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dialog Nr. 33 Oktober 2018

Blinde sind Leuchttürme für andere Menschen
Interview. Lukas Hendry, Religionslehrer und pastoraler Mitarbeiter, erzählt aus seinem bewegten Leben.

Nachhaltig wirken. Die SBS erhält immer wieder Legate von Menschen, die mit ihrem letzten Willen nachhaltig wirken wollen.

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

Geschafft! Ich habe mich durch die »Jahrhundertsaga-Trilogie« von Ken Follett hindurchgelesen. Schon die Titel der drei Bände: »Sturz der Titanen«, »Winter der Welt« und »Kinder der Freiheit« haben Erwartungen und Sehnsüchte geweckt. Und es ist mir nicht zu viel versprochen worden. Selten habe ich Geschichte so hautnah erlebt wie bei der Lektüre dieser 3268 Buchseiten.

Monatelang habe ich mich in meiner knappen Freizeit immer wieder von allen und allem abgeschirmt, um ein paar Minuten ungestört in die Vergangenheit abzutauchen. Mit grösster Spannung habe ich das Schicksal der ungleichen Familien in England, Deutschland, Russland und den USA verfolgt. Erstmals habe ich historische Zusammenhänge verstehen können. Was die grossen Ereignisse dieser Zeit für den Alltag der einfachen Leute bedeutet haben, konnte ich jetzt erst richtig nachvollziehen.

Doch halt! Wissen Sie überhaupt, wovon ich hier erzähle? Haben Sie die Bücher schon gelesen? Wenn nicht, empfehle ich Ihnen, sofort in die nächste Buchhandlung zu eilen und die Bücher zu kaufen. Nichts einfacher als das!

Ausser Sie sind blind, dann kann Ihnen die Buchhandlung auch nicht weiterhelfen. Anders die SBS. Wir haben die Trilogie als navigierbares Hörbuch aufgesprochen – mit einer Gesamthörzeit von 117 Stunden. Stellen Sie sich vor, jemand müsste Ihnen diese Bücher vorlesen; das würde fast drei Arbeitswochen dauern!

Aus dem zweiten Band »Winter der Welt« wurden durch die Umsetzung in Braille-Kurzschrift 16 Bände mit 2037 Seiten. Das ergibt eine grosse, fast 16 kg schwere Postlieferung. Unsere Kundinnen und Kunden erhalten diese wie immer gratis und franko nach Hause geliefert!

Das zeigt, wie sich die SBS täglich dafür einsetzt, dass sich auch Menschen mit Seh- oder Lesebehinderung in spannende, tiefgründige, aufklärende, aufwühlende oder erheiternde Lektüre vertiefen dürfen. Und ihre Begeisterung über das Gelesene dann mit anderen teilen können.

Ken Follett gehört auch zu den Lieblingsautoren von Lukas Hendry, der uns im Interview auf Seite 4 von seinem Alltag als Religionslehrer und Pastoralassistent erzählt. Ausserdem hat die SBS neu auch Bücher im Sortiment, mit denen blinde und sehende Menschen gemeinsam lesen können, beispielsweise Eltern mit ihren Kindern. Auch dazu mehr in dieser Ausgabe des »dialog«.

Ich wünsche Ihnen viel Zeit und Ruhe zum Lesen und Abtauchen. Danke, dass Sie diese schöne Erfahrung auch seh- und lesebehinderten Menschen ermöglichen!

Herzlich,
Daniel Kunz, stv. Geschäftsführer SBS

PS: Werden Sie Buchpate oder Buchpatin! Unterstützen Sie die Produktion eines Ihrer Lieblingsbücher als Hörbuch oder in Brailleschrift – mehr dazu auf Seite ...

Interview

IM DIALOG MIT Lukas Hendry

Lukas Hendry (40) lädt mich zum persönlichen Gespräch nach Murten in die Pfarrei ein. Das mittelalterliche Städtchen überrascht mit seiner schlichten Schönheit. Ich bestaune die unzähligen Blumenbeete, die sich entlang des Stadtgrabens auffächern. Lukas Hendry erblindete im Alter von dreiundzwanzig Jahren aufgrund einer genetischen Augenkrankheit. In seinem Büro brennt nur eine Kerze – meine Augen gewöhnen sich rasch an das sanfte Licht.

Sie arbeiten als Religionslehrer in einer Primarschule und als pastoraler Mitarbeiter in der Pfarrei Murten. Was gefällt Ihnen an Ihrer Tätigkeit?

Mir gefällt besonders die Abwechslung und die Flexibilität. Ich habe meine Pflichten, aber ich habe auch die Möglichkeit, neue Projekte zu entwickeln. Die Unterrichtszeiten sind fix, die übrige Zeit kann ich mir relativ frei einteilen. Ich könnte auch manchmal zuhause arbeiten, aber das mache ich eher nicht – bei uns ist immer ein Riesenbetrieb im Haus. In der Pfarrei bin ich ausserdem näher an den Menschen. Ich bin da, wenn jemand an unserer Tür läutet und Hilfe braucht.

Wie kamen Sie auf die Idee, Lehrer zu werden?

Der Wunsch, Lehrer zu werden, begleitete mich schon länger. Nachdem ich erblindete, hoffte ich noch immer, Lehrer werden zu können. Andererseits dachte ich mir, dass es vielleicht nicht mehr möglich sei und ich mich nun umorientieren müsse. Diese Gedanken liessen mich nicht los. Bei der IV-Stelle in Zürich ermutigte man mich, meinen Berufswunsch weiterzuverfolgen. Ich bin der Pädagogischen Hochschule Freiburg dankbar, dass sie dieses Experiment mit mir gewagt hat. Während des Aufnahmejahres musste ich alles neu erlernen und mir neue Methoden aneignen.

Sie mussten selbst kreativ werden. Haben Sie ein Beispiel für uns?

Wenn ein Kind im Unterricht die Hand aufstreckt, kann ich das nicht sehen. Ich überlegte dann gemeinsam mit einer Schulklasse, wie wir das handhaben können. Ein Schüler hatte die Idee, dass doch einer der Mitschüler das jeweilige Kind aufrufen kann. Diese Methode hat sich bis heute bewährt.

Was reizt Sie an der Arbeit mit Menschen?

Mir gefällt es, Menschen anzuleiten, sie auf etwas aufmerksam zu machen, Wissen an andere weiterzugeben. Und ich möchte für die Menschen da sein. Ich habe mich schon immer für andere eingesetzt. Wenn jemand mit Sorgen zu mir kommt, möchte ich helfen. Ich würde gerne alle Probleme aus der Welt schaffen, wenn ich könnte.

Welche Herausforderungen erleben Sie in Ihrem Beruf?

Beruflich ist es leider so, dass ich nicht jedem helfen kann. Das Thema Kirche ist nicht mehr so zentral, wie es früher einmal war. Momentan findet ein Umbruch statt. Der Priestermangel ist bereits absehbar. In der katholischen Kirche werden alle Ämter nur von Männern bekleidet. In der heutigen Zeit wäre eine Öffnung der kirchlichen Ämter für Frauen wünschenswert. Im Unterricht stellen mich – aufgrund meiner Blindheit – insbesondere disziplinarische Massnahmen vor Herausforderungen. Manchmal müsste ich den Kindern nachrennen, um sie auf ihrem Stuhl in der Klasse zu platzieren. Ich habe eine Person, die mir im Unterricht assistiert. Es muss aber ein Gleichgewicht geben, denn es ist nicht in Ordnung, alle disziplinarischen Massnahmen der Assistenzperson zu überlassen. Bei einem Ausflug ist es mir nicht möglich, die Kinder und ihr Spiel zu beobachten. Ich nehme das Geschehen akustisch wahr. Aber mir fehlt in solchen Situationen das Visuelle. Ob beispielsweise jemand traurig ist, registriere ich erst, wenn ich mit dieser Person spreche.

Wann sind Sie erblindet?

Ich habe eine genetisch bedingte Augenkrankheit, das Rieger-Syndrom. Davon sind vor allem die Augen betroffen. Damit gehen aber auch leichte körperliche Deformationen einher. Meine Ehefrau und ich liessen abklären, wie gross die Chance ist, dass unsere Kinder ebenfalls erkranken. Mein Hauptproblem war der Augeninnendruck. Durch die vielen Operationen, die nötig wurden, erblindete ich schliesslich. 2002 habe ich den Blindenstock bekommen, mit dreiundzwanzig Jahren. Das Erblinden war Gott sei Dank ein schleichender Prozess. Irgendwann hiess es, du musst jetzt einen Blindenstock verwenden und die Brailleschrift lernen. Das war kein Schock für mich, im Gegenteil – eher eine Erleichterung. Als ich noch keinen Stock hatte, war es oft schwierig, weil ich andere Leute anrempelte und sie mir zuriefen: »Kannst du nicht schauen, wo du hingehst!«. Den Menschen auf der Strasse war eben nicht bewusst, wie schlecht meine Sehkraft bereits war. Man sagte mir, dass ich rund eineinhalb Jahre brauchen werde, um die Brailleschrift zu lernen und das Gehen mit dem Stock zu trainieren. Ich beschloss für mich, dass es schneller gehen muss und eignete mir beides in einem halben Jahr an.

Sie haben sich gleich mit Begeisterung in die neuen Aufgaben gestürzt.

Das Nachdenken über die Veränderungen in meinem Leben kam erst später. Ich habe bemerkt, was ich vermisse, was viel schwieriger ist und auch was gar nicht mehr möglich ist. Das ist bis heute noch so. Manchmal überlege ich, was ich noch besorgen oder unternehmen möchte, gehe aus dem Haus und stelle fest: Lukas, du bist blind, so einfach geht das nicht! Bei der Vorbereitung von etwas denke ich oft visuell, aber ausführen muss ich es dann blind. Es ist mir noch nicht hundertprozentig bewusst, dass ich blind bin.

Oft werde ich gefragt, ob ich gerne wieder sehen würde. Ein Teil von mir würde schon gerne wieder sehen: Dann könnte ich meine Kinder und meine Frau sehen oder die Naturereignisse visuell wahrnehmen. Allerdings denke ich, dass für unsere Gesellschaft eine Medizin, die alle Behinderungen eliminieren kann, nicht wünschenswert ist. Wir Blinde haben andere Qualitäten. Wir zeigen, dass vieles möglich ist, selbst wenn einem etwas fehlt.

Sie nahmen sehr erfolgreich an mehreren Wettkämpfen im Behindertensport teil. Sie waren sogar bei zwei Paralympics dabei. Sind Sie im Behindertensport immer noch aktiv?

Ich bin mittlerweile nicht mehr so aktiv dabei wie damals. Momentan versuche ich meine Fitness zu halten. Mit dem Behindertensport habe ich insofern noch zu tun, als ich für den Dachverband (PluSport) im Assistenzmodul die Strukturen im Spitzensport erkläre und ein praktisches Modul unterrichte. Ich zeige beispielsweise, wie Weitsprung funktioniert, wie man jemandem beim Sport führt, was es bedeutet, etwas neu erlernen zu müssen.

Ihre Disziplinen waren Weitsprung und Sprint. Welche schönen Erinnerungen haben Sie an diese Zeit?

Ich habe noch sehr viele lebendige und bleibende Erinnerungen. Bei den Paralympics dabei zu sein, war sicher ein besonderes Ereignis. Ich lernte andere Länder und andere Kulturen kennen. Der Austausch mit den anderen Sportlern bedeutete mir sehr viel. Im Wettkampf waren wir natürlich Konkurrenten, aber gleichzeitig bildeten sich auch Freundschaften.

Wann beschlossen Sie, mit dem Behindertensport aufzuhören?

2012 musste ich den Spitzensport beenden. Ich war in der Vorbereitung für die Paralympics in London. Zunächst lief es gut. Dann aber musste ich aufgrund einer Entzündung im Fussgelenk auf die Teilnahme an der Qualifikation verzichten. Meine »Guides«, also Begleiter, hatten auch nicht mehr so viel Zeit, sie waren insgesamt acht Jahre mit mir unterwegs.

Ist Sport dennoch weiterhin ein wichtiger Bestandteil in Ihrem Leben?

Ich habe noch den Schlüssel zum Kraftraum, aber der hat mich schon länger nicht mehr gesehen. Mit den vier Kindern und dem Beruf ist es schwierig. Ich bin jetzt eher auf der Betreuerseite. Unsere älteste Tochter Seraina betreibt Leichtathletik und Geräteturnen. Unser Sohn Andrin spielt Fussball. Die Kleinen, Flurina und Niculin, rücken langsam nach.

Hatten Sie schon immer einen Kinderwunsch?

Ja! Mit vier Kindern habe ich aber nicht unbedingt gerechnet. Nach dem dritten Kind wollten wir das Quartett voll machen, wir haben zwei Mädchen und zwei Jungs.

Wie haben Ihre Kinder bemerkt, dass Sie blind sind?

Seraina bemerkte es lange Zeit nicht. Mit ungefähr vier Jahren fragte sie uns, warum der Papi ihrer Freundin Auto fährt. Sie war irritiert, da für sie normalerweise nur Mamis das Auto steuern. Vorher stellte sich die Frage nicht, da ich ihr wie selbstverständlich aus Kinderbüchern vorlas. Entweder kannte ich die Geschichte auswendig. Oder ich liess mir die Bilder beschreiben und erfand eine dazu passende Geschichte. Einmal gab Seraina dasselbe Buch meiner Frau zum Vorlesen – und befand danach: »Mami, du erzählst das nicht richtig!«. Sie dachte einfach, dass meine Version die richtige sei.

Was hilft Ihnen in schwierigen Zeiten?

Der Glaube hilft mir. Als ich erblindete, stellte ich mir die Existenzfrage: Warum bin ich jetzt blind? Warum passiert es ausgerechnet mir? Zwei Sätze begleiten mich seither. Einer stammt aus einer Predigt, er lautet folgendermassen: »Wenn wir das Leben in Gottes Hände legen, können wir darauf vertrauen, dass alles gut wird, dass es eine Lösung gibt.« Und der andere Satz: »Wenn etwas Trauriges passiert, muss es einen Grund haben.« Es muss einen Grund geben, warum ich blind geworden bin. Wahrscheinlich ist es eine Aufgabe für mich. Vielleicht braucht es genauso einen positiven Menschen wie mich in der Blindenszene. Sehende Menschen denken oft, dass es grässlich sein muss, blind zu sein. Wir blinde Menschen, die positiv denken und die Herausforderungen im Leben annehmen, sind in gewisser Weise Leuchttürme.

Kommen sehr gläubige Menschen zu Ihnen oder führen Sie die Menschen zum Glauben hin?

Beides ist der Fall. Für die Arbeit ist sicherlich meine offene Art sehr wichtig. Manche denken auch, dass ich als blinder Mensch eine Art »sechsten Sinn« besitze. Das sehe ich nicht so. Ich denke, dass sehende Menschen auch gewisse Fähigkeiten entwickeln können. Ich nehme beispielsweise Stimmungen stark wahr. Das liegt aber auch daran, dass ich visuell nicht abgelenkt werde.

Was macht Sie glücklich?

Ich mag die Stimmung am Morgen, wenn die Vögel zwitschern. Ich mag die Gerüche – besonders im Frühling, wenn man das Heu riecht. Und natürlich macht mich meine Familie glücklich. Wenn ich heimkomme, werde ich gleich an der Haustür von den Kindern überrannt, die mir von ihrem Tag erzählen wollen.

Welche Hilfsmittel verwenden Sie im Alltag?

Der Computer und das iPhone sind die wichtigsten Hilfsmittel für mich. Im Büro habe ich einen Scanner und einen Brailledrucker. Mit diesem drucke ich Gottesdienstabläufe, Predigten oder Liedtexte aus. Ich benötige die Texte allerdings eher als Gedankenstütze. Ich kann leider nicht direkt vom Blatt lesen, das würde zu lange dauern. Manchmal berührt es die Menschen sogar stärker, wenn ich auf einen besonderen Moment reagiere und nicht einen vorbereiteten Text rezitiere.

Bevorzugen Sie Bücher in Brailleschrift oder Hörbücher?

Ich bin eher der auditive Typ und verschlinge viele Hörbücher. Zur Entspannung höre ich gerne Geister- und Gruselgeschichten. Einer meiner Lieblingsautoren ist Jason Dark mit seiner Geisterjägerserie »John Sinclair«. Ich verwende die SBS-App und lade mir die Hörbücher direkt herunter. Auf meine Anregung hin wurden Bücher des Schweizer Autors Jean-Pascal Ansermoz als Hörbücher vertont.

Was schätzen Sie am Angebot der SBS?

Ich finde es grossartig, dass es auch Bücher in anderen Sprachen gibt. Das Angebot der SBS ist sehr vielseitig. Ich habe auch schon Filme und taktile Spiele für meine Kinder ausgeliehen.

Haben Sie noch einen Buchtipp für unsere Leserinnen und Leser?

»Das Sakrileg« von Dan Brown und »Die Pfeiler der Macht« von Ken Follett.

Herzlichen Dank für den Einblick in Ihren Alltag!
Sabrina Nepozitek

SBS Legate

Ein Legat für die SBS – Nachhaltig wirken

In der Schweiz werden Jahr für Jahr grössere Summen vererbt. Schätzungen gehen von hohen Summen von weit über 40 Milliarden Franken aus. Auch die SBS erhält immer wieder Legate von Menschen, die mit ihrem letzten Willen nachhaltig wirken wollen.

Während hier in der Schweiz gewöhnlich nicht über Geld oder über wohltätige Aktivitäten gesprochen wird, gibt es im angelsächsischen Raum diesbezüglich eine komplett andere Kultur. In amerikanischen oder auch britischen Kulturkreisen ist es gang und gäbe, sich aktiv und in aller Öffentlichkeit für gemeinnützige Zwecke einzusetzen. Dazu gehört es auch, Geld zu sammeln, sei es im persönlichen Gespräch mit Bekannten oder Nachbarn oder durch die Unterstützung von sogenannten Charity-Anlässen wie zum Beispiel Benefizkonzerten oder anderen Veranstaltungen.

Gutes tun und nicht darüber reden?

Lassen die Spenderinnen und Spender in anderen Ländern ihre Zuwendungen mit goldenen Schildern an Türeingängen für die Ewigkeit festhalten, passiert es hierzulande, dass in Basel ein ganzer Theatersaal finanziert wird, ohne dass irgendjemand die Namen der überaus grosszügigen Gönnerinnen und Gönner erfährt. Wir sind der Meinung, dass jeder auf seine Weise wirken soll. Ob man darüber spricht oder lieber schweigt, bleibt der einzelnen Person überlassen.

Schwierige Themen angehen

Und trotzdem glauben wir, dass man auch über schwierige Themen sprechen darf und soll. Gerade wenn es um die Planung des Nachlasses geht. Keinem von uns fällt es leicht, über das eigene Ableben nachzudenken und erst recht, im Einzelnen festzuhalten, was mit dem Nachlass geschehen soll. Wem möchte ich persönliche Gegenstände hinterlassen, wen mit meinem Erbe finanziell unterstützen?

Wir sind der festen Überzeugung, dass es sich lohnen kann, solche und andere Fragen frühzeitig zu stellen und wichtige Angelegenheiten selbstbestimmt zu regeln. Dazu gehört der letzte Wille. Damit dieser eingehalten werden kann, braucht es ein Testament.

Nachlass rechtzeitig planen

Ob man dies alles im Stillen vorbereitet oder ob man es seinen Liebsten oder anderen Vertrauenspersonen ankündigen will, hängt sicher auch von der persönlichen Situation ab. Im Zentrum bleibt aber der Wunsch, dass der letzte Wille einer Person respektiert wird. Dies kann vor allem ein handschriftliches Testament gewährleisten, das klar regelt, wie ein Nachlass gehandhabt werden soll.

Neue Wege der Unterstützung

Es rührt uns immer sehr, wenn die SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte in einem Testament berücksichtigt wird. Oft werden uns kleinere oder grössere Geldbeträge vermacht, es können aber auch Zuwendungen in anderer Form sein. Für uns ist diese Geste ein Zeichen, dass unsere Arbeit geschätzt wird und weitergehen muss, und dass unsere Spenderinnen und Spender auch längerfristig an uns denken.

Ratgeber mit praktischen Tipps

Als Service für unsere Spenderinnen und Spender haben wir nun einen Ratgeber zum Thema Nachlass verfasst, der erklärt, wie man am Besten vorgeht. Eine solche Broschüre kann nicht alle komplexen Situationen abdecken, oft braucht es weitere Abklärungen. Wenn Sie sich mit dem Gedanken auseinandersetzen, die SBS in Ihrem Testament zu berücksichtigen, können Sie sich gerne jederzeit vertraulich an uns wenden. Oftmals lohnt es sich auch, einen Treuhänder oder eine Notarin beizuziehen. Die SBS kann Ihnen hierzu gerne vertrauenswürdige Kontakte vermitteln.

Die SBS unternimmt in der nächsten Zeit weitere Schritte, um über das schwierige Thema aufzuklären. Geplant ist unter anderem ein Informationsanlass zum Thema Nachlass, der zeigt, wie ein Testament verfasst wird und worauf es zu achten gilt.

Die SBS ist auch Mitglied des Vereins MyHappyEnd. Auf der Website myhappyend.ch finden Sie weitere nützliche Informationen rund um das Thema Erbschaften. Als von der Zewo anerkanntes Hilfswerk garantiert die SBS eine sorgfältige und zweckbestimmte Verwendung aller Zuwendungen, vor allem auch der Legate.

Daniel Kunz, stv. Geschäftsführer

Was ist ein Legat?

Es gibt verschiedene Formen, die SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte zu unterstützen. Neben direkten Geldspenden ist das Legat eine beliebte Form der Zuwendung, da sie längerfristig und nachhaltig wirkt. Ein Legat ist ein Geldbetrag oder ein bestimmter Gegenstand, den eine Person in ihrem Testament einer gemeinnützigen Organisation vermacht. Die Spende erfolgt also nicht zu Lebzeiten, sondern wird aus dem hinterlassenen Erbe gemäss den Angaben im Testament verrichtet. Ein Testament kann jederzeit geändert werden, da es seine Wirkung erst nach dem Ableben entfaltet.

Wichtige Informationen zum Thema Nachlass

»Die Welt mit anderen Augen sehen« Ein Ratgeber zum Thema Nachlass

Auf knapp 20 Seiten geht der neue SBS-Ratgeber zum Thema Nachlass auf grundsätzlich schwierige Themen ein: Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Ableben und damit auch mit der Frage, was man hinterlässt.

In einfühlsamer Sprache verfasst, erklärt der Ratgeber, was ein Testament enthalten muss und weshalb es so wichtig ist, rechtzeitig ein solches Dokument zu verfassen. Neben nützlichen praktischen Tipps rund um das Testament wird auch erläutert, wie mit einem Legat einer gemeinnützigen Organisation geholfen werden kann.

Den neuen Ratgeber zum Thema Nachlass können Sie kostenlos bestellen per E-Mail an spenden@sbs.ch.

Print & Braille

Lesespass für Finger und Augen

Diana Kraner und ihr kleiner Sohn lesen gern die Print & Braille-Bücher aus dem Sortiment der SBS. Diana Kraner ist blind, ihr Sohn kann sehen – beide lieben Bücher.

Tastbilderbücher, bunte Bilderbücher mit Bildbeschreibungen in Brailleschrift, lustige Klipp-Klapp-Bücher in Braille- und Schwarzschrift: Die SBS bietet viel Stoff für gemeinsame Lesestunden. Wir wollten von unserer Kundin Diana Kraner wissen, was ihr an unseren Büchern besonders gefällt.

Diana Kraner, Sie haben ganz unterschiedliche Bücher ausgeliehen, zum Beispiel Tastbilderbücher wie »Die kleine Raupe Nimmersatt«, aber auch Klipp-Klapp-Bücher wie »Mein Schatz hat rosa Wackelohren«. Warum haben Sie gerade diese Bücher ausgeliehen?

Ich habe die Bücher ausgeliehen, um sie meinem Sohn vorzulesen. Ich selber lese sehr gern und es ist mir wichtig, auch mit meinem sehenden Sohn Bücher gemeinsam erleben zu können.

Was hat Ihnen an den Büchern besonders gefallen? Haben Sie vielleicht sogar ein Lieblingskinderbuch?

»Die kleine Raupe Nimmersatt« hat mir schon von der Aufmachung her sehr gut gefallen. Das Buch hat viele Details und auch sehende Kinder können sich dafür begeistern, die Bücher zu befühlen. Ich habe das Buch auch mit anderen Kindern »angeschaut«, auch sie fanden es toll. Es ist schön, wie Kinder so den Werdegang einer Raupe spielerisch mitverfolgen können.

Das Klipp-Klapp-Buch war auch gut, aber ganz anders. Die Reime gefielen uns und die versteckten Bilder aufzuklappen, hat natürlich meinem Sohn viel Spass gemacht. Vor allem, als er dann wusste, was sich dahinter verbirgt.

Ich habe kein spezielles Lieblingskinderbuch. Ich mochte und mag die Kinderbücher von Michael Ende. »Momo« blieb mir lange im Kopf. Oder auch Bücher von Astrid Lindgren wie die »Michel«-Bücherreihe oder »Pipi Langstrumpf«.

Würden Sie sich mehr solche Bücher in unserem Ausleihangebot wünschen?

Auf jeden Fall, ein ganz grosses JA.

Haben Sie Anregungen für neue Titel?

Ich finde es immer schön, wenn es neue Bücher für Kinder gibt, vor allem zum Vorlesen. Einer meiner Favoriten wäre zum Beispiel »Peterchens Mondfahrt«. Den »Grüffelo« gibt es ja schon. Davon wäre eine Version mit Bildern aber sicher auch spannend.

Sicher lesen Sie nicht nur Kinderbücher. Verraten Sie uns, was Sie sonst gerne lesen – und in welchem Format?

Ich lese am liebsten Bücher in Braille und höre auch gerne Hörbücher.

Gerade habe ich von John Green »Das Schicksal ist ein mieser Verräter« gelesen. Dieses Buch hat mich sehr berührt.

Auf jeden Fall bin ich sehr froh, dass es die SBS gibt, die mich mit reichlich Lesestoff versorgt.

Liebe Frau Kraner, herzlichen Dank für das Interview!

Henrike Strehler

Buchpatenschaft

Bücher – Begleiter durchs ganze Leben

Gibt es ein Buch, das Ihnen besonders am Herzen liegt? Von dem Sie glauben, dass es andere Menschen auch beglücken kann? Bücher sind wie treue Freunde, sie begleiten uns ein Leben lang. Sie spenden Trost und geben uns Kraft in schwierigen Zeiten. Sie bringen uns zum Lachen und zum Nachdenken – und manchmal auch zum Weinen. Beim Lesen entfaltet sich ein einzigartiger Zauber: Wir treten in einen Dialog mit der Autorin, dem Autor und tauchen in eine andere Gedankenwelt ein.

Mit einer Buchpatenschaft ermöglichen Sie blinden und sehbehinderten Menschen an diesem Dialog teilzuhaben. Wir übertragen Ihr Wunschbuch in die Brailleschrift oder nehmen es als Hörbuch auf.

Gerne werden Buchpatenschaften in Erinnerung an einen geliebten Menschen übernommen. Eine Buchpatin erzählte uns von ihrer Mutter, die im hohen Alter von neunzig Jahren verstarb und zeitlebens eine grosse Leserin gewesen war. Sie wünschte sich ein Patenbuch zum Muttertag, um anderen Menschen eine Freude zu bereiten. Die Buchpatinnen und -paten dürfen jeweils selbst entscheiden, ob sie im Vorspann ihres Patenbuchs persönlich genannt werden möchten oder nicht.

Möchten auch Sie eine Buchpatenschaft der SBS übernehmen oder unverbindlich mehr darüber erfahren? Dann nehmen Sie doch mit uns Kontakt auf.

Eine Patenschaft für ein Buch beträgt 4000 CHF. Auf den folgenden Seiten finden Sie einige neue Buchtitel, welche im Moment noch ohne Patin, ohne Paten sind.

Ich freue mich, von Ihnen zu hören!

Ines Meili, Mittelbeschaffung SBS Tel. 043 333 32 32, spenden@sbs.ch

Vorschläge für Ihre Buchpatenschaft als Hörbücher

Hanns Heinz Ewers: Lustmord einer Schildkröte

Seine Schilderungen menschlicher Abgründe verstörten Zeitgenossen, bis hin z u Ohnmachtsanfällen. Hanns Heinz Ewers gehörte zwischen 1900 und 1930 zu den schillerndsten Literaten i n Deutschland. Er war ein skandalumwitterter Bestsellerautor, sein Roman »Alraune« wurde zu seinen Lebzeiten eine halbe Million Mal verkauft. Er liess sich von den Nazis vereinnahmen, seine Bücher wurden von ihnen aber auch verbrannt. Neben seinem literarischen Werk, das in mehr als 20 Sprachen übersetzt wurde, machte sich Ewers einen Namen als Filmpionier. Würde man politische Unkorrektheit als Massstab anlegen, dann wäre Ewers spitze. Als Bürgerschreck versuchte er, mit seinen Texten die moralische Basis und das ästhetische Empfinden seiner Leserschaft zu erschüttern. Der »deutsche Edgar Allan Poe« schreckte in seinen Büchern vor nichts zurück: Voodoo-Kult, Kannibalismus, Drogenexzesse, degenerierte Adlige, rachsüchtige Halbseidene.

Nazi-Ideologien oder Blut- und Boden-Romantik findet man jedoch nicht. Die Skandalthemen der Zeit, von Nekrophilie über Fetischismus bis zur gespaltenen Persönlichkeit – allesamt sprachlich brillant und psychologisch versiert aufbereitet. Der vorliegende Band bietet Gelegenheit, Hanns Heinz Ewers als eine auch weiterhin polarisierende Figur der deutschen Literatur wiederzuentdecken. Seine stilistische Virtuosität überrascht, das raffinierte Spiel mit dem Leser begeistert. 17 seiner bedeutendsten Erzählungen haben die Literaturwissenschaftler Sven Brömsel und Marcus Andreas Born in einem Band für »Die Andere Bibliothek« versammelt.

Es liest: Markus Back.

Hédi Kaddour: Die Grossmächtigen

Die Geschichte spielt 1922 im nordafrikanischen Städtchen Nahbès, im Süden eines nicht namentlich genannten französischen Protektorats. Die Welt scheint zur Zufriedenheit aller aufgeteilt, bis ein amerikanisches Filmteam i m Wüstenort wie ein Meteor einschlägt. Für kurze Zeit begegnen sich die Amerikanerin Kathryn und Raouf, der Sohn des Caïd, die junge Witwe Ranja, der altersmilde Kolonialist Ganthier und die kesse Pariser Journalistin Gabrielle.

Hédi Kaddour, dem 1945 in Tunis geborenen Autor, bereitet es erkennbar Vergnügen, seine Leser auf falsche Fährten zu führen. Denn was er zunächst als ruhige Kleinstadt inszeniert, entpuppt sich bald als Pulverfass. Der Stolz auf die »harmonische« Gegensätzlichkeit in Nahbès liegt wohl eher auf französischer Seite, unter den Einheimischen nehmen gerade die Unabhängigkeitsbestrebungen zu.

Der Roman zeigt die Wunden auf, die Frankreich als Kolonialmacht geschlagen hat – und die bis heute kaum verheilt sind. Kaddours Kunst dabei ist, von Politik zu erzählen anhand der Geschichten einzelner Figuren, die er präzise und mit viel feinem Humor zeichnet. Die Erzählung hat einen sehr eigenen Rhythmus: Mal verweilt sie ausgiebig bei einer Szene, mal durcheilt sie Orte und Zeiten, schweift ab und spürt Nebenfiguren nach, lauscht Gedankenströmen und nimmt dann auf einmal rasant Abstand zu den Figuren. Die Radiosendung 52 beste Bücher fasst zusammen: »›Die Grossmächtigen‹ ist ein brillanter Roman, intellektuell anspruchsvoll und sinnlich befriedigend. Mit Witz und Anschaulichkeit schildert er die maghrebinische Kolonialgesellschaft, die amerikanische Moderne und das brodelnde Berlin der 1920er-Jahre.«

Es liest: Eveline Ratering.

Yael Inokai: Mahlstrom

In einem Dorf bringt sich Barbara, eine 22-jährige Frau, um. Hat ihr Tod mit einem Verbrechen zu tun, das elf Jahre früher geschah? Drei junge Dorfbewohner brechen das Schweigen in einer glaubhaft mündlichen und zugleich poetisch verknappten Sprache. Im Wechsel der Stimmen setzt sich eine Geschichte zusammen, in der es um Gemeinschaft und Ausgrenzung, um Freundschaft und Verrat, um eine abgestrittene oder eingestandene Schuld, um Sühne und Verzeihung geht. Dabei entwickelt der sorgfältig komponierte Text einen unwiderstehlichen Sog.

Yael Inokai wurde 1989 als Tochter einer Deutschen und eines Ungarn in Basel geboren. Sie studierte Philosophie in Basel und Wien und seit 2014 »Drehbuch« an der Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin. Sie arbeitet als Fremdenführerin und publiziert in verschiedenen Literaturzeitschriften. Für ihren Roman »Mahlstrom« wurde sie 2018 mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnet.

Es liest: Grit Röser.

Leonard Gardner: Fat City

»Wenn jemand sagt, er gehe jetzt nach Fat City, heisst das, er stürzt sich jetzt in das pralle Leben. Der Titel ist natürlich ironisch: Fat City ist das bekloppte Ziel, das niemand je erreichen wird«, meint Leonard Gardner, geboren 1933. Mit seinem ersten und einzigen, 1969 erschienen Roman hat er gleich einen Klassiker der amerikanischen Literatur geschrieben. 1972 wurde der Roman mit Jeff Bridges in der Hauptrolle von John Huston verfilmt.

Kalifornien in den 1950er-Jahren. Billy Tully und Ernie Munger leben am unteren Rand der Gesellschaft, kommen gerade so über die Runden. Pleite? Da hilft ein kurzfristiger Erntejob. Das schnelle Geld, Ruhm und Ehre erreicht man aber durch Boxkämpfe, wenn man begabt ist und keine Scheu vor Schmerzen oder Verletzungen hat. Während Tully nach längerer Auszeit ein Comeback versucht, fällt Ernie als hoffnungsvolles neues Talent auf. Als weisser Boxer ist er etwas Besonderes in der von Schwarzen geprägten Szene. Beide Männer haben Träume, doch das Leben steht ihnen im Weg. Ein bisschen mehr Elan oder die richtige Frau, schon wäre alles anders. Aber wie soll man sich aufraffen, wenn man am Boden liegt? Nur wenige schaffen das. Tully hatte es geschafft, bis ihm der Alkohol dazwischenkam und ihn seine Frau verliess. Ernie könnte es schaffen, aber Frau und Kind sind ein Klotz am Bein, oder vielleicht doch ein Anker?

Stark sind die fast schon absurden Dialoge. Sie zeigen, wie man aneinander vorbeireden und was für verhängnisvolle Folgen es haben kann, wenn ein Wort das andere gibt – eigentlich heiratet Ernie nur aus Versehen. Die plastische, authentische Sprache vermittelt Atmosphäre und Zeitkolorit. Gregor Hens ist es meisterhaft gelungen, den Working-Class-Sound, den trotzigen Humor und die feine Melancholie ins Deutsche zu übertragen.

Es liest: Patrick Imhof.

Vorschläge für Ihre Buchpatenschaft in Blindenschrift

Therese Bichsel: Überleben am Red River

Verführt von den Beschreibungen des verschuldeten Hauptmanns Rudolf von May, eines Berner Patriziers, der Kolonisten anwirbt, wandern im frühen 19. Jahrhundert rund 170 Menschen aus Bern und Neuenburg nach Kanada in die Gegend des heutigen Winnipeg aus. Die hoffnungsvoll begonnene Reise in ein neues Leben steht unter keinem guten Stern. Die vollmundigen Anpreisungen des Hauptmanns entpuppen sich weitgehend als leere Versprechen. Als die völlig erschöpften Auswanderer bei Wintereinbruch endlich den Zielort am Roten Fluss erreichen, erwartet sie grosse Not. Die Frauen, über die in dieser Männergesellschaft verfügt wird, trifft es besonders hart.

Der Roman basiert auf einer wahren Geschichte, die in Briefen, Zeitungsartikeln und Erinnerungen gut dokumentiert ist.

Keigo Higashino: Unter der Mitternachtssonne

Ein Mord vor 20 Jahren. Eine Verkettung unlösbarer Rätsel. Ein Detektiv, der entschlossen ist, das dunkle Geheimnis zu entschlüsseln. Osaka,1973: Der Pfandleiher Kirihara wird ermordet in einem verlassenen Gebäude aufgefunden. Der unbeirrbare Detektiv Sasagaki nimmt sich des Falls an, der von nun an sein Leben bestimmt. Schnell findet er heraus: Ryo, der wortkarge Sohn des Opfers, und Yukiho, die hübsche Tochter der Hauptverdächtigen, sind in das Rätsel um den Toten verwickelt. Beinahe zwanzig Jahre lang versucht Sasagaki mit zunehmender Verzweiflung, den Mord aufzuklären, in dessen Netz sich Täter, Opfer und Polizei verfangen haben. Bis über alle Grenzen hinaus, bis hin zur Obsession.

Robert Seethaler: Das Feld

Wenn die Toten auf ihr Leben zurückblicken könnten, wovon würden sie erzählen? Einer wurde geboren, verfiel dem Glücksspiel und starb. Ein anderer hat nun endlich verstanden, in welchem Moment sich sein Leben entschied. Eine erinnert sich daran, dass ihr Mann ein Leben lang ihre Hand in seiner gehalten hat. Eine andere hatte siebenundsechzig Männer, doch nur einen hat sie geliebt. Und einer dachte: Man müsste mal raus hier. Doch dann blieb er. In Robert Seethalers neuem Roman geht es um das, was sich nicht fassen lässt. Es ist ein Buch der Menschenleben, jedes ganz anders, jedes mit anderen verbunden. Sie fügen sich zum Roman einer kleinen Stadt und zu einem Bild menschlicher Koexistenz.

Folgende Buchtitel können Dank einer Patenschaft produziert werden

Hörbuch

Urs Faes:
Halt auf Verlangen
Ermöglicht durch Erich Glückler

Hörbuch

Lea Gafner:
Die Nonne tanzt
Ermöglicht durch eine anonyme Patenschaft

Hörbuch

Nicole C. Vosseler:
Der englische Botaniker
Ermöglicht durch eine anonyme Patenschaft

Hörbuch

Ernst Zürcher:
Die Bäume und das Unsichtbare
Ermöglicht durch eine anonyme Patenschaft

WHO'S WHO

Jens Clamor, LEITER BEREICH HÖRBUCHSTUDIO

Ihre Aufgabe in der Blindenbibliothek?

Ich leite das Hörbuchstudio. Zusammen mit einem sechsköpfigen Leitungsteam verwandeln fast 100 Sprecherinnen und Sprecher gedruckte Texte in lebendige Sprache.

Ihre Motivation, für die Blindenbibliothek zu arbeiten?

Ich habe einen Arbeitsort gefunden, an dem meine Fähigkeiten und Neigungen gefragt und förderlich sind. Es ist ungeheuer befriedigend, unsere Kundinnen und Kunden mit Literatur versorgen zu können. Ausserdem macht es sehr viel Spass!

Welche Eigenschaften schätzen Sie bei Ihren Kolleginnen und Kollegen am meisten?

Die Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen.

Und welches ist Ihre wichtigste Eigenschaft?

Ich kann zuhören.

Brauchen Sie Bücher, um glücklich zu sein?

Ich kann es nicht sagen. Ich habe es noch nie ohne probiert.

In welcher Form geniessen Sie Literatur und wie häufig?

Alles bunt durcheinander: gedruckt, auf dem iPad, als Hörbuch. Kein Tag ohne!

Welches Buch hat Sie besonders geprägt – und warum?

Irgendwann in den 70ern fand ich auf dem Dachboden meiner Grosseltern einen riesigen Koffer mit Schneiderbüchern, die meine Mutter, meine Tante und mein Onkel in ihrer Kindheit gelesen hatten. Das Buch »Bob und seine Autos« machte aus mir einen Leser! Bob war ein Autonarr, der viele Abenteuer zu bestehen hatte. Der Clou war aber: In Rückblenden liess der Autor die Entstehungszeit des Automobils lebendig werden. Das hat mich richtig hineingezogen! Ich habe dann den ganzen Koffer »leergelesen«.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen – und warum?

»Was man von hier aus sehen kann« von Mariana Leky. Es wurde mir von einer Kollegin empfohlen und ich war BEGEISTERT!

Welches Buch würden Sie selbst gerne schreiben?

Mich interessiert der Umgang mit Verlust. Verlust eines Menschen, der Kindheit, der Heimat usw. Es würde mich nicht überraschen, wenn »mein Buch« auch davon handeln würde, so ich es denn schreiben könnte.

Sie können uns drei Bücher ans Herz legen ...

Hartmut Lange: »Das Konzert«; Eduard von Keyserling: »Wellen«; Hans-Ulrich Treichel: »Tristanakkord«

Ihre Lieblingsbeschäftigung neben der Literatur?

Musik in jeder Form.

Ihr liebstes Reiseziel?

Ich liebe den Norden. Island und Finnland sind noch »weitestgehend unerforscht«.

Ihr nächstes Ziel in der SBS?

Mit meinen Leuten immer mehr Hörbücher in immer besserer Qualität aufnehmen.

Kurzbiographie in 5 Sätzen:

Nach dem Abitur verliess ich meine norddeutsche Heimat, um in Berlin Musikwissenschaft zu studieren. Fast schon per Zufall landete ich noch während des Studiums auf der Schauspielschule – ich machte das Schauspieldiplom und spielte viele Jahre in Berlin und München Theater. In die Schweiz kam ich wegen der Liebe! Eine neue berufliche Perspektive fand ich in der SBS, wo ich zunächst als Sprecher anfing. Mit meiner Frau und meinen zwei Jungs lebe ich im Zürcher Oberland.

SBS-Weihnachts-CD

Arno Camenisch – Kurzgeschichten

In der Geschichte »Im Schnee« bleibt der Protagonist mit seinem Auto im Tiefschnee stecken und befindet sich im Nirgendwo zwischen Ilanz und Vals. Was tun, wenn das Handy streikt und weit und breit keine Menschenseele zu sehen ist?

Arno Camenischs witzige und berührende Kurzgeschichten nehmen uns mit auf eine virtuos erzählte Reise, die uns durch verschiedenste Orte führt und uns mit schönen und skurrilen Menschen bekannt macht. Arno Camenisch, 1978 in Tavanasa im Kanton Graubünden geboren, gehört zu den beliebtesten Autoren der Schweiz, seine Bücher sind Bestseller und seine Lesungen haben Kultstatus. Das Hörbuch, das Arno Camenisch für uns vertont hat, enthält Geschichten aus »Die Launen des Tages« (2016), »Nächster Halt Verlangen« (2014) sowie bisher noch unveröffentlichte Erzählungen.

Jedes Jahr um die Weihnachtszeit verschicken wir ein neues Hörbuch an unsere Spenderinnen und Spender. Möchten Sie ein Exemplar unserer Weihnachts-CD nachbestellen? Fehlende Exemplare können Sie direkt bei der SBS anfordern:

2006  Weihnachten – Geschichten aus der Weltliteratur

2007  Weihnachten – weitere Geschichten aus der Weltliteratur

2008  Erich Kästner, Patricia Highsmith, Martin Suter: Weihnachten – moderne Kurzgeschichten

2009  Diverse Autoren: Advent – 24 Geschichten, Tipps und Rezepte

2010  J.R.R. Tolkien: Briefe vom Weihnachtsmann

2011  Esther Becker: Schlittentaxi

2012  Robert Walser: Tiefer Winter

2013  Stefan Teuwissen: Adventsbuch vom grossen bösen Wolf

2014  Historisches: Der kleine Weihnachtsfrieden 1914

2015  Franz Hohler: Weihnachtsgeschichten

2016  Charles Lewinsky: Der Teufel in der Weihnachtsnacht

2017  Federica de Cesco: Weihnacht im Flughafen

Bestellungen nehmen wir gerne unter der Telefonnummer 043 333 32 32 oder per E-Mail an spenden@sbs.ch entgegen.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Impressum

dialog Nr. 33 – Oktober 2018

dialog, das Magazin der SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte

Redaktionsleitung und Produktion: Sabrina Nepozitek, www.sbs.ch

Textredaktion und Beratung: trieloff kommunikation, www.trieloff.ch

Grafik Design und Satz/Illustrationen: JoosWolfangel, www.jooswolfangel.ch

Titelbild/weitere Fotos: Matthias Auer, www.auerfoto.ch; Sven Bachmann; Janosch Abel

© SBS 2018

Verlag: SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte

Grubenstrasse 12

CH-8045 Zürich

Telefon +41 43 333 32 32

Fax +41 43 333 32 33

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E-Mail: spenden@sbs.ch

Spendenkonto: 80-1514-1

Der dialog ist für blinde, seh- und lesebehinderte Menschen auch in geeigneter Form erhältlich. Auskunft über Telefon +41 43 333 32 32 oder nutzerservice@sbs.ch

Aktuelle «dialog»-Ausgabe hören

dialog Nr. 33 (00:23) Start
1 Editorial (03:27) Start
2 Interview. Im Dialog mit Lukas Hendry (13:32) Start
3 Ein Legat für die SBS. Nachhaltig wirken (06:48) Start
4 Print & Braille. Lesespass für Finger und Augen (03:18) Start
5 Buchpatenschaft (14:16) Start
6 Who's who. Jens Clamor (03:44) Start
7 Weihnachts-CD. Arno Camenisch, Kurzgeschichten (03:06) Start

Lesen Sie vergangene Ausgaben online:

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