schauen.

Mit »Hänsel und Gretel« setzt die SBS ihre Märchenreihe auch 2021 fort. Die exklusiv für die Spenderinnen und Spender der SBS produzierte Ausgabe in einem hochwertigen Halbleineneinband ist mit liebevoll gestalteten Bildern von Herbert Leupin illustriert. Für Sie persönlich oder für alle kleinen und grossen Märchenfreunde ist diese Ausgabe ein gelungenes Geschenk.

Das Hänsel-und-Gretel-Märchenbuch der SBS erscheint im August. Sammeln Sie die seit 1960 jährlich herausgegebenen Bücher? Einige Ausgaben der letzten Jahre können wir Ihnen gerne nachliefern:

  • 2014 Der gestiefelte Kater
  • 2015 Schneewittchen
  • 2016 Hans im Glück
  • 2017 Frau Holle
  • 2018 Das tapfere Schneiderlein
  • 2019 Dornröschen
  • 2020 Tischlein deck dich

Ihre Bestellung nehmen wir gerne entgegen per Telefon: 043 333 32 32 oder online auf:

www.sbs.ch/spenden-unterstuetzen/geschenkideen/maerchenbuecher

Wir danken Ihnen herzlich für Ihre Unterstützung.

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dialog Nr. 38 April 2021

dialog, das Magazin der SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte

Redaktionsleitung und Produktion: Martin Orgler, www.sbs.ch
Textredaktion und Beratung: trieloff kommunikation, www.trieloff.ch
Grafik Design und Layout / Illustrationen: JoosWolfangel, www.jooswolfangel.ch
Titelbild / weitere Fotos: Matthias Auer, www.auerfoto.ch; Fotos Reinhold Messner: Pixabay, Sony Slt-A65v; Ptolusque, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

© SBS 2021

Verlag: SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte
Grubenstrasse 12,
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Spendenkonto: 80-1514-1
IBAN: CH74 0900 0000 8000 1514 1

Der dialog ist für blinde, seh- und lesebehinderte Menschen auch in geeigneter Form erhältlich. Auskunft über Telefon +41 43 333 32 32 oder nutzerservice@sbs.ch

Aktuelle «dialog»-Ausgabe hören

dialog Nr. 38 (00:22) Start
1 Editorial (02:19) Start
2 Interview (14:44) Start
3 Brailleprodukte (06:05) Start
4 LEGO® Braille Bricks (02:33) Start
5 SBS Legate (03:45) Start
6 Buchpatenschaft (05:13) Start
7 Reinhold Messner (04:36) Start
8 Who's who. Barbara Zürcher (03:11) Start
9 SBS Märchenbücher (02:20) Start

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Porträt Martin Orgler
Martin Orgler

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