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dialog Nr. 49, Oktober 2026
Ich gebe nicht auf!
Interview. Suzanne Kunz ist sowohl stark seh- als auch stark hörbehindert. Im Interview schildert sie ihren Weg zwischen Rebellion und Akzeptanz.
Buchknacker. Unsere Online-Bibliothek für Kinder und Jugendliche mit Lesebeeinträchtigung macht den Zugang zum Lesen mit einer neu gestalteten Website noch einfacher.
- Editorial
- Interview
- Buchknacker
- SBS
- Gastbeitrag von Tobias Litterst
- Buchpatenschaft
- Who's who
- SBS-Audiobuch
- Impressum
Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser
Vielfalt der Medien,
Vielfalt der Buchwelten –
unser gemeinsamer
Beitrag und unser
gemeinsames Ziel.
17 Jahre lang durfte ich die SBS leiten – eine äusserst erfüllende Aufgabe. Heute fühle ich mich sehr glücklich und privilegiert, dass ich diese wunderbare Arbeit so lange ausüben konnte.
Denn die Welt, mit der ich täglich konfrontiert war und immer noch bin, ist vielfältig und spannend. Allein durch das regelmässige Lesen des dialog eröffnen sich auch mir neue Perspektiven: Wie ist es, taubblind zu sein? Wie wird über das Blindsein philosophiert? Welche Rolle spielt das Lesen in besonderen Lebenssituationen? Welche Buchformate und Geräte ermöglichen Menschen ohne Augenlicht überhaupt erst das Lesen? Und schliesslich: Welcher Effort muss geleistet werden, damit Menschen mit speziellen Bedürfnissen in das unfassbar vielfältige Universum der Bücher eintauchen können?
Sie, liebe Leserin, lieber Leser, müssen sich diese letzte Frage gar nicht erst stellen. Sie tragen mit Ihrer Unterstützung wesentlich dazu bei, dass Lese- und Wissenshungrige mit einer Seh- oder Lesebehinderung nicht auf ihr Hobby, ihre Leidenschaft, ihre Bildung oder das Reisen in andere Buchwelten verzichten müssen. Dafür sage ich Ihnen von ganzem Herzen: Danke! Danke für die tatkräftige Unterstützung, vor allem auch danke für das Vertrauen, das Sie uns damit schenken.
Wenn Sie den nächsten dialog in den Händen halten, werde ich das Heft ebenfalls genüsslich und entspannt lesen – zum ersten Mal als Pensionierte. Meine Nachfolgerin, Nicole Brändle Schlegel, wird dann das Steuer bei der SBS übernommen haben und die Organisation kompetent und umsichtig in die Zukunft lenken. Zusammen mit dem engagierten SBS-Team wird sie für noch mehr Medien, Abwechslung, Freude, Bildung und Lebensgenuss für unsere Nutzerinnen und Nutzer sorgen. Und Sie werden im dialog weiterhin lesen können, wie Ihr Engagement zu mehr Buntheit im Leben von Menschen mit einer Seh- oder Lesebehinderung führt.
Vorab wünsche ich Ihnen jedoch viel Spass und Abwechslung bei der Lektüre dieses Heftes.
Herzlich
Ihre Dr. Flavia Kippele,
Geschäftsführerin
Interview
Ich gebe nicht auf
An einem heissen Junitag bin ich im Zug nach Basel unterwegs. Ich schwitze, nicht wegen der Hitze, sondern wegen meiner Bedenken. Suzanne Kunz erwartet mich zu einem Interview. Sie ist sowohl stark seh- als auch stark hörbehindert. Wie begrüsse ich sie? Wie kann ein Gespräch stattfinden?
Ich klingle an der Tür. Kurz darauf öffnet Suzanne Kunz mit einem strahlend freundlichen Lächeln die Tür und streckt mir ihre Hand entgegen. Alle meine Bedenken sind innert Sekunden verflogen. In ihrem Wohnzimmer hat sie bereits alles vorbereitet. Auf dem Tisch liegen eine Tastatur und eine Braillezeile. Schnell tippe ich »Hallo« und stelle mich und den Fotografen, der mich begleitet, kurz vor. Erwartungsvoll hat Suzanne Kunz ihre Finger bereits auf die Braillezeile gelegt. Ich merke, sie ist froh, dass ich zu tippen beginne und sie nun kommunizieren kann.
Martin Orgler: Sie sind seit Ihrer Geburt sehbehindert?
Suzanne Kunz: Ja, aber es war damals noch nicht so schlimm wie heute. Es wurde erst festgestellt, als ich vier Jahre alt war, weil ich den Tisch sehr seltsam gedeckt hatte – die Teller ganz am Rand.
Wie hat Sie Ihre Sehbeeinträchtigung als Kind beeinflusst?
Als kleines Kind ist mir das gar nicht aufgefallen. Ich habe nicht darüber nachgedacht, dass ich schlecht sehe. Es hat keine riesige Rolle gespielt. Ich war damals auch noch nicht so benachteiligt. Erst im schulpflichtigen Alter habe ich es so richtig wahrgenommen.
Was ist der Grund für Ihre Einschränkung?
Sehnervatrophie lautet die Diagnose, aber man weiss nicht, woher sie kommt.
Das heisst, bei Ihnen ist die Nervenverbindung vom Auge zum Hirn geschädigt?
Ja, genau. Man kann leider nichts dagegen machen. Einen Nerv kann man nicht flicken.
Man sieht Ihnen Ihre Behinderung nicht an.
Ja, die Augen sind gesund, sind ganz normal. Das ist ja das Verrückte. Es ist nur die Verbindung zum Gehirn, die nicht richtig funktioniert.
Hat Ihre Höreinschränkung den gleichen Grund?
Ja, auch hier funktioniert die Nervenverbindung nicht richtig. Aber das kam erst später. Bis ich neun Jahre alt war, hatte ich mit dem Hören gar keine Probleme. Ich habe daher auch ganz normal sprechen gelernt.
Was können Sie heute noch sehen?
Jetzt sehe ich nur noch Umrisse, vor allem das Hell und Dunkel, und das sehr unscharf.
Hatten Sie schon immer eine Brille?
Nein, früher hatte ich keine, und diese hier ist nicht korrigiert, weil es nichts mehr bringt. Die Brille trage ich eher wegen der Schönheit, dem Schick.
Sie steht Ihnen sehr gut.
Sie ist in schönem Türkis, das ist momentan eine meiner Lieblingsfarben.
Wie hat sich Ihre Sehbehinderung entwickelt?
Bis 40 war ich schon eingeschränkt, aber so, dass ich dachte, ich komme allein zurecht. Ich habe einfach vieles nicht genau gesehen, konnte mich aber gut orientieren. Ich konnte sogar den Glanz in den Augen sehen, wenn mich jemand angelächelt hat. Das war sehr schön.
Nahm das Sehvermögen schnell ab?
Eher schleichend. So wie bei anderen, die eine immer stärkere Brille brauchen. Da ich schon immer schlecht gesehen habe, hat sich das mit dem Älterwerden sehr unglücklich verstärkt. Jetzt ist es schlimm.
Brauchen Sie heute mehr Hilfe?
Ja, es macht mich abhängig. Aber es hilft nichts, wenn ich den ganzen Tag jammere oder mich ärgere. Man muss das Beste daraus machen und andere Möglichkeiten entwickeln.
Welche Hilfsmittel verwenden Sie?
Zuerst benutzte ich eine Lupenbrille, mit der ich mit 16 »Krieg und Frieden« gelesen habe, dann kam das Bildschirmlesegerät. Das hat mir bis vor kurzem noch sehr geholfen. Heute nützt auch das nichts mehr. Jetzt habe ich den Scanner und den PC.
Ist es Alterssehschwäche, oder ist auch Ihre Krankheit ein Grund dafür?
Das kommt schon auch vom Nerv. Man hat mit Durchblutungstabletten versucht, die Verschlechterung zu bremsen. Der Augenarzt sagt aber bei jeder Konsultation, es gebe leider keine Therapie. Es sei noch zu komplex, um etwas machen zu können.
Eine Operation ist auch nicht möglich?
Wie wollen Sie einen Nerv auswechseln, eine neue Verkabelung machen? Das geht nicht.
Hatten Sie die Hoffnung, dass Ihre Sehbehinderung gleich bleibt?
Ja, die Hoffnung hatte ich sehr lange. Ich habe versucht, die Verschlechterung zu ignorieren, so lange dies möglich war. Aber ich musste sie einfach akzeptieren und Wege finden, damit umzugehen. Da ist die heutige Technik natürlich eine super Hilfe – Vögel! Ich höre gerade Vögel. Ich höre sehr gerne, wenn sie miteinander reden.
Das Vogelgezwitscher ist so laut, dass Sie es hören?
Es ist nicht die Lautstärke, es ist die Frequenz, die ich hören kann. Ich kann auch Leute hören, vor allem hohe Stimmen, ich verstehe aber nicht, was sie sagen.
Es ist witzig, ich höre die Vögel kaum, da sie von einem Presslufthammer übertönt werden.
Den höre ich gar nicht. Ich höre nur die Vögel.
Wie war es für Sie, als Sie merkten, dass Sie immer schlechter hören und deshalb auch immer weniger kommunizieren können?
Das war eine Katastrophe. Ich konnte es nur mit dem Lormen kompensieren oder schriftlich mit Braille. (Anm. d. Red.: Das Lormen ist die Kommunikationsform taubblinder Menschen. Dabei tasten die Sprechenden auf die Handinnenfläche der Lesenden. Jeder Buchstabe ist einem bestimmten Areal zugeordnet.) Ich hatte zum Glück immer Leute um mich, die das Lormen für mich gelernt haben.
War Ihnen häufig langweilig?
Nein. Ich bin doch eine Leseratte und habe meine eigene Fantasiewelt. Ich habe mich einfach in meine Welt zurückgezogen. Ein Buch half mir fast immer gegen Langeweile. Langweilig war mir nur, wenn viele zusammensassen und durcheinanderredeten, dann bekam ich nichts mit, ich war einfach ausgeschlossen. Da wollte ich dann meist nichts anderes als weg, heimgehen.
Mussten Sie auch Verletzungen erfahren?
Ja, vor allem im Internat. Meine damals beste Freundin hat mir zum Schulabschluss gesagt, sie hätte es nur aus Mitleid gemacht. Das war ein Schock. Ich würde sagen, die, die bei mir geblieben sind, sind es wert, und die anderen sind mir egal.
Haben Sie sich die Frage gestellt, warum es Sie so schwer treffen musste?
Nein, das habe ich nicht. Da könnte ich mir genauso die Frage stellen, warum ich hier in der Schweiz lebe, mit all dem Luxus, und nicht in Somalia. Ich musste das positive Denken lernen – also mich mehr auf das Gute ausrichten und nicht immer den Haken sehen. Als Kind, als Jugendliche und auch noch bis ins Erwachsenenalter hinein war ich viel zu oft einfach nur frustriert und zu verbittert, um mich öffnen zu können. Ich glaube schon, dass es einen Sinn hat, dass ich diese Einschränkungen habe. Vielleicht musste ich etwas lernen oder etwas entwickeln in mir, oder einfach etwas finden in mir, etwas Neues.
Was haben Sie Neues für sich entwickelt?
Die Abenteuerlust. Meine Neugier. Es steckt einfach in mir. Ich will etwas erleben.
Da haben Sie viel Mut gebraucht.
Schlussendlich oft, ja. Ich war schon immer eher ängstlich. Aber am Schluss haben Lust und Ehrgeiz meistens gesiegt.
Sie haben ja auch viel gemacht, Bergsteigen, Reiten ...
Beim Bergsteigen hatte ich oft Angst. Meine Augen haben mir Situationen anders gezeigt, als sie besser Sehende wahrnehmen. So schien mir zum Beispiel ein Abgrund viel näher, als es der Realität entsprach.
Können Sie anderen vertrauen?
Schwierig. Aber es war auch nicht bei allen Leuten gleich. Gewissen Leuten habe ich richtig vertraut und anderen weniger.
Hatten Sie Bedenken, dass Sie belogen, ausgenützt oder reingelegt werden?
Ich habe ein sehr gutes Gespür. Das hat mich oft gewarnt. Das verhindert natürlich nicht, dass auch ich mich täuschen kann. Ich muss mich aber sehr auf mein Gefühl verlassen. Ich spüre auch sehr gut, wenn es jemandem nicht gut geht oder wenn bei jemandem etwas nicht stimmt.
Wie bemerken Sie so etwas?
Ich kann das gar nicht sagen. Ich spüre es einfach. Wenn jemand konzentriert nachdenkt, merke ich das zum Beispiel. Es ist dann eine Energie da, die sich verändert hat. Das ist körperlich spürbar. Die meisten Menschen sind sehr auf das Sehen und Hören angewiesen, um so etwas bei anderen Menschen erkennen zu können. Das ist wahrscheinlich der Nutzen meiner Einschränkungen, dass ich andere Wahrnehmungskanäle ausbilden konnte.
Wie konnten und können Sie mit Ihren Einschränkungen umgehen?
Ich habe es nie widerstandslos akzeptiert. Ich habe rebelliert. Rebellion ist wichtig.
War es schwierig für Sie, diese Rebellion aufzugeben und Ihre Situation zu akzeptieren?
Das ist ein Prozess, der nicht abgeschlossen ist. Ich habe immer noch Momente, in denen ich dagegen rebelliere, es einfach nicht will oder finde, es ist eine Sauerei. Zum Beispiel, dass ich jetzt noch viel weniger sehe. Dass ich jetzt Ihr Gesicht nicht sehe, dass ich nicht mehr sehen kann, ob Sie gerade lächeln. Das ist ein enormer Verlust. Das kann ich nicht bestreiten oder verharmlosen. Aber ich verschwende auch keine Energie mehr, um deshalb einen Aufruhr zu machen. Dafür frage ich heute, bitte beschreiben Sie mir, wie Sie aussehen. Ich bitte jetzt andere, mir zu helfen. Wenn ich zum Beispiel in einem Geschäft bin, bitte ich meine Begleitung, mir zu sagen, wo ich hinsehen muss, damit ich eine Verkäuferin ansehen kann, wenn ich mit ihr spreche.
Ich habe das Gefühl, dass Sie sich nie in Ihr Schicksal ergeben wollten.
Ich ergebe mich nicht. Ich gebe nicht auf. Ich lasse mich nicht besiegen. Ich kann mit den Dingen umgehen. Es sind Herausforderungen, aber keine Schicksalsschläge. Ich hatte auch das Glück, in meinem Leben immer wieder die richtigen Menschen zu treffen, die mir weitergeholfen haben.
Sehen Sie sich eigentlich auch als Glückspilz?
(Lacht) Ja, warum nicht? Ich habe auch sehr viel bekommen. Ich musste schon vieles entbehren, und mir fehlt vieles. Aber ich habe auch viel erlebt, so dass ich nicht sagen kann, ich sei eine Arme. Wir führen zum Beispiel gerade ein Gespräch, das ich interessant finde. Wieso sollte ich da plötzlich traurig und verzweifelt sein? Ich kann zwar nicht hören und sehen wie andere, aber ich erlebe trotzdem mit Freude ein interessantes Gespräch.
Die Entwicklung, die Sie durchgemacht haben, finde ich sehr beeindruckend. Sind Sie auch stolz darauf? Oder ist es für Sie selbstverständlich, weil Sie es für sich selbst gemacht haben?
Natürlich bin ich auch stolz. Ich mache es für mich, aber ich mache es auch stellvertretend, um anderen Leuten zu zeigen, was alles möglich ist.
War das ein Grund, Ihr Buch »Zwischen Rebellion und Akzeptanz – Mein Weg mit nachlassendem Sehen und Hören« zu schreiben?
Ich habe immer schon gerne geschrieben, ich wollte mich mitteilen. Mir haben viele Leute gesagt, ich solle einmal ein Buch schreiben. Ich habe mich auch ein wenig verpflichtet gefühlt, da ich ein Talent zum Schreiben habe. Das kann ich nicht einfach vergraben. Ich habe mein Buch für andere und auch für mich geschrieben. Es war mir wichtig, das Erlebte zu teilen und zu zeigen, was ich alles kann.
Sie lesen ja gerne ...
Ja, das ist mein Hobby Nummer eins. Ohne Bücher kann ich nicht leben.
Was lesen Sie besonders gerne?
Vieles! Ich habe gerade ein Braillebuch aus der SBS gelesen. Der Autor ist Franzose. Er ist in Ruanda geboren. In seiner Familie wurde nie über Ruanda gesprochen. Erst später hat er erfahren, was dort passiert ist – der Völkermord. Das fand ich sehr spannend und mitreissend, mit einer versöhnlichen Note am Schluss: Es ist möglich zu verzeihen.
Seit wann leihen Sie bei der SBS Bücher aus?
Schon ewig. Ich weiss gar nicht mehr seit wann.
Wie wurden Sie auf die SBS aufmerksam?
Ich wusste, dass es die SBS gibt, woher weiss ich nicht. Ich wollte unbedingt lesen und unbedingt Bücher haben. Ich bin auch sehr froh, dass die SBS jetzt E-Books anbietet. In meinem Alter ist es einfach zu schwierig, diese riesigen Bücherboxen hochzuholen und zurückzuschicken. Die Post ist zu weit weg. Obwohl die SBS schöne Formate hat: Die E-Books sind ein Riesenvorteil. Ich kann sie direkt am PC herunterladen.
Welche Wünsche für die Zukunft haben Sie?
Also, ich möchte gesund und fit bleiben, und ich möchte viele interessante Leute erleben. Ich wünsche mir öfter eine Begleitung, damit ich mehr unternehmen kann. Das fehlt mir ein wenig.
Dass Sie öfter aus dem Haus kommen?
Ja, genau. Ich kann zwar allein im Park spazieren, das ist aber nicht erholsam, da ich mich sehr konzentrieren muss. Nicht nur für Spaziergänge fehlt mir manchmal die Begleitung, sondern auch, um mich zu unterhalten. Es wäre einfach schön, mehr Austausch zu haben.
Herzlichen Dank, Suzanne Kunz!
Martin Orgler
Buchknacker
Einfach lesen!
Neu, übersichtlich, mehr Lesespass: Die Website der Online-Bibliothek Buchknacker ist neu gestaltet. So wird der Weg zum Buch für Kinder und Jugendliche mit Lesebeeinträchtigung noch einfacher.
Seit 2013 gibt es in der SBS die Online-Bibliothek Buchknacker für Kinder und Jugendliche mit Dyslexie/Legasthenie, ADHS oder einer anderen Lesebeeinträchtigung. Hier können sie mit barrierefreien Hörbüchern, E-Books und innovativen Text-Hörbüchern in die Welt der Geschichten eintauchen.
Bei der Einführung von Buchknacker lag das Augenmerk darauf, die Inhalte für die stark visuell orientierte Zielgruppe einfach zugänglich zu machen: Viele Bilder und wenig Text sorgten dafür, dass Kinder Bücher selbstständig finden und ausleihen können. Zudem schufen wir statt eines nüchternen Katalogs eine bunte Buchknacker-Welt mit lustigen Figuren, in der sich die junge Leserschaft wohlfühlt. Das Konzept wurde mit Schulkindern getestet und für gut befunden, was auch die jährlich steigende Neukundenzahl bestätigte.
Die Gestaltung von Webseiten entwickelt sich jedoch laufend, und damit verändern sich auch die Seh- und Nutzungsgewohnheiten der Kundinnen und Kunden. Darum haben wir das Design und die Nutzbarkeit der Website überprüft.
Gemeinsam mit Usability-Experten der Fachhochschule Graubünden (FHGR) haben wir als erstes Buchknacker-Kundinnen und -Kunden sowie Fachpersonen, die im Rahmen von Schule oder Therapie mit Buchknacker arbeiten, zu ihren Erfahrungen und Ideen befragt. In einem mehrstufigen Prozess mit Usability-Tests wurde die Nutzerfreundlichkeit der Website evaluiert.
Was uns riesig gefreut hat: Viele unserer Kundinnen und Kunden sind begeistert von Buchknacker und erleben die barrierefreien Medien als echte Hilfe. In den Worten eines jungen Kunden: »Ohne Buchknacker hätte ich nicht so schnell lesen gelernt.« Auch Eltern beschreiben Buchknacker positiv: »Bücher zu lesen war bisher schwierig. Jetzt macht es unserer Tochter viel Spass. Wir sind glücklich, dass es die Plattform gibt.«
Bei der Nutzbarkeit der Website offenbarten die Tests allerdings Verbesserungspotential. Im SBS-Projektteam analysierten wir, wie buchknacker.ch verbessert werden kann. Zur Unterstützung bei der Gestaltung beauftragten wir die Zürcher Digitalagentur Snowflake.
Das Ergebnis: Die Website wirkt aufgeräumter und ist klarer strukturiert. Neu gibt es grössere Bilder der Bücher, mehr Tipps zu aktuellen Titeln für verschiedene Altersgruppen sowie Hinweise auf beliebte Buchreihen. Dank verbesserter Vorschläge bei der Sucheingabe sind Bücher noch einfacher zu finden. Eine neue, grössere Schrift (Lexend) erhöht die Lesbarkeit der Seitentexte. So wird der Weg zum Buchgenuss noch leichter, was die Lesemotivation erhöht. Auch für Fachpersonen sind wichtige Informationen besser gebündelt. Sie können sich unkompliziert für einen Testzugang oder zu einem Webinar anmelden und auch Formulare herunterladen.
Ein weiterer Test mit Buchknacker-Kundinnen und -Kunden bestätigte uns, dass die Neugestaltung ein Erfolg ist. Seit April 2026 können unsere Kundinnen und Kunden die frisch gestaltete neue Buchknacker-Website nutzen. Machen Sie sich gerne selbst ein Bild und schauen Sie vorbei auf buchknacker.ch!
Henrike Strehler
SBS
Prägende Technologie
In der SBS steht seit kurzem eine neue Punziermaschine vom Typ PUMA VII. Sie ersetzt die bisherige PUMA V, die während fast 40 Jahren ihren Dienst zuverlässig geleistet hat.
Doch was macht eine Punziermaschine überhaupt? Mit ihr werden Druckplatten für die Brailleschrift hergestellt. Dabei werden die Braillepunkte in die Druckplatten geprägt, welche anschliessend für die Produktion von Braille-Drucksachen verwendet werden.
Die neue PUMA VII bietet gegenüber ihrem Vorgängermodell einige Vorteile. Besonders interessant ist die Möglichkeit, neben Texten auch tastbare Grafiken auf Druckvorlagen zu übertragen.
Die Maschine arbeitet computergesteuert. Sie verbindet moderne Elektronik mit präziser Mechanik, um die Braillepunkte exakt auf die Druckplatten zu übertragen. Diese kommen anschliessend auf dem Heidelberger Tiegel zum Einsatz, einer Buchdruck- beziehungsweise Prägemaschine. Auf der Maschine werden die eigentlichen Brailleprodukte geprägt. Dieses Verfahren wird von der SBS vor allem bei grösseren Auflagen sowie für Drucksachen verwendet, die Schwarzschrift und Brailleschrift kombinieren.
Die PUMA VII kann aber noch mehr: Braillepunkte lassen sich auch direkt auf verschiedene Trägermaterialien wie Zink, Aluminium, Kunststoff und Selbstklebefolien übertragen. Damit ergeben sich zusätzliche Anwendungen bei der Herstellung von Brailleprodukten.
Romolo Formicola
Gross, grösser, Grossdruck
Die Sehkraft lässt nach. Die Schrift in normalen Büchern ist einfach zu klein. Dank Grossdruckbüchern kann man trotzdem im eigenen Lesetempo und -rhythmus in eine Geschichte eintauchen und lebhafte Bilder vor dem inneren Auge entstehen lassen – wunderbar!
Grossdruckbücher unterscheiden sich von herkömmlichen Schwarzschriftbüchern besonders durch ihre klaren und schnörkellosen Schriftarten. Auch ist der Zeilenabstand grösser, was neben der grösseren Schrift die Lesbarkeit erhöht. Zudem wird auf ein vereinfachtes Layout ohne Bilder geachtet. Eine Herausforderung bleiben neben Bildern und Illustrationen komplexe Tabellen. Sie müssen vereinfacht und in eine fortlaufende, lineare Textform überführt werden.
Grossdruckbücher können bei der SBS in der Schriftgrösse 17 ausgeliehen werden. Bücher, die von der SBS selbst übertragen wurden, stehen für unsere Nutzerinnen und Nutzer auch zum Kauf bereit, wahlweise in den Schriftgrössen 17, 20 oder 25.
Damit die Titel als Grossdruckbuch handlich bleiben, teilen wir sie in mehrere Bände auf. In Schriftgrösse 17 umfasst die ganze Bibel so 35 Bände.
Das Angebot der SBS umfasst etwa 9000 Titel. Von Romanen über Krimis und Biografien bis zu Sachbüchern ist fast alles verfügbar, was unsere Nutzerinnen und Nutzer suchen. Wöchentlich erweitern wir das Programm um neue Bücher. Zudem kann unsere Kundschaft nach einem noch nicht verfügbaren Buch fragen – und wir prüfen gerne, ob eine Übertragung in Grossdruck möglich ist.
Barbara Trudel, Ulle Bourceau
Gastbeitrag von Tobias Litterst
Wie ist es, blind zu sein?
Oft wird mir, der ich von Geburt an blind bin, die Frage gestellt, wie es denn eigentlich sei, mit Blindheit zu leben. Man möchte wissen, ob ich vielleicht so etwas wie eine ständige Schwärze empfinde, und vermutet besorgt, dass mir die permanente Dunkelheit doch grosse Angst einjagen müsse.
Über lange Zeit konnte ich solche Wissbegierde zwar nachvollziehen, war aber ratlos, was ich ihr entgegnen sollte. Mit Ausdrücken wie »dunkel« oder »schwarz« verband ich ebenso wenig Erfahrung wie mit ihren Gegensätzen »hell« oder »bunt«. Wer das Augenlicht nicht aus eigener Anschauung kennt, kann nur schwer ausmachen, was ihm – im Gegensatz zu allen Sehenden – fehlt und die eigene »Sicht auf die Welt« von der »normalen« unterscheidet.
Meiner Blindheit wurde ich mir als Kind erst nach und nach bewusst. Sie dämmerte mir, wenn ich bei Ball- und Versteckspielen nicht mithalten konnte, wenn ich schüchtern im Abseits stand. Erste Klarheit verschaffte mir eine sommerliche Autofahrt zu den Grosseltern. Mein älterer Bruder und ich hielten – gegen den Willen unserer Eltern – die Arme aus den Fenstern und liessen den kühlen Fahrtwind durch die Finger gleiten. Dabei erzählte mein Bruder von Häusern und Schafen, an denen wir vorbeifuhren. Ich war fasziniert und wollte wissen, wie er es denn schaffe, das alles mit den Armen zu ertasten, ob er so lange Arme habe. Die Antwort meines Bruders kam prompt und setzte mich ein für alle Mal ins Bild: »Ich kann die Sachen halt sehen und du nicht«, konstatierte er knapp.
Schlagartig hatte ich verstanden, dass mir etwas abging, dass ich irgendwie ganz anders war als die anderen Menschen, die ich kannte. Was dieser Unterschied jedoch zu bedeuten hatte, das blieb mir für viele Jahre äusserst schleierhaft. Dass ich ihm auf die Spur kam, verdanke ich dem Studium der Philosophie. Es ermöglichte mir, mich nach und nach an die Entwirrung meiner rätselhaften Lage zu begeben.
Einen entscheidenden Schlüssel dazu fand ich durch einen glücklichen Zufall. Als ich an meiner Doktorarbeit schrieb, las ich Theodor W. Adornos Vorlesungen über Ästhetik. Darin stiess ich auf eine kleine, ganz beiläufige Bemerkung über das Sehen, die meine Gedanken in eine neue Richtung führen sollte. Adorno erklärt seinen Studenten, »dass von den Sinnesorganen das Auge ja eigentlich das objektivierende Organ ist, also das Organ, durch das wir am ehesten fähig sind, uns der Gegenstände in ihrer Objektivität, in ihrer Gegenständlichkeit zu versichern, so dass das Auge in gewisser Weise mit Rationalität, mit Erhellung, mit dem Prinzip der Naturbeherrschung am engsten verknüpft worden ist – im Gegensatz zum Ohr, das ja eine derartige gegenständliche Beziehung nicht eindeutig kennt; und dann vollends zu Sinnen wie dem Geschmackssinn und dem Geruchssinn.«
Das Auge ist, so konnte ich hier prägnant lesen, das Organ der Gegenstände: Es lässt die Dinge konturiert hervortreten, zeigt räumliche Gestalten, Landschaften und verschafft damit – im Gegensatz zur oft genug diffusen Sphäre der Geräusche und Gerüche – eine klare, unterteilbare Kenntnis der Welt. Wo der Sehsinn ausbleibt, da muss auch ein erheblicher Teil der konturierten, gegenständlichen Welt fehlen. Was ich von ihr, von den Gestalten der Dinge im Raum weiss, vermittelt mir vor allem der Tastsinn. Er erschliesst sich die Welt jedoch langsam, Griff um Griff. Das schnelle Schweifen über Berg und Tal, das der Blick bewerkstelligen mag, ist ihm fremd. Sein Umkreis ist die Armlänge. So entziehen sich Wolken, Sterne, Sonnenauf- und -untergänge ebenso vollständig meiner Wahrnehmung, wie die einzelnen Menschen, die im Lärm der Stadt still an mir vorüber gehen – ganz zu schweigen von deren Blicken oder einem Lächeln. Die Blindheit bewirkt, durch das Fehlen visueller Konturen, eine Entzogenheit der Welt.
Diese Entzogenheit ist jedoch nur die eine Seite. Gerade dadurch, dass mir die Umsicht über meine Umgebung nicht zugänglich ist, komme ich mit eben dieser Umgebung immer wieder auf besonders intensive Weise in Kontakt: Ich stosse an Möbel, fasse überrascht in dreckiges Geschirr, zucke aufgrund eines unerwarteten Geräuschs zusammen. Keineswegs sind die eindrücklichen Begegnungen nur schmerzlich. Gut kann ich mich noch der Freude entsinnen, die ich als Kind verspürte, wenn ich auf eine Vase mit Rosen stiess. Ich liebte es, meine Finger über die glatten, zarten Blüten gleiten zu lassen. Jedoch wohnt auch solch glücklicher Nähe zumeist die Gefahr eines unvorhergesehenen Schocks inne. Im Fall der Rosen waren es die Dornen, die mich jäh aus meinem Paradies auf Zeit vertrieben. So resultiert aus der Blindheit, neben der Entzogenheit, auch eine überwältigende Nähe der Welt; sie geht einen unerwartet an, rückt einem immer wieder eindringlich auf den Leib.
Blind zu sein bedeutet, so erschloss ich mir, eine eigenartige Schieflage, einen Widerspruch: Die Welt bleibt entzogen und ist zugleich übermässig nahe.
Dieser Widerspruch prägt die blinde Weltwahrnehmung. Darüber hinaus lässt er auch Fragen der Lebensführung nicht unberührt. Die Entzogenheit der Welt macht Pläne und feste Strukturen notwendig: Um sicher und schnell von A nach B zu gelangen, muss ich mir einen Weg möglichst genau einprägen, mir den Verlauf der Strecke und Orientierungshilfen wie Metallzäune oder Kanaldeckel merken. Die Welt kann jedoch meine schönen Pläne ganz einfach durchkreuzen, indem sie mir unerwartet auf den Leib rückt: Ein in den Weg geparktes Auto oder ein Marktstand macht die gelernte Streckenführung zunichte und führt stattdessen in die Irre. Durch solche Erfahrungen kann der blinde Mensch in einen Zustand geraten, den der französische Philosoph Albert Camus als das »Absurde« bezeichnete: das Bewusstsein, dass die planende und forschende Vernunft nie gänzlich mit der Aussenwelt übereinstimmt, dass beider Verhältnis stets ein ungereimtes bleibt.
Trotz dieser Ungereimtheit ist längst nicht jeder Plan zum Scheitern verurteilt. Auf diese Weise verhält es sich auch mit den Bemühungen um Erkenntnis. Durch den Gedanken an einen inneren Widerspruch der blinden Weltwahrnehmung, dem Widerspruch aus Entzogenheit und Nähe, habe ich eine »Lupe«, ein geistiges »Vergrösserungsglas« gefunden. Damit ist es mir möglich, meinen Zustand eingehend in den Blick zu nehmen – und dabei einige Antworten auf Fragen zu finden, die sich den anderen Menschen, wie auch mir selbst immer wieder aufdrängten.
Was ich herausgefunden habe, findet sich ausführlich in meinem Buch »Blind sein – Ein philosophischer Erfahrungsbericht«, das 2025 im XS Verlag erschienen ist.
Tobias Litterst, geboren 1987, studierte Philosophie und Musikwissenschaft in Tübingen. 2023 promovierte er zur Beziehung von Subjekt und Objekt in der Philosophie Theodor W. Adornos. Er lebt heute in Hamburg.
Buchpatenschaft
Bahn frei für Ihre Buchpatenschaft
Mit einer Buchpatenschaft von 4000 Franken übernehmen Sie die Produktionskosten eines Buchs als Hörbuch oder in Blindenschrift. Auf Wunsch werden Sie dabei namentlich erwähnt. Empfehlen Sie uns Ihr Lieblingsbuch, oder lassen Sie sich von unseren Vorschlägen inspirieren! Mit Ihrem grossen Engagement tragen Sie persönlich zur Inklusion von blinden und sehbehinderten Menschen bei.
Weitere Informationen: sbs.ch/buchpatenschaft
Haben Sie Fragen?
Ich bin gerne für Sie da.
Tashi Shitsetsang
Telefon 043 333 32 32
E-Mail spenden@sbs.ch
Diese Bücher konnte die SBS dank Patenschaften als Hör- oder Braillebuch realisieren:
Hörbuch, ermöglicht von Elisabeth Droz-Hohl
Paul Dreyfus: Schwester Emmanuelle:
Im Dienste der Müllmenschen
In einem Alter, in dem sich andere zur Ruhe setzen, hängt Schwester Marie
Emmanuelle Cinquin (1908-2008) ihr Professorinnendasein an den Nagel und
geht zu den Müllmenschen nach Kairo. Unter den Ärmsten der Armen
unternimmt die zarte Frau die Herkulesarbeit der Hoffnung.
Es liest: Daniel Buser
Hörbuch, ermöglicht von einem Spender
Florianne Koechlin: verwoben &
verflochten
Mikroben existierten bereits Milliarden Jahre vor allem anderen Leben und
»erfanden« nahezu alles, was Leben ausmacht. Sie sind mit uns auf
komplexeste Weise verwoben, zwischen Kooperation und Konkurrenz. Was
bedeuten neue Erkenntnisse für unsere Landwirtschaft und Ernährung?
Koechlins Umfrage mit zahlreichen Expertinnen und Experten ergab die
stets gleiche Antwort: Vielfalt, Bodengesundheit und lokale Kreisläufe
sind das Rezept für morgen.
Es liest: Eveline Ratering
Hörbuch, ermöglicht von einem Spender
Walter Thurnherr: Wie der Bundesrat
die Schweiz regiert, und weshalb es trotzdem funktioniert
Sieben gleichberechtigte Mitglieder, kein Machtgefälle: Der Bundesrat ist
einmalig in Europa. Der ehemalige Bundeskanzler Walter
Turnherr zeichnet nach, wie diese Regierung
»funktioniert« und weshalb die Schweiz politisch damit gar nicht
schlecht gefahren ist. Ein Buch über das Schweizer Regierungssystem, das
auf Konsens baut.
Es liest: Franz Szekeres
Hörbuch, ermöglicht von Kat Cornelis
Germana Fabiano: Mattanza
Angeführt vom Raìs, gibt die Mattanza,
der Höhepunkt des traditionellen Thunfischfangs, den Rhythmus auf der
Insel Katria vor. Doch nachdem der letzte legitime Erbe des Raìs gegen alle Erwartungen als Mädchen
geboren wird, muss Nora beweisen, dass sie auch als Frau die Traditionen
ihrer Gemeinde wahren und ihrem Grossvater nachfolgen kann.
Es liest: Vera Bommer
Braillebuch, ermöglicht von einer Spenderin
Brian Sewell: Pawlowa oder Wie man
eine Eselin um die halbe Welt schmuggelt
Mr B. dreht im nördlichen Pakistan einen Film über die
Geschichte des Landes. Doch er ist nicht zufrieden mit der Arbeit. Die
Begegnung mit einer Eselin ist Auslöser für die Trennung vom Filmteam,
das ohne ihn davonfährt, während er mit dem Eselfohlen in seine
englische Heimat laufen muss. So begeben sich Mr B. und
Pawlowa, die Eselin, auf eine lange Reise durch den Nahen Osten bis nach
Europa.
Braillebuch, ermöglicht von einer Spenderin
Robert Preis: Waldestod
Ein schonungsloser Öko-Thriller, der die dramatischen Folgen des
Klimawandels beleuchtet und dabei erschreckend realitätsnah bleibt, über
die junge Journalistin Emmi, die Zeugin von mysteriösen Vorkommnissen im
Wald wird: Unheimliche Männer in Schutzanzügen durchforsten das
Dickicht. Als der Forstaufseher ermordet wird, ist klar: Im Unterholz
lauert Böses, und nicht nur Emmi läuft die Zeit davon.
5 Fragen an die Buchpatinnen des Frauenvereins Berg-Küsnacht
Der 1860 gegründete Frauenverein Berg-Küsnacht engagiert sich seit fast 100 Jahren für Menschen und Organisationen, die auf Unterstützung angewiesen sind. Kürzlich durfte sich auch die SBS über eine solche Unterstützung freuen, und zwar in Form einer Buchpatenschaft.
Es ist nicht alltäglich, dass uns ein Verein mit einer Buchpatenschaft unterstützt. Wie kam Ihr Verein auf die Idee, sich für die SBS zu engagieren?
Wir sind ein gemeinnütziger Frauenverein. Wir spenden jedes Jahr unsere Einkünfte aus Kaffee- und Kuchenverkäufen an verschiedene Empfänger. Unsere Vorstandsmitglieder bringen jeweils Vorschläge ein, die wir untereinander diskutieren. Zwei Mitglieder haben die SBS schon vorher privat unterstützt und im dialog die Möglichkeit einer Buchpatenschaft entdeckt.
Warum eine Buchpatenschaft?
Diese Idee war nicht ganz uneigennützig: Wir lasen, dass der Spender im Buch erwähnt wird. Irgendwie gefiel uns der Gedanke, dass der Name unseres kleinen Frauenvereins mit 91 Mitgliedern in fremde Wohnzimmer getragen wird. Zudem finden wir es einfach schön, wenn wir mit unserer Spende Menschen, die von einer Sehbehinderung betroffen sind, eine Freude bereiten können.
Weshalb haben Sie sich für die Biografie über Marco Odermatt »Meine Welt« entschieden?
Die Bibliothekarinnen und Bibliothekare der SBS haben uns die neue Biografie über Marco Odermatt als Paten-Hörbuch empfohlen. Marco Odermatt, DER Überflieger! Wir waren alle sofort Feuer und Flamme.
Was bedeutet Ihnen persönlich die Inklusion und Teilhabe blinder und sehbehinderter Menschen?
Lesen ist für viele von uns Sehenden die normalste Sache der Welt, für blinde und sehbehinderte Menschen jedoch eine grosse Herausforderung. Daher ist es wunderbar, dass es eine Spezialbibliothek gibt, die ihr Angebot laufend ausbaut und Betroffenen ermöglicht, »dabei zu sein«. Schön, dass unser Verein auch etwas dazu beitragen kann.
Welchen Ratschlag haben Sie für Leserinnen und Leser, die sich überlegen, mit ihrem Verein die SBS zu unterstützen?
Jedes Hörbuch erhellt die dunkle Welt blinder und sehbehinderter Personen und ermöglicht ein kleines Stück Selbständigkeit. Wir sind nach wie vor begeistert von dieser Idee. Lassen auch Sie sich das nicht entgehen!
Herzlichen Dank!
Tashi Shitsetsang
Who's who
Markus Gerber – Präsident des Verwaltungsrates
Deine Aufgabe in der SBS?
Gemeinsam mit Verwaltungsrat und Geschäftsleitung fokussiere ich auf die innovative strategische Weiterentwicklung der SBS AG.
Deine Motivation, für die SBS zu arbeiten?
Menschen stärken, Sinn stiften, gesellschaftliche Wirkung entfalten.
Welche Eigenschaften schätzt du bei deinen Kolleginnen und Kollegen am meisten?
Teamspirit, Innovationskraft und Polyvalenz.
Und welches sind deine wichtigsten Eigenschaften?
Mit Ruhe Orientierung schaffen und Wertschätzung leben.
Brauchst du Bücher, um glücklich zu sein?
Nein – aber ich brauche das Lesen, um zu lernen.
In welcher Form geniesst du Literatur?
Mangels Zeit liebe ich Abstracts. Meine buchaffine Ehepartnerin erzählt mir oft von ihren Lektüren – un grand merci.
Welches Buch hat dich besonders geprägt und warum?
»Die Macht des Unterbewusstseins« von Dr. Joseph Murphy – ein impulsgebendes Geschenk meines Vaters für positive Haltung.
Welches Buch hast du zuletzt gelesen und warum?
»Der Pinguin meines Lebens« von Tom Michell – handelnd auf dem Kontinent meiner Reiseträume.
Welches Buch würdest du selbst gerne schreiben?
Ein Buch über Innovation – inspiriert durch mein Domizil im Switzerland Innovation Park Biel/Bienne.
Du kannst uns drei Bücher ans Herz legen:
»Der Geschmack von Freiheit« und »Der Duft von Glück« von Ladina Bordoli (im Angebot der SBS); »Unternehmerische Führung und Kultur in Non-Profit-Organisationen« von Philipp Erpf und Markus Gmür.
Deine Lieblingsbeschäftigung neben der Literatur?
Familienzeit und Zeit in der Natur.
Dein liebstes Reiseziel?
Südamerika – mein grösster, noch unerfüllter Reisewunsch.
Dein nächstes Ziel in der SBS?
Die erfolgreiche Transition der Geschäftsführung von Flavia Kippele zu Nicole Brändle Schlegel. Besten Dank an Flavia und viel Erfolg für Nicole!
Dein Lebensmotto?
Lebenslanges Lernen.
Kurzbiographie in 4 Sätzen:
In Langnau geboren, aufgewachsen in einer grossen, drei Generationen umfassenden Bauernfamilie im Oberemmental. Kaufmännische Grundausbildung, Betriebswirtschaftsstudium, Sprachaufenthalt in London. Danach habe ich Führungsfunktionen mit Gesamtverantwortung in Industrie, Verwaltung und für Non-Profit-Organisationen übernommen. Meine Ehepartnerin und ich sind Eltern von drei erwachsenen Söhnen. Die Familie ist unser Hafen und das Berner Seeland unsere Wahlheimat.
E-Mail: markus.gerber@swissnpo.ch
LinkedIn Profil: Markus Gerber, Ehrenpräsident PluSport
SBS-Audiobuch
Donna Leon – Ein Leben in Geschichten
Anfang November 2026 wird die SBS ein neues Audiobuch veröffentlichen, diesmal mit Texten von Donna Leon.
Donna Leon wurde 1942 in New Jersey, USA, geboren. Nach vielen Jahren in Venedig lebt sie nun seit fast zwanzig Jahren im Val Müstair. Seit 2020 ist sie auch Schweizer Staatsbürgerin. Weltberühmt machten sie ihre Brunetti-Romane.
Auf dem neuen SBS-Audiobuch finden Sie eine Auswahl an Kurzgeschichten aus Donna Leons Buch »Ein Leben in Geschichten«. Auf sehr persönliche Art berichtet sie darin über ihre Kindheit, ihre beruflichen Stationen, ihr Leben in Venedig und über ihre Erlebnisse in der Schweiz.
Mit unserem neuen Audiobuch erfahren Sie, wie traumatisch der erste Schultag für Donna Leon war, wie Venedig unter den Kreuzfahrtschiffen leidet oder wie der Gotthardtunnel Donna Leon auf kriminelle Gedanken bringt.
Jedes Jahr verschickt die SBS ein Hörbuch an die Spenderinnen und Spender. Möchten Sie eine der früheren CDs bestellen, gerne verbunden mit einer kleinen Spende?
- 2015 Franz Hohler: Weihnachtsgeschichten
- 2016 Charles Lewinsky: Der Teufel in der Weihnachtsnacht
- 2017 Federica de Cesco: Weihnacht im Flughafen
- 2018 Arno Camenisch: Kurzgeschichten
- 2019 Katja Früh: Geschichten aus dem Alltag
- 2020 Christine Brand: Tod am Napf
- 2021 Blanca Imboden: Kurzgeschichten
- 2022 Sunil Mann: Kurzgeschichten
- 2023 Martin Suter: Kurzgeschichten
- 2024 Petra Ivanov: Kurzgeschichten
- 2025 Simone Meier: Kurzgeschichten
Diese und weitere CDs finden Sie unter den Stichworten »Audiobücher« oder »Weihnachts-CDs« unter: sbs.ch/spenden-unterstuetzen/geschenkideen
Viel Vergnügen beim Hören, und herzlichen Dank für Ihre Unterstützung!
Impressum
dialog Nr. 49 Oktober 2026
dialog – das Magazin der SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte
Redaktionsleitung und Produktion: Martin Orgler, sbs.ch
Textredaktion und Beratung:
trieloff kommunikation, trieloff.ch
Grafik Design und Layout/Illustrationen: JoosWolfangel,
jooswolfangel.ch
Titelbild und weitere Fotos: Matthias Auer, auerfoto.ch;
Foto
Tobias Litterst: Stephanie Opitz
© SBS 2026
Verlag: SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und
Lesebehinderte
Grubenstrasse 12,
CH-8045 Zürich,
Telefon +41 43 333 32 32
E-Mail: spenden@sbs.ch
Spendenkonto: CH74 0900 0000 8000 1514 1
Der dialog ist auch in Formaten für blinde, seh- und lesebehinderte Menschen verfügbar. Auskunft über Telefon +41 43 333 32 32 oder nutzerservice@sbs.ch
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Wir sind gerne für Sie da.
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- +41 43 333 32 32
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- 08.00 – 12.15 und 13.15 – 17.00