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«dialog» 39 Oktober 2021

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dialog Nr. 39 Oktober 2021

Interview. Blanca Imboden erzählt über ihr neues Buch, über ihre ersten Schritte als Künstlerin und wie es zu einer Zusammenarbeit mit der SBS gekommen ist.

Ein Hörbuch entsteht. Wir lassen Sie hinter die Kulissen blicken und zeigen Ihnen Schritt für Schritt, wie die SBS ein Hörbuch produziert.

Editorial

Das geht ins Ohr

Kürzlich habe ich im Zug zwei junge Frauen belauscht: »Mit Hörbüchern kann ich gar nichts anfangen. Ein Buch muss ich in den Händen spüren, in meinem eigenen Tempo lesen und zwischendurch will ich mit den Gedanken abschweifen können. Je nach Buch gefallen mir auch Schriftbild oder erklärende Illustrationen ...« »Ja, aber mit einem Hörbuch hat man die Hände frei und kann noch etwas nebenbei erledigen: bügeln, abwaschen oder so. Ich gehe auch gerne joggen und höre nebenher eine Geschichte ...«, und so ging das noch eine Weile hin und her.

Als blinde oder sehbehinderte Person haben Sie bei der SBS ebenfalls die Möglichkeit, das Format je nach Vorliebe auszuwählen. Wenn Sie die Braille-Schrift beherrschen, können Sie ein Buch mit den Fingern lesen oder wenn es die Sehkraft noch erlaubt, ein Grossdruck-Buch auswählen. Die SBS-Hörbücher bieten noch weitere Vorzüge, welche den beiden Frauen im Zug wohl nicht bekannt waren: Sie sind navigierbar, man kann an beliebigen Stellen Lesezeichen setzen, um jederzeit wieder dorthin zu springen. Und das Vorlesetempo lässt sich nach Belieben einstellen.

Blanca Imboden wusste lange nicht, dass die SBS barrierefreie Hörbücher produziert. Im Interview auf Seite ... erzählt sie die lustige Anekdote, wie sie davon erfahren hat.

Bis ein SBS-Hörbuch mit seinen besonderen Eigenschaften fertiggestellt ist, sind aufwändige Prozesse nötig. Lesen Sie auf Seite ..., wie ein Hörbuch entsteht. Die SBS-Aufnahmeleiterin Nadja Schiller erzählt auf Seite ..., dass Bücher mit komplizierten Grafiken und vielen Tabellen zusätzlichen Aufwand bedeuten. Naturgemäss sind diese Bücher weniger unterhaltsam, aber für blinde Menschen die einzige Möglichkeit, sich in ein Fachthema zu vertiefen und sich dieses Wissen anzueignen.

Die vorliegende Ausgabe ist schwerpunktmässig den SBS-Hörbüchern gewidmet. Der aktuelle Bestand von über 52'000 Produktionen wird laufend erweitert – und das ist nur möglich dank zusätzlicher Spenden von engagierten Menschen wie Ihnen. Vielen Dank für Ihre Treue!

Herzlich,
Ihr Daniel Kunz, Stv. Geschäftsführer SBS

Interview

Offen für Neues

Soeben ist Blanca Imbodens neues Buch »Rigi« erschienen. Ein unterhaltsamer Roman zum Thema Trauerbewältigung. Damit verarbeitet sie auch den plötzlichen Tod ihres Lebenspartners Hans Gotthardt im Januar 2018. Die SBS hatte das Glück, gemeinsam mit Blanca Imboden eine CD mit zwei ihrer Kurzgeschichten produzieren zu können für eine Spendenaktion im November. Blanca Imboden nahm sich Zeit für ein ausführliches Interview.

Interview mit Blanca Imboden
Martin Orgler: Ihr erster Erfolg war »Wandern ist doof«. Was fanden Sie am Wandern so toll, dass Sie dem Thema ein Buch gewidmet haben?

Blanca Imboden: Ich fand Wandern immer sehr doof – unnütz, da auch noch diesen Berg hinaufzugehen. Erst vor etwa zehn Jahren habe ich angefangen zu wandern. Bewegung in der Natur bringt mir sehr viel, sie erdet. Wenn man draussen unterwegs ist, bekommt man eine stärkere Beziehung zur Natur, zu den Jahreszeiten, zu allem. Das ist sehr wohltuend. Gerade heute habe ich gelesen, dass Wandern ein Antidepressivum ist.

Als junge Frau starteten Sie eine ganz andere Karriere. Unter dem Namen Bee Bach haben Sie bei Ariola eine Pop-LP herausgegeben. Wie sind Sie auf diesen Namen gekommen?

(Lacht) Das war nicht meine Idee. Die Profis um mich herum hatten das Gefühl, dass Blanca ein typischer Schlagername sei und dass ich deshalb einen neuen Namen brauche. Bee Bach kommt von meinem früheren Wohnort Ibach. Also Blanca Ibach, in eine Wortkombination verwurstelt, ergab Bee Bach.

Haben Sie damals gedacht, Sie könnten als Musikerin erfolgreich sein?

Als Bee Bach hatte ich nur wenige Fernsehauftritte. Das verlief dann schnell im Sand. Ich wurde erst später eine richtige Musikerin. Ich habe zusammen mit meinem Lebenspartner Tanzmusik gemacht. Für mich war es ein Traum, eine LP aufzunehmen. Mehr wollte ich nicht. Mit den Büchern war es das Gleiche. Ich habe geträumt, einmal ein Buch von mir in der Hand zu haben, aber nie, damit Erfolg zu haben. Durch meine Erziehung hatte ich immer ein extremes Bescheidenheitsgefühl. Sich selbst Erfolg zu wünschen, schien mir arrogant. Als ich »Wandern ist doof« geschrieben habe, hat mir eine Mentaltrainerin gesagt, dass ich mir jeden Tag beim Einschlafen den Erfolg vorstellen soll. Das habe ich gemacht, und es hat funktioniert. Aber es hätte vielleicht auch sonst funktioniert. Das weiss ja im Nachhinein niemand. Bei der LP war ich mit 18 jedenfalls noch viel zu jung und naiv.

Singen Sie heute noch?

Ja natürlich, eigentlich vor allem im Auto, und zwar richtig laut, oft mit Peter, meinem Lebenspartner, im Duett.

Sie sind ein Sonntagskind und bezeichnen sich auch so.

Es gab zwar Zeiten, in denen ich mich nicht wie ein Sonntagskind fühlte. Mir ist es aber in meinem Leben, trotz allem, was passiert ist, gut gegangen, und es geht mir auch heute gut. Daher bin ich schon ein Sonntagskind, ein Glückskind. Natürlich ist das manchmal auch eine Haltung – immer wieder offen für Neues zu sein, das Gute zu sehen und auch das kleine Glück wertzuschätzen.

Haltung mussten wir alle in letzter Zeit beweisen. Wie haben Sie die Corona-Zeit erlebt?

Ich war sehr froh, dass ich nicht alleine war. Ich hatte einen neuen Partner, Peter Bachmann. Ich habe genossen, in Malters am neuen Wohnort, richtig ankommen zu können. Zu Beginn war es ein extremes Herunterfahren. Es ist mir wie vielen anderen gegangen. Ich bin ständig gerannt. 2019 habe ich bei einer Seilbahn und in einem Verlag gearbeitet, habe geschrieben, bin umgezogen, hatte Lesungen und bin einfach von einem zum anderen gehetzt. Aber ganz ehrlich glaube ich nicht, dass ich daraus etwas gelernt habe. Ich mache jetzt einfach weiter, vielleicht sogar noch freudiger: juhu, es geht wieder weiter! Aber es hat nicht geschadet, das festzustellen.

Mussten Sie viele Lesungen absagen?

Ja, leider sehr viele, und die wenigen Lesungen, die es gab, waren zum Teil mühsam. Möglichst grosse Säle mit wenigen Leuten. Da konnte keine Atmosphäre aufkommen. Es war schon schwer. Ich habe aber tatsächlich vom Staat ein wenig Unterstützung erhalten. Das war sehr wichtig.

Sie waren bei einer Seilbahn, haben als redaktionelle Mitarbeiterin gearbeitet, waren Musikerin und sind nun Verlagsassistentin und Schriftstellerin. Was war Ihr Lieblingsjob?

Es ist wunderschön, dass ich jetzt vom Schreiben zwar nicht super leben, aber überleben kann. Ich habe es immer gut gefunden, auch noch etwas anderes zu machen, nicht nur am Schreibtisch zu sitzen. Inzwischen weiss ich, dass das auch seinen Preis hat. Es ist anstrengend, wenn man mehrere Jobs hat, und man ist innerlich immer etwas zerrissen. Finanziell ist es auch nicht so toll. Trotzdem ist es Luxus, Abwechslung zu haben und unterschiedliche Eindrücke sammeln zu können.

Sie haben gesagt, dass Sie vom Bücherschreiben leben können.

Nein, ich habe gesagt, ich kann überleben (lacht). Es ist wichtig, mit einem anderen Job etwas Sicherheit zu haben. Ich kann nicht davon ausgehen, dass jedes Buch ein Erfolg wird, dass mir immer etwas einfällt. Was ich nach dem Rigi-Buch schreiben werde, weiss ich noch nicht und bin froh, dass ich deshalb nicht in Panik geraten muss.

Haben Sie schon immer gerne geschrieben?

Wir waren sieben Kinder und hatten einfach zu wenige Bücher zuhause. Ich habe so gerne gelesen, aber die Bibliothek im Dorf war sehr bescheiden. In der fünften, sechsten Klasse habe ich angefangen, kleine Romane zu schreiben, um mich selbst zu unterhalten, weil ich nichts zu lesen hatte.

Haben Sie diese Romane noch?

Ja.

Gefallen sie Ihnen noch?

Nein, sie sind furchtbar, ganz furchtbar (lacht). Ich bin froh, dass sie niemand sieht.

Haben Sie ein Lieblingsbuch?

»Wandern ist doof«, weil es das erste war, das so lange in den Bestsellerlisten blieb. Das war sehr speziell und eine sehr grosse Freude. »heimelig«, das einen engen Zusammenhang mit meiner Mutter hat, die damals im Altersheim gestorben ist, ist mein zweitliebstes.

Wessen Bücher lesen Sie gerne?

Ich lese kreuz und quer, oft themenbezogen, momentan zum Beispiel alles über die Rigi. Milena Moser hat mich sehr geprägt, weil sie immer allen gesagt hat, das könnt ihr auch, seid mutig und schreibt einfach drauflos. Vorher hatte ich immer nur gehört, das sei ein ganz schwieriger Prozess. Als müsse man zuerst drei Jahre studieren, bevor man überhaupt ein Konzept erstellen kann. Dafür bin ich Milena Moser sehr dankbar. Sie war für mich ein grosser Ansporn.

Ist es nun, da Sie erfolgreich sind, schwerer oder leichter Bücher zu schreiben?

Es ist beides. Zuerst schreibt man und weiss nicht, ob man einen Verlag findet. Jetzt habe ich den Luxus, dass ich schreibe und bereits weiss, dass das Buch erscheinen wird. Während des Schreibprozesses sehe ich zum Beispiel schon das Cover. Das ist ein grosser Ansporn. Die Erwartungen und auch der eigene Anspruch sind nun aber grösser. Daher ist der Druck gestiegen.

Führt es vielleicht zu einer Art Hemmung, dass die Leserinnen und Leser von Ihnen gewisse Dinge erwarten?

Gut, ich hätte schon Hemmungen, einfach mal zu beschliessen, dass am Schluss alle Hauptfiguren sterben. Man erwartet ein Happyend von mir. Beim Rigi-Buch erlaube ich mir einen etwas anderen – aber auch glücklichen – Schluss.

Ihr neues Buch ist auch mit dem Thema Trauer nicht unbedingt das, was man von Ihnen erwartet.

Ja, aber ich mache es auf leichte Art und Weise. Eine Fachfrau für Trauerbewältigung hat gesagt, der Zwilling der Trauer sei die Freude. Ich dachte mir, ja, man kann gemeinsam lachen und weinen und kann es manchmal sogar gleichzeitig.

Warum sollte man Ihre Bücher lesen?

Meine Leserinnen und Leser suchen einfach leichte Unterhaltung. Das Schönste, was mir immer wieder geschrieben wird, ist, dass meine Bücher sie in einem positiven Gefühl zurücklassen, mit einem Lächeln. Ich denke, in der heutigen Zeit ist damit schon sehr viel erreicht.

Betreiben Sie für Ihre Bücher aufwändige Recherche?

Ich werde nie einen Literaturpreis gewinnen, aber mein Anspruch ist, dass die Bücher unterhaltend sind und die Fakten stimmen. Wenn ich über die Rigi schreibe und jemand wandert von A nach B, schaue ich, dass es für jemanden, der sich auskennt, nachvollziehbar ist. Ich mache die Recherche vor Ort, weil mir das sehr viel Freude bereitet. Man könnte ja viel zu Hause im Internet machen, aber das wäre schade. Vor Ort kann man viel mehr erfahren und selbst erleben.

Sie sind gerade auf der Rigi, um Ihr neues Buch zu schreiben.

Ich wurde eingeladen, das Buch auf der Rigi zu schreiben, weil dieses Jahr »150 Jahre Rigi-Bahnen« gefeiert wird. Weil der Roman noch in diesem Jahr erscheinen muss, habe ich diese Möglichkeit gebraucht. Es wäre zeitlich sonst gar nicht gegangen.

Worum geht es in Ihrem neuen Buch?

Es geht um eine Frau, die ihren Mann verloren hat. Das ist natürlich ein wenig die Verarbeitung meiner eigenen Trauer. Mich haben die Ansprüche einiger Leute genervt. Viele wissen genau, wie man trauern muss, wie lange man trauern darf, dass man nicht zu lange trauert, aber auch auf keinen Fall zu wenig lang, weil das dann auch ganz schlecht sei und so weiter. Diese Ansprüche wollte ich thematisieren. Es ist also eine Frau, die in eine Trauergruppe geht. Dort gibt es sehr unterschiedliche Menschen, die alle ihre eigenen Themen haben. Die lasse ich alle auf die Rigi kommen.

Ist Ihr Buch ein wenig Eigentherapie?

Ja, sicher. Das sind aber alle meine Bücher. Mir wird oft gesagt, schreib doch mal eine Biografie. Ich denke, wenn man meine Bücher liest, lernt man mich kennen.

Wie schreiben Sie fröhlich über Trauer?

Die Hauptfigur, deren Mann vor einem Jahr verstorben ist, kann zwischen der Trauer auch wieder lachen. Man ist ja nicht immer traurig. Ich selbst war nie in einer Trauergruppe, habe nur einmal ein Trauerwochenende besucht. Da habe ich einfach nonstop geweint. Trauer geht nie vorbei, sie kommt und geht, und es gibt immer wieder leichte und lockere Momente. Man lernt immer besser damit umzugehen. Ich hatte grosses Glück, denn ich habe einen neuen Partner gefunden, der vor einiger Zeit seine Frau verloren hatte. Das hat einen grossen Vorteil. Es könnte ja sein, dass jemand ein wenig eifersüchtig ist, wenn man noch jemand anderen im Herzen hat. Aber er hat auch noch jemand anderen im Herzen. Er weiss, wie das ist.

Haben Sie die SBS früher schon gekannt?

Das war sehr lustig. Ich war im Urnerland bei einem kantonalen Frauenverein. Beim Hinausgehen sprach mich eine Frau an und sagte, sie sei blind, aber sie kenne alle meine Bücher als Hörbücher. Ich dachte mir, die ist nicht blind, die ist ein wenig verwirrt, und sagte ihr, es gäbe gar keine Bücher von mir als Hörbuch. Sie meinte dann aber, doch doch, ich solle bei der SBS schauen. Ich habe also SBS gegoogelt und alle gesehen. Ich wusste nicht, dass die SBS bereits so viele Bücher von mir als Hörbuch produziert hat. Das war sehr faszinierend und hat mich sehr gefreut.

Kennen Sie sehbehinderte oder blinde Menschen?

Ich hatte eine Tante, die stark sehbehindert war. Als ich hörte, dass sie Hörbücher hört, habe ich angefangen, ihr mein erstes Buch auf eine Kassette zu sprechen. Ich habe dann schnell gemerkt, wie schwierig und aufwändig das ist, und musste aufgeben.

Hören Sie ab und zu Hörbücher?

Ich habe in der Corona-Zeit meine ersten Experimente mit Hörbüchern gemacht und muss zugeben, ich hatte zuerst grosse Mühe damit, weil ich mein Lesetempo gewöhnt war. Wenn ich mich ins Bett lege, entspanne ich mit einem Hörbuch maximal, so dass ich innert Kürze einschlafe (lacht). Es ist ein bisschen so, als ob die Grossmutter am Bett sitzt und eine Geschichte erzählt.

Was halten Sie von der Arbeit der SBS?

Ich finde die Arbeit toll und wichtig. Wenn jemand, der blind oder sehbehindert ist, ein Buch lesen – oder hören will, dann ist die SBS die Rettung.

Wir übertragen nicht nur Romane, sondern zum Beispiel auch Abstimmungsunterlagen.

Oh, das ist sehr gut. Sonst wären Blinde ja immer darauf angewiesen, dass ihnen jemand etwas erklärt, und dass das nicht in eine Richtung gefärbt ist. Ich finde das wirklich eine sehr schöne und gute Arbeit.

Wie ist es für Sie persönlich, dass die SBS Ihre Bücher Blinden und Sehbehinderten zugänglich macht?

Das macht mir viel Freude. Als ich das zum ersten Mal gesehen habe, war ich richtig geehrt. Ich habe dann auch gesehen, dass ich in der SBS-Bestsellerliste war. Da hiess es dann, dass »heimelig« am häufigsten ausgeliehen wurde. Das ist wirklich schön.

Wir können mit Ihnen zusammen unsere neue Hörbuch-CD realisieren, die wir im November an unsere Spenderinnen und Spender versenden. Sie engagieren sich so für das Spendensammeln zugunsten blinder und sehbehinderter Menschen. Was motiviert Sie dabei?

Einerseits ist es schön, so eine CD zu haben. Und andererseits freut es mich sehr, dass ich etwas zurückgeben kann, und zwar nicht in einem Projekt, das nichts mit mir zu tun hat, sondern sehr direkt mit meiner Arbeit. Es geht ums Lesen. Da ist es wirklich toll, dies jemandem zu ermöglichen, der es selbst nicht mehr so gut kann. Ich freue mich auch schon darauf, wenn ich mir die fertige CD genüsslich anhören kann.

Können Sie uns etwas verraten zu den Geschichten, die auf der CD sein werden?

Lustigerweise sind beide Geschichten Auftragsarbeiten. Das macht mir sehr viel Spass. Da komme ich mir ein wenig wie in der Schule vor. Dort habe ich gerne Aufsätze geschrieben. Bei »Gelegenheit macht Liebe« kommt hinzu, dass es auch eine Wandergeschichte ist. Ich war damals auf meiner ersten Wanderreise auf Teneriffa. Mir fiel ein, dass ich noch eine Geschichte abliefern müsste zum Thema »Gelegenheit macht Liebe« und das konnte ich dann gleich dort umsetzen.

Herzlichen Dank!
Martin Orgler

Leserangebot

Exklusiv für die Leserinnen und Leser des dialog: 20% Rabatt auf alle im Wörterseh Verlag erschienenen Bücher von Blanca Imboden [Schwarzschriftausgaben].

  • Rigi (19.90 statt 24.90)
  • Paris (19.90 statt 24.90)
  • Gipfeltreffen (19.90 statt 24.90)
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  • Schwingfest (19.90 statt 24.90)
  • Wandern ist doof (14.30 statt 17.90)
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Ein Hörbuch entsteht

Durch viele Hände, für viele Ohren

Fast die ganze Schweiz spricht gerade über mich, denn soeben bin ich in die Schweizer Bestsellerliste eingezogen. Bisher gibt es mich – leider – nur als 200 Seiten starkes gedrucktes Buch. Blinde und sehbehinderte Menschen können mich also gar nicht lesen und daher nicht mitreden – über mich. Doch nun wurde ich von der SBS bestellt – ich soll ein Hörbuch werden. Was wird nun alles mit und aus mir gemacht? Da kommt so einiges auf mich zu ...

1 Vorbereitung

Jeden Tag gehen viele Bücher über den Tisch der Auftragsberatung.

Zuerst werde ich vom Katalogteam in Empfang genommen. Schnell merke ich, hier bin ich willkommen, man hat mich offenbar gezielt ausgewählt. Alle möglichen Informationen über mich werden gesammelt und im Computer erfasst: Wer mich geschrieben hat, wie viele Seiten ich habe, ob ich leichte oder anspruchsvolle Literatur bin. Und mein Inhalt wird prägnant zusammengefasst.

Dann komme ich in neue Hände, lande auf dem Tisch der Auftragsberatung. Dort erhalte ich einen Platz in der Datenbank, in der alle Produktionen, die die SBS realisiert, festgehalten sind. Andere Bücher, auf die ich hier treffe, werden Grossdruck- oder Braillebücher. Aber ich soll ja ein Hörbuch werden. Daher gelange ich, einen frisch gedruckten Produktionsauftrag zwischen meine Seiten geklemmt, ins Hörbuchstudio der SBS.

2 Dramaturgie, Strukturierung und Besetzung

Jede Sprecherin, jeder Sprecher hat ein eigenes Fach, in dem die zugeteilten Bücher aufbewahrt werden.

Im Hörbuchstudio werde ich nun wieder genau durchleuchtet, diesmal von einer Dramaturgin oder einem Dramaturgen. Mein Inhalt, meine Erzählweise und meine Sprache werden analysiert. Bin ich schwierig zu lesen? Wer könnte eine geeignete Sprecherin oder ein geeigneter Sprecher für mich sein? Sorgfältig werde ich studiert. Die Notizen über mich füllen inzwischen schon mehrere Blätter. Mit all diesen Informationen versehen, gelange ich weiter in den Bereich E-Text. Dort erhalte ich ein elektronisches Inhaltsverzeichnis, werde in diverse Kapitel und Unterkapitel aufgeteilt, auf bis zu sechs Hierarchiestufen. Ich spüre erfreut, wie ich zu etwas Besonderem werde. So aufwändig strukturiert, wie ich es jetzt bin, wird es für blinde und sehbehinderte Menschen sehr einfach sein, schnell in mir von einer Stelle zur anderen zu springen. Wenn sie mich mit einem speziellen Abspielgerät hören, können sie sich bequem und schnell in meiner Geschichte zurechtfinden.

Mit all diesen Daten angereichert, kehre ich ins Hörbuchstudio zurück und bin nun bereit, gelesen zu werden. Aber bevor die Aufnahme starten kann, muss noch ein für mich besonders spannender Punkt festgelegt werden. Wer aus dem rund 90-köpfigen Sprecher- und Sprecherinnen-Ensemble wird mich lesen? Werde ich mich mit dieser Stimme wohlfühlen? Angeregt und eifrig wird in der Besetzungssitzung über mich diskutiert. Soll ich von einer Frau oder einem Mann gelesen werden? Braucht es Fachwissen oder Sprachkenntnisse, um mich zu lesen? Welcher Erzählton passt zu mir? Und wie »jung« oder »alt« soll die Stimme klingen? Ich weiss, all das ist wichtig für meine Qualität als Hörbuch, und warte gespannt. Eine junge, kräftige, männliche Stimme wurde ausgewählt. Der Schauspieler, dem sie gehört, arbeitet beim Fernsehen. Zum Glück hat er Zeit und vereinbart Termine, um mich zu lesen. Ich kann es kaum mehr erwarten, dass die Aufnahme beginnt.

Mehr zum Besetzungsprozess erfahren Sie hier: www.sbs.ch/ein_hoerbuch_entsteht

3 Aufnahme

Einer unserer Sprecher bei der Aufnahme. Die neun Hörbuchstudios sind laufend besetzt.

Endlich geht es los! Ich bin überrascht, wie tief die Stimme ist, die meine ersten Sätze spricht. Es klingt ein wenig holprig. So ganz passen wir noch nicht zueinander. Mein Sprecher setzt nochmals an und ich höre, wie er mir näher kommt. Dann ruft er die Aufnahmeleitung. Gemeinsam hören sie sich die ersten Aufnahmen an und beraten, was gut war und was noch besser werden muss. Am nächsten Tag geht es weiter. Mein Sprecher liest nun ein wenig schneller. Das finde ich sehr gut, das passt zu mir. Ich merke, dass auch er sich nun viel wohler mit mir fühlt. Gemeinsam gehen wir nun auf eine mehrstündige Reise durch meine Geschichte. Manchmal verspricht er sich oder stolpert über eine meiner komplizierten Formulierungen. Manchmal merken wir beide, dass man eine Stelle anders betonen sollte. Aber er korrigiert sich immer gleich selbst, ich kann mich auf ihn verlassen. So wächst mir nach und nach mein zweites Leben zu: Bald wird man mich hören können. Und dann, auf einmal, ist mein letzter Satz gesagt. Die Aufnahme ist fertig.

4 Nachbereitung und Versand

Unser Fachbereichsleiter für den Versand schreitet ein, wenn beim automatischen Brennvorgang Probleme entstehen.

Eine letzte Prüfung durch die Produktionsleitung muss ich noch bestehen. Zum Glück ist die Qualität in Ordnung und keine Informationen sind verloren gegangen. Erleichtert und stolz kehre ich zurück zu meinem Ausgangspunkt, in die Hände des Katalogteams. Und kaum bin ich im Online-Katalog der SBS erschienen, werde ich bereits von den ersten Kundinnen und Kunden der SBS heruntergeladen oder als CD bestellt. Wieder und wieder werde ich auf eine CD gebrannt und einem blinden oder sehbehinderten Menschen zugesandt. Ich bin stolz, dass ich auch bei blinden und sehbehinderten Menschen sehr beliebt bin und auch diese nun über mich diskutieren können.

Wie die CDs gebrannt und für den Versand vorbereitet werden, sehen Sie hier: www.sbs.ch/ein_hoerbuch_entsteht

Martin Orgler

Aktuelles

Spendenaktion – Rock on, Red Bandana!

Spendenaktion – Rock on, Red Bandana!

Zwei Jahre lang war die Schwyzer Bluesrock-Band Red Bandana mit ihrer Rock 4 Senses Tour für die SBS unterwegs, zwei sehr besondere Jahre – und das nicht nur wegen Corona.

Der ehrgeizige Plan der Band war, in jedem Kanton der Schweiz ein Konzert zugunsten der SBS zu geben. Als Musiker wollten sie die Produktion von Notenblättern in Brailleschrift fördern, um blinden Menschen das Musizieren zu ermöglichen. Zuerst lief alles sehr gut, doch dann hatte das Covid-19-Virus, wie wir alle wissen, einen anderen Plan.

Die Band musste schnell erkennen, dass es nun nicht mehr möglich sein würde, in allen Kantonen zu spielen. Trotzdem blieb sie ihrer Idee eisern treu, für die SBS möglichst viele Spenden zu sammeln. Die Musiker nahmen jede Möglichkeit für einen Auftritt wahr, verzichteten auf ihre Gagen und warfen sogar die Verkaufserlöse ihrer CDs in die Spendenbox. Mit ihrem grossartigen Enthusiasmus und ihrer mitreissenden Musik begeisterten sie das Publikum an allen Konzerten. Sie berichteten uns von ergreifenden Begegnungen mit Fans, die sie mit ihrer Idee anstecken konnten und die eifrig für die SBS spendeten. Und so durften wir im Juni 2021 die stolze Summe von 6173 Franken entgegennehmen.

Liebe Red Bandana, ihr habt einen grossen Platz in unseren Herzen gefunden. Ihr seid, wie eure Musik, eine Wucht und einfach sensationell. Rock on!

Martin Orgler

Spezialpreis – Starkes Zeichen der Anerkennung

Das Bundesamt für Kultur hat der SBS und ihren Partnerbibliotheken den »Spezialpreis Vermittlung 2021« verliehen. Der Preis würdigt das Engagement der SBS für Menschen, denen der Zugang zu Büchern durch eine Behinderung erschwert ist.

Der Telefonanruf des Bundesamts für Kultur hat uns alle freudig überrascht: Die SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte erhält zusammen mit ihrer kleinen Bibliothek Étoile Sonore und den Partnerbibliotheken in der Romandie und im Tessin den »Spezialpreis Vermittlung 2021«.

Der Preis wird alle zwei Jahre durch die Schweizerische Eidgenossenschaft vergeben. Er ist mit 40'000 Franken dotiert. Ausgezeichnet werden Personen und Institutionen, welche in der Schweiz einen wichtigen Beitrag zur literarischen Vermittlung leisten.

Auf unsere Überraschung folgte schnell die Freude über die bemerkenswerte Anerkennung unserer Arbeit. Der Preis unterstreicht die Bedeutung einer bald 120 Jahre alten Mission: Wir machen das Lesen den Menschen mit Seh- oder Lesebehinderung zugänglich.

Der Preis rückt auch den Begriff »Inklusion« wieder einmal ins Bewusstsein. Es ist und bleibt wichtig, allen Menschen Zugang zum gedruckten Wort zu ermöglichen. Hierfür braucht es Spezialbibliotheken wie die SBS, die auch technisch innovativ sind, um Menschen mit Behinderung den Zugang zum Buch auch in Zukunft zu sichern. Beim Lesen selbst geht es um weit mehr als den reinen Genuss von Texten. Alle sollen sich selbstständig eine Meinung bilden, Fertigkeiten erlernen oder sich schulisch weiterbilden und so gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.

In der Würdigung hält das Bundesamt für Kultur fest: »Lesen ist die Verbindung zu den anderen und zu sich selbst. Es überwindet kulturelle und geografische Distanzen. Als Vermittlerinnen ermöglichen es die vier ausgezeichneten Bibliotheken den Menschen, denen der Zugang zu Büchern durch ihre Behinderung erschwert ist, trotzdem voll und ganz zur Gemeinschaft der Liebhaberinnen und Liebhaber des Lesens und der Literatur zu gehören.«

Weitere Informationen zu den Schweizer Literaturpreisen finden Sie unter: www.schweizerkulturpreise.ch/literaturpreise

Roswitha Borer Amoroso

Lexikon

ES Player – Was ist das?

[Bild eines Smartphones]ES Player (Étoile Sonore Player), Hörbuch-App der Bibliothek Étoile Sonore.

Die Hörbuch-App unserer kleinen Bibliothek in Collombey (VS), der Étoile Sonore.

Mit dieser App können seh- und lesebehinderte Menschen die französischsprachigen Hörbücher der Bibliothek suchen, ausleihen, herunterladen und abspielen. Das besondere Format der Bücher erlaubt es den App-Nutzerinnen und -Nutzern, in den Büchern zu »navigieren«, also von Kapitel zu Kapitel zu springen oder die Geschwindigkeit des Vorgelesenen den eigenen Wünschen anzupassen. Schläft man ein, stoppt die App automatisch. Wird sie wieder gestartet, setzt sie dort ein, wo das Buch angehalten wurde. Im ES Player steckt viel IT-Knowhow – seine Bedienung aber gleicht der eines alten Kassettenrekorders.

Die App gibt es für iOS- und Android-Geräte.

Buchpatenschaft

Fassen Sie sich ein Herz!

Liebe Leserin,
lieber Leser

Ermöglichen Sie mit Ihrer Buchpatenschaft ein neues Hörbuch oder ein Buch in Blindenschrift! Sie können uns Ihr Lieblingsbuch vorschlagen oder aus unseren Empfehlungen auf der Website unter www.sbs.ch/spenden-unterstuetzen/buchpatenschaft sowie bei www.facebook.com/sbs.schweiz auswählen. Noch unentschlossen? Rufen Sie an oder schreiben Sie eine E-Mail. Wir unterstützen Sie gerne bei der Wahl des passenden Buches.

Sie wissen selbst am besten, dass Literatur das Leben verschönert und den Geist erhellt. Unvorstellbar, auf dieses Privileg zu verzichten! Nach Lust und Laune ein Buch aus dem Büchergestell wählen oder in der Buchhandlung um die Ecke stöbern, das kann unsere Kundschaft nicht. Sie findet ihre Bücher exklusiv im Katalog der SBS.

Mit 4000 CHF können Sie die Übertragung eines Buches finanzieren. Die Produktion von Hörbüchern und von Büchern in Blindenschrift ist anspruchsvoll und aufwändig. Wie ein Hörbuch entsteht, erfahren Sie auf Seite ... und im Interview mit der SBS-Aufnahmeleiterin Nadja Schiller auf der nächsten Seite.

In eigener Sache darf ich Ihnen mitteilen, dass ich diesen Herbst das Pensionsalter erreiche und mein Nachfolger Othmar Bamert Ihre neue Ansprechperson sein wird. Es würde mich sehr freuen, wenn Sie sich schon bald bei uns melden und ihm eine Buchpatenschaft vorschlagen. Fassen Sie sich ein Herz!

Ich danke Ihnen für das Vertrauen und Ihre Motivation, unserer Bibliothek auch in Zukunft besondere Bücher zu schenken.

Herzlich

Ines Meili, Verantwortliche Partnerschaften Telefon 043'333'32'32 E-Mail spenden@sbs.ch

Informationen zu den Buchpatenschaften

Diese Bücher konnten wir dank Patenschaften als Hörbuch realisieren

Hörbuch ermöglicht durch die Fight4Sight Foundation

Maryse Condé: Das ungeschminkte Leben

In ihrer Autobiografie lässt Maryse Condé die Zeit als junge Studentin im Paris der 1950er-Jahre wieder aufleben. Als alleinerziehende, mittellose Mutter geht sie wagemutig nach Westafrika, um als Lehrerin mitzuerleben, wie der Kontinent von politischen Auseinandersetzungen erschüttert wird.

Es liest: Eveline Ratering

Hörbuch ermöglicht durch Frau Erika Stanek

Leontina Lergier-Caviezel: Hinter dem Gwätt

Ein Bergdorf im romanischsprachigen Graubünden der 1960er-Jahre. Andrea, eine junge Eingeheiratete aus dem Unterland, versucht den seltsamen Bann um die alte Urschla zu brechen, »die Stumme«, wie sie von den Einheimischen nur genannt wird. Jeder weiss, wann sie ihre Sprache verloren hat, doch um das Warum hat sich ein Mantel aus Schweigen, Unwissenheit und Gerüchten gelegt.

Es liest: Dominique Lüdi

Hörbuch ermöglicht durch Herr Erich Glückler

Helen Wirthlin: 2610 m.ü.M. Irma Clavadetscher – Ein Leben auf der Coaz-Hütte

Als eine der ersten Hüttenwartinnen der Schweiz verbrachte Irma Clavadetscher fast ihr halbes Leben auf 2610 Metern über Meer, zuhinterst im Engadiner Val Roseg. Von 1963 bis 2001 bewirtschaftete sie dort mit ihrem Mann die Coaz-Hütte. Einfühlsam und spannend werden heitere, berührende und dramatische Geschichten der Hüttenwartin erzählt. Sie zeigen das aussergewöhnliche Leben dieser pragmatischen, naturverbundenen und lebensklugen Frau.

Es liest: Eveline Ratering

Hörbuch ermöglicht durch eine Spenderin

Christine Brand: Der Bruder

Irena Jundts Vater ist tot. Die Rechtsmedizinerin der Berner Kripo muss zurück in das abgelegene Bergdorf ihrer Kindheit. Eine Kindheit, die mit dem Verschwinden ihres Bruders abrupt endete. Damals wurde ein brutaler Kindermörder für Benis Tod verurteilt. Doch bei ihrer Rückkehr erkennt Irena, dass irgendetwas an der Geschichte nicht stimmt. Wenig später wird in Bern ein kleiner Junge als vermisst gemeldet.

Es liest: Ulrike Cziesla

Hörbuch ermöglicht durch eine Stiftung

Karin Feuerstein-Prasser: Alice von Battenberg Die Schwiegermutter der Queen

Verlassen, verraten, vergessen – nur wenige kennen Alice von Battenberg, die spätere Prinzessin von Griechenland, Mutter von Prinz Philip und damit die Schwiegermutter der Queen. Nahezu taub geboren, entwickelte sich Alice zur perfekten Lippenleserin in mehreren Sprachen. Das Familienglück mit Prinz Andreas von Griechenland wurde schnell von Kriegen und Revolutionen überschattet.

Es liest: Sabine Trieloff

5 Fragen an Nadja Schiller

5 Fragen an Nadja Schiller

Bei Buchpatenschaften kommt auch die SBS-Aufnahmeleiterin Nadja Schiller aus dem Team des Hörbuchstudios ins Spiel. Als Germanistin und Lektorin bringt sie ihr ausgewiesenes Fachwissen in die interne Buchkommission ein.

Ines Meili: Was macht die Buchpatenschaften für dich zu etwas Besonderem?

Nadja Schiller: Bei den Buchpatenschaften spüren wir konkret, dass es Menschen gibt, die unsere Arbeit schätzen und unterstützen wollen. Das ist natürlich ein gutes Gefühl und motiviert uns. Und: Unseren Kundinnen und Kunden stehen immer wieder neue spannende Bücher zur Verfügung. Vielen Dank dafür!

Welche Kriterien setzt du bei Büchern an, die von den Patinnen und Paten selbst vorgeschlagen werden?

Wie alle Bücher werden auch die Titel, die für eine Patenschaft in Frage kommen, inhaltlich und formal geprüft. Anstössige und diskriminierende Inhalte lehnen wir ab. Bildbände machen für unser Publikum wenig Sinn. Bücher mit komplizierten Grafiken und vielen Tabellen können wir nur mit erhöhtem Aufwand zugänglich machen. Wichtig scheint mir, dass das Buch für ein breites Publikum geeignet ist, damit sich möglichst viele über das Geschenk, denn das bedeutet für mich eine Buchpatenschaft, freuen können.

Gab es auch schon Überraschungen, Bücher, auf die du selbst nie gekommen wärst?

Ja, zum Beispiel die wissenschaftlichen und philosophischen Bücher, die eine bestimmte Stiftung gerne unterstützt, öffnen mir immer wieder die Augen für gesellschaftlich relevante Themen.

Wie viele Sitzungen sind im Hörbuchstudio notwendig, um ein Patenschaftsbuch mit zum Beispiel 500 Seiten zu lesen?

Wir gehen davon aus, dass eine Sprecherin oder ein Sprecher an einem halben Tag 50 Seiten eines Unterhaltungsromans aufsprechen kann. Bei zwei Leseterminen pro Woche kann das Buch in fünf Wochen fertig sein. Handelt es sich um ein anspruchsvolles Buch, das eine zusätzliche Begleitung durch einen Regisseur oder eine Regisseurin braucht, dann dauert es natürlich länger.

Welche Bücher hörst du selber am liebsten als Hörbuch?

Mundart-Bücher zu hören macht mir mehr Spass, als sie selber zu lesen. Im Hörbuchstudio arbeiten Sprecher und Sprecherinnen aus fast allen Kantonen, so sind wir in der Lage, Bücher in fast jedem Dialekt anzubieten. Gerne höre ich auch die Klassiker. Der kunstvollen Sprache von Flaubert, Tolstoi oder Jane Austen zu lauschen, ist immer wieder ein Vergnügen. Da kann sogar mein kritisches Aufnahmeleiterinnen-Ohr mal Pause machen und entspannt geniessen.

Ines Meili

Who's who

Franz Szekeres – Aufnahmeleiter

Deine Aufgabe in der Blindenbibliothek?

Sprecher und Aufnahmeleiter, u. a. Betreuung Audiotechnik und Aufnahmesoftware.

Deine Motivation, für die Blindenbibliothek zu arbeiten?

Interessante Arbeit und interessante Menschen, raffiniert kombiniert.

Welche Eigenschaften schätzt du bei deinen Kollegen am meisten?

Teamgeist, Humor, Herzlichkeit.

Und welches ist deine wichtigste Eigenschaft?

Kann Fehler zugeben (und verschaffe mir oft Gelegenheit dazu).

Brauchst du Bücher, um glücklich zu sein?

Auch. Schon. Doch. Ziemlich eigentlich. Schon auch.

In welcher Form geniesst du Literatur und wie häufig?

Lesend. Hörend. Vorlesend. Empfehlend. Empfehlen lassend. Täglich vor und nach den Mahlzeiten.

Welches Buch hat dich besonders geprägt – und warum?

»Schachnovelle« von Stefan Zweig. Frühes Leseerlebnis. Zeigt die Kraft des Lesens, schlimmstenfalls sogar ohne Text.

Welches Buch hast du zuletzt gelesen – und warum?

James Nestor: »Breath – The New Science of a Lost Art«. Bis heute habe ich ca. eine halbe Milliarde mal ein- und ausgeatmet und ein Recht zu erfahren, was dabei passiert.

Welches Buch würdest du selbst gerne schreiben?

George Orwell: »Animal Farm«; Ray Bradbury: »Fahrenheit 451«; Hans Christian Andersen: »Des Kaisers neue Kleider«.

Du kannst uns drei Bücher ans Herz legen:

Wolf Haas: »Das Wetter vor 15 Jahren«; Jonathan Safran Foer: »Tiere essen«; Haruki Murakami: »Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede«.

Deine Lieblingsbeschäftigung neben der Literatur?

Tüfteln und entdecken.

Dein liebstes Reiseziel?

Wien.

Dein nächstes Ziel in der SBS?

Das selbstfahrende Studio.

Dein Lebensmotto?

Ein Weg entsteht, indem man ihn geht.

In fünf Sätzen:

Geboren in Luzern. Als Deutschlehrer und Filmerzieher (La lanterne magique) tätig. Eigenes Ministudio in Emmenbrücke (Audioguides, Dok-Filme, Multimedia). Sprecher bei Radio und Fernsehen sowie für Hörfilme. Konzeptarbeit für diverse Kulturprojekte.

SBS-CD-BUCH

Blanca Imboden – Kurzgeschichten

Exklusiv für die Spenderinnen und Spender der SBS: im November erscheint mit Blanca Imbodens Kurzgeschichten bereits zum dritten Mal ein CD-Buch der SBS. Ein exklusiver Downloadcode sorgt dafür, dass auf die Kurzgeschichten überall und jederzeit zugegriffen werden kann.

Blanca Imboden wurde 1962 in Ibach SZ geboren. Fünfzehn Jahre arbeitete sie bei der Neuen Schwyzer Zeitung. Danach wurde sie Seilbähnlerin. Heute arbeitet sie als Sekretärin im Wörterseh Verlag in Lachen. Seit 2019 lebt sie in Malters LU. Bereits 1997 veröffentlichte sie ihr erstes Buch, musste allerdings lange auf Erfolg warten. Erst 2013, nach einem Wechsel zum Wörterseh Verlag, gelang ihr mit »Wandern ist doof« der Durchbruch. Seither fanden alle ihre Bücher den Weg in die Schweizer Bestsellerliste.

Auf dem CD-Buch der SBS finden sich zwei Kurzgeschichten: »Maries Wunsch« stimmt mit einer rührenden Geschichte auf die Weihnachtszeit ein. Und »Gelegenheit macht Liebe« bringt den Hörerinnen und Hörern die Sonne Teneriffas in die dunklen Wintertage.

Jedes Jahr verschickt die SBS ein Hörbuch an die Spenderinnen und Spender. Möchten Sie eine der früheren CDs bestellen – gerne verbunden mit einer kleinen Spende?

  • 2015 – Franz Hohler: Weihnachtsgeschichten
  • 2016 – Charles Lewinsky: Der Teufel in der Weihnachtsnacht
  • 2017 – Federica de Cesco: Weihnacht im Flughafen
  • 2018 – Arno Camenisch: Kurzgeschichten
  • 2019 – Katja Früh: Geschichten aus dem Alltag
  • 2020 – Christine Brand: Tod am Napf

Diese und weitere CDs finden Sie unter den Stichworten »CD-Bücher« oder »Weihnachts-CDs« auf: www.sbs.ch/spenden-unterstuetzen/geschenkideen

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

25 zauberhaft illustrierte Grimm-Märchen

Jetzt bestellen und Gutes tun

Seit 1960 versendet die SBS jedes Jahr im Rahmen einer Spendenaktion ein Märchenbuch der Brüder Grimm.

Nun bringen wir die schönsten Grimm-Märchen – von Aschenputtel bis Die Zertanzten Schuhe – neu heraus. Der hochwertige, mehr als 200-seitige Sammelband wurde von bekannten Künstlerinnen und Künstlern liebevoll illustriert.

Sichern Sie sich jetzt ein Exemplar! Verkaufspreis: CHF 54.50 (inkl. Versandkosten) Der Verkaufserlös fliesst vollumfänglich in die Bücherproduktion der SBS für blinde und sehbehinderte Menschen.

Bestellen Sie bequem online: www.sbs.ch/märchen-sammelband

via Telefon: 043'333'32'32
E-Mail: info@sbs.ch
oder per Post: SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte, Grubenstrasse 12, 8045 Zürich.

Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung.

Impressum

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dialog Nr. 39 Oktober 2021

dialog, das Magazin der SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte

Redaktionsleitung und Produktion: Martin Orgler, www.sbs.ch
Textredaktion und Beratung: trieloff kommunikation, www.trieloff.ch
Grafik Design und Layout / Illustrationen: JoosWolfangel, www.jooswolfangel.ch
Titelbild / weitere Fotos: Matthias Auer, www.auerfoto.ch

© SBS 2021

Verlag: SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte
Grubenstrasse 12,
CH-8045 Zürich,
Telefon +41'43'333'32'32

www.sbs.ch,
E-Mail: spenden@sbs.ch

Spendenkonto: 80-1514-1
IBAN: CH74.0900.0000.8000.1514.1

Der dialog ist für blinde, seh- und lesebehinderte Menschen auch in geeigneter Form erhältlich. Auskunft über Telefon +41'43'333'32'32 oder nutzerservice@sbs.ch

Aktuelle «dialog»-Ausgabe hören

dialog Nr. 39 (00:22) Start
1 Editorial (02:35) Start
2 Interview (17:11) Start
3 Ein Hörbuch entsteht (06:47) Start
4 Aktuelles (05:54) Start
5 Buchpatenschaft (09:18) Start
6 Who's who (02:54) Start
7 SBS-CD-Buch (02:41) Start
8 25 Grimm-Märchen (01:31) Start

Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie uns.

Porträt Martin Orgler
Martin Orgler

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