Inhaltsbereich

Aktuelle Ausgabe

Lesen Sie die aktuelle Ausgabe online oder als PDF (nicht für Bildschirm-Leseprogramme optimiert).

dialog Nr. 37 Oktober 2020

Interview. Problem? Lösung! Marcel Roesch leitet trotz starker Sehbehinderung ein Videoproduktionsteam. Wie das möglich ist, lesen Sie in unserem Interview.

Braillebuch. Ein Braillebuch entsteht. Welche vielfältigen Schritte sind nötig, bis ein Braillebuch der SBS an unsere Kunden ausgeliehen werden kann?

Editorial

Liebe Leserin, lieber Leser

»Es ist leichter, Probleme zu lösen, als mit ihnen zu leben!« Das sagte einst Albert Einstein. Dieser Gedanke mag so manchen darüber hinwegtrösten, der in seinem Alltag vor fast unüberwindbaren Hürden steht oder sich mit Schwierigkeiten herumschlagen muss. Das Lösen des Problems ist oft mit viel Schweiss und Fleiss verbunden. Doch es lohnt sich, wie uns Einstein mit seinem klugen Spruch aufzeigt.

Marcel Roesch, dem wir diesmal die Titelgeschichte widmen, ist einer, der sein Leben nach dem Motto »Geit nid, gits nid« ausrichtet. Lesen Sie im spannenden Interview, wie Marcel Roesch sein Leben in die Hand nimmt und sich von Hindernissen nicht aufhalten lässt.

Auch unser junger Hauswart Steven Jankovski, den wir Ihnen in der Rubrik »Who's who« auf Seite ... vorstellen, steht fast täglich vor neuen Herausforderungen. Er hält unsere gesamte Infrastruktur betriebsbereit. Dies gelingt ihm dank Geduld und Durchhaltewillen, die er nicht zuletzt aus seinen Erfahrungen als Amateurfussballer schöpft. Er findet für jedes Problem eine Lösung nach der Devise: »Cool bleiben – und nötigenfalls improvisieren!«

Die Einschränkungen in Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie waren bestimmt auch für Sie eine besondere Herausforderung. Plötzlich galt es, liebgewonnene Gewohnheiten und existenzielle Notwendigkeiten aufzugeben oder gegen improvisierte oder alternative Vorgehensweisen auszutauschen. Auch die SBS musste während dieser aussergewöhnlichen Zeit besondere Lösungen finden: Kurzerhand wurde die Bücherproduktion weitgehend zu den Mitarbeitenden nach Hause verlegt. Ein Fotograf, der durch den Lockdown fast keine Aufträge mehr hatte, übernahm Kurierdienste kreuz und quer durch die Schweiz. Wir haben für Sie einige Anekdoten und Eindrücke von diesen besonderen Arbeitsverhältnissen zusammengetragen.»Coronavirus«

Mit Ihren Spenden ermöglichen Sie uns immer wieder, Lösungen zu finden und auch mit Hilfe neuster Technologien aktuelle Bücher für Blinde und Sehbehinderte zu produzieren. An dieser Stelle möchte ich mich von Herzen für Ihre grosszügige Unterstützung bedanken!

Ich wünsche Ihnen immer wieder kreative Ideen, neue Lösungsansätze und weiterhin grossen Durchhaltewillen; ganz nach dem Motto »Geit nid, gits nid«!

Herzlich
Ihr Daniel Kunz

Interview

»Geit nid, gits nid«

Marcel Roesch (41) begrüsst mich freundlich, als ich ihn bei Swisscom in Bern treffe. Er ist gerade mitten in den letzten Vorbereitungen einer Präsentation einer von ihm entwickelten Smartphonetastatur. Ein wenig angespannt, hat er trotzdem ein offenes Ohr für jeden, der eine Frage hat oder etwas von ihm will. Er hat alles im Griff. Schnell merke ich: für ihn stehen Lösungen und nicht Probleme im Vordergrund. So geht er auch mit seiner Sehbehinderung um. Sich einschränken lassen, will er nicht.

Marcel Roesch
Martin Orgler: Sie hatten mit drei Jahren Krebs, der zu Ihrer Sehbehinderung führte. Erinnern Sie sich noch, wie es war, zu sehen?

Marcel Roesch: Nein, ich habe keine Erinnerung an die Zeit, bis ich sechs, sieben Jahre alt war. Vielleicht will ich mich auch nicht erinnern. Das ist ein wenig zweischneidig. In den letzten fünfzehn Jahren gab es Momente, in denen ich mich an Dinge aus meiner Kindheit erinnerte, an Momente im Spital, wo ich regelmässig war. Aber ich will das nicht. Für mich ist das ein Kapitel, das ich in einer unteren Schublade versteckt habe. Das Gute ist, dass ich das Sehen nicht vermisse. Es ist so, wie es ist, und darum ist es okay.

Können Sie beschreiben, wie Sie sehen?

Wenn Sie heiss duschen, läuft der Spiegel an. Im Spiegel erkennen Sie zwar die Silhouette Ihres Kopfes, aber alles andere ist völlig verschwommen und unkonkret. Meine Welt ist vor allem zweidimensional. Distanz, Tiefe erkenne ich nur über die Akustik. Tafeln bei Baustellen zum Beispiel sehe ich erst, wenn sie schon da sind. Mit Glück bemerke ich vorher, dass die Akustik irgendwie komisch wird. Auch Menschen sehe ich nicht kommen. Die stehen plötzlich da. Wie bei einem Teleporter, bei dem die Leute aus dem Nichts erscheinen. Auf Wegen, die ich kenne, merkt man kaum, dass ich nicht gut sehe, weil ich genau weiss, hier ist eine Stange, hier könnte es Velos geben, hier liegt eine Palette am Boden.

Diesen Eindruck hatte ich auch, als wir gemeinsam zum Bahnhof gingen. Sie waren sehr sicher unterwegs.

Ja, ich tue aber oft nur so. Es reicht, wenn eine Absperrung oder eine Tafel ein wenig anders positioniert oder neu aufgestellt wurde. Dann laufe ich voll hinein, ungebremst. Ich sehe auch, ob jemand ein helles oder ein dunkles T-Shirt trägt, aber nicht, ob es Flecken darauf gibt. Am liebsten habe ich bedeckte Tage. Dann gibt es kaum Kontraste. Wenn die Sonne scheint, macht sie mir Schatten-Sonnen-Spiele. Ein Baum wirft schöne Schattenspiele auf den Boden. Für mich ist das aber die Hölle.

Ist der Schatten für Sie wie ein Gegenstand am Boden?

Richtig, ich kann das nicht unterscheiden. In solchen Momenten sehe ich wirklich nichts.

Würde Ihnen zur Orientierung ein Blindenstock helfen?

Ich glaube nicht. Ich gehe meist Wege, die ich kenne. Ein Stock würde mich nur ablenken. Und ich will nicht ausgestellt sein. Ich will nicht, dass mich Leute anstarren.

Ist Ihnen Ihre Sehbehinderung peinlich?

Ich weiss nicht recht. Ich finde nicht, dass es bei anderen peinlich ist, und mir ist bewusst, dass ich nichts dafür kann. Trotzdem will ich nicht beobachtet werden.

Sie wollen keine Sonderbehandlung.

Niemals. Ich habe lieber pro Woche einen, der sich über mich aufregt, weil ich in ihn hineinlaufe, als 500 Leute, die mich jeden Morgen angaffen. Da bin ich vielleicht ein bisschen seltsam. Die Begleiterkarte der SBB nutze ich hingegen, da ist mir mein Stolz zum Glück nicht im Weg.

»Peinlich« war vielleicht das falsche Wort. Fühlen Sie sich schubladisiert, wenn man Ihnen Ihre Sehbehinderung ansieht? Haben Sie Angst vor Vorurteilen?

Im Freundeskreis oder auch bei der Arbeit wurde ich nie schubladisiert. Ich habe keine negativen Erfahrungen gemacht, wirklich nie. Es gibt eigentlich keinen Grund, warum ich meine Behinderung nicht zeigen will. Ja, wahrscheinlich ist es meine Angst ... Nein, es ist anders. Es ist nicht meine Angst, schubladisiert zu werden. Aber es ist mein unbändiger Wille, alles zu schaffen. Es muss egal sein, wenn ich weniger sehe als andere. Das darf keine Entschuldigung sein. Es ist mein oberstes Ziel, mich nicht einschränken zu lassen. Ich habe diesen unbedingten inneren Antrieb. Geit nid, gits eifach nid.

Wie gehen Sie mit Ihrer Einschränkung um?

Ich hadere nicht oft. Natürlich habe ich schwierige Tage oder Phasen im Leben, im Moment aber nicht. In der Pubertät war es schlimm. Momentan hilft mir sehr, dass ich mich in meinem Job sehr wohl fühle. Ich gestehe mir auch schlicht nicht zu, dass die Sehbehinderung mich einschränkt. Ich kämpfe dafür, Sachen erleben zu können. Dank dieser schönen Erlebnisse habe ich weniger Probleme mit meiner Sehbehinderung.

Nehmen Sie sich einfach Ihre Freiheiten?

Ja, genau. Ein Beispiel dafür ist das Kickboardfahren in meiner Jugend. Da ging es darum, mir zu beweisen, dass auch das geht. Zwei Jahre später musste ich mir eingestehen, dass es zwar geht, aber dass es ein bisschen dumm und fahrlässig ist und zwar nicht mir, sondern den Anderen gegenüber. Ich bin zwar immer auf der Strasse und nicht auf dem Trottoir gefahren, um möglichst wenig andere zu gefährden. Als es zweimal sehr knapp wurde, habe ich beschlossen: Jetzt hast du trotz deiner Vorsicht zweimal Menschen gefährdet, jetzt musst du aufhören.

Gibt es Vorteile, die Ihre Sehbehinderung mit sich bringt?

Es ist schön, wenn man nicht so ein Augentier ist und sich auch auf die anderen Sinne verlässt – etwas hören, riechen, schmecken oder auch Dinge intuitiv fühlen können, das sind bereichernde Erlebnisse.

Können Sie sich besser konzentrieren, da viele Eindrücke, die man als Sehender stetig verarbeiten muss, wegfallen?

Ja, ich kann voll in Dinge eintauchen, weil die Augen nicht dazwischenfunken. Ich kann zuhören, ich kann lesen und bin vollkommen in dieser Welt. Und ich habe noch einen Vorteil: Ich lasse mir eine A4-Seite von meiner Screenreader-Software viel schneller vorlesen, als Sehende lesen können. Das habe ich besonders in den Weiterbildungen bemerkt, wenn wir etwas lesen mussten. Ich war fertig, die anderen hatten gerade die Hälfte gelesen.

Sind Bücher für Sie wichtig?

Ja, ich liebe es, in Welten einzutauchen, mit den Figuren mitzuleben, mitzuleiden. Besonders schön finde ich, wenn ein Szenario so beschrieben ist, dass ich mich mit allen Sinnen hineinversetzen kann, wenn das Storytelling richtig gut ist.

Haben Sie ein Lieblingsbuch?

»Das Lied von Eis und Feuer« ist eines, ein anderes »Der Graf von Monte Christo«. Das ist eine schön tragische Geschichte, in welcher der Held die entsprechenden Storytelling-Schritte exemplarisch durchlebt, leidet und es am Schluss doch schafft, sein aufgezwungenes Ziel zu erreichen.

Gibt es ein aktuelles Buch, das Sie empfehlen können?

Ich lese gerne Science-Fiction, zum Beispiel Robin Hobb. Sie schreibt Geschichten über Drachen und Zauberer. (Anm.: »Die Gabe der Könige«) Ich bin ein grosser Fan der Dan Brown-Geschichten und von Marc Elsberg. Der schreibt zukunftsgerichtete Fiktion. Zum Beispiel: Was passiert, wenn wir in ganz Europa einen Stromausfall haben? Wie lange geht es, bis unsere Strukturen nicht mehr funktionieren? (Anm.: »Blackout«) Oder was ist möglich, wenn die totale Überwachung herrscht und man den Lebenslauf von jemandem manipulieren könnte? (Anm.: »Zero«) Ich lese auch viele Sachbücher, Stephen Hawking zum Beispiel. Den finde ich sehr spannend: eine abstrakte Abhandlung des Lebens. Die Autobiographie von Edward Snowden »Permanent Record: Meine Geschichte« zwang mich zum Nachdenken. Ich lese sicher zwei Bücher pro Woche.

War das schon in Ihrer Kindheit so oder mussten Sie zuerst die Möglichkeiten kennen lernen, um lesen zu können?

In der vierten Klasse »verordnete« meine Lehrerin: lesen, weil ich es nicht gut konnte. In der Schule in Zollikofen haben wir sehr viele Bücher über die SBS ausgeliehen. Ich habe stundenlang Braillebücher gelesen. Ich kann mich an ein Buch erinnern, dessen Titel ich nicht mehr weiss. Es handelte von einer Jägerin und einem Jäger von zwei Stämmen, die sich irgendwo getroffen und verliebt haben. Ich habe von Sonntag auf Montag nicht geschlafen, weil ich das Buch fertig lesen musste. Am Morgen, um halb sieben Uhr, hat mich meine Mutter nach Zollikofen gefahren und ich hatte keine Sekunde geschlafen. Das war für mich der Anfang. Mit den Hörbüchern habe ich dann weitergemacht. Ich habe sehr viele Hörbücher von der SBS gehört.

Wie finden Sie die Auswahl der SBS?

Ich habe alles gefunden, was ich wollte. Es gab einen Katalog in Braille, den ich nach Hause geschickt bekam. Der war cool, den habe ich immer gelesen. Seit es möglich ist, informiere ich mich auch online über das Angebot.

Bekommen Sie auch Hilfe von Verwandten oder Bekannten, wenn Sie diese benötigen?

Meine fantastische Familie ist immer für mich da, wenn ich sie brauche. Das ist sehr viel wert. Ich habe viele sehr gute Freunde und auch bei Swisscom geniesse ich grosse Unterstützung. Ohne all diese tollen Menschen könnte ich mein Leben niemals so leben, wie ich es aktuell lebe. Dafür möchte ich immer wieder danke sagen.

Wie kam es dazu, dass Sie bei Swisscom Leiter des internen Videoproduktionsteams wurden?

Von 2006 bis 2014 habe ich für Swisscom im Eventbereich gearbeitet. Dort habe ich schon für einen Blinden seltsame Dinge wie Raumdekorationen oder Eventleitungen in der Planung und vor Ort übernommen. Die Lernenden, mit denen ich zusammenarbeitete, liehen mir ihre Augen. So konnte ich den Job meistern und sie konnten lernen, Verantwortung zu übernehmen. 2014, an einem kühlen verschneiten Abend, hat mich mein Mentor angerufen. Ich war gerade beim Abendessen. Ob ich das Swisscom-Filmteam übernehmen wolle, fragte er. »Du bist crazy«, war meine erste Reaktion. »Du kannst mir doch kein so visuell dominiertes Thema anvertrauen«, wehrte ich mich, obwohl es mich sofort faszinierte. Er sagte, es gehe um mehr. Es gehe um Emotionen, die in Geschichten verpackt werden, es gehe darum, mit dem höheren Management zu verhandeln, das Thema weiterzuentwickeln, und es gehe darum, Lernende zu führen und auszubilden. Der Umgang mit jungen Menschen ist eine Freude und gibt mir Energie. Sie sind mit ihren unkonventionellen Gedankengängen immer wieder sehr inspirierend. Ich lerne jeden Tag von ihnen, wofür ich sehr dankbar bin.

Ist Ihre Sehbehinderung hilfreich beim Führen der Lernenden?

Unbedingt. Sie wissen, dass ich ihnen zu 100 Prozent vertrauen muss und es auch tue. Ich hatte da nie Probleme. Wie alle Jugendlichen suchen sie Grenzen. Aber das gehört dazu. Sie wissen, wenn sie visuell etwas freigeben, wird es publiziert. Sie sind verantwortlich für die Qualität ihrer Arbeit. Ich vertraue einfach. Der Erfolg in den letzten Jahren gibt dem Konzept Recht.

Stört es Sie, dass Sie Ihre Produkte nicht sehen können?

Nein, es sind ja die Produkte der Lernenden. Von mir ist die Geschichte, die ich mitpräge, und die bekomme ich ja mit. Wenn wir eine Filmproduktion machen, sage ich irgendwo zufällig Stopp und frage: Was sehen wir auf dem Bild? Wenn das nicht zur Geschichte passt, diskutieren wir. Sie lernen, das Bild auf den Inhalt abzustimmen. Das bringt dem Produkt einen Mehrwert.

Mussten Sie besser sein als andere, um das Gleiche zu erreichen?

Ich glaube nicht. Der Anspruch an mich selbst ist, gut zu sein, sehr gut zu sein. Für mich gibt es nichts Halbes, nur 100 Prozent.

Machen Sie es sich gerne schwer?

(lacht) Ja, vielleicht. Man kann es auch so sagen. Nein, ich will einfach zwischen sehr gut und perfekt erreichen. Dafür bin ich bereit, alles zu geben. Aber ja, ich mache es mir sicher nicht leicht.

Sie sind jetzt auch Geschäftsführer. Wie kamen Sie dazu, eine Smartphonetastatur zu entwickeln und Ihre eigene Firma zu gründen?

Meine Lernenden arbeiten alle mit Smartphones. Sie haben mir viel auf WhatsApp geschrieben. Das waren kleine Sachen, auf die ich schnell reagieren wollte. Ich war immer viel zu langsam. Ich habe auf der ganzen Welt gesucht und keine Lösung gefunden. Ich fand keine Tastatur, die direkt am Smartphone befestigt werden kann und mit der ich flexibel und mobil, wo und wann ich will, Mitteilungen schreiben kann. Es gibt Bluetooth-Tatstaturen, die man neben das Smartphone legen kann. Da brauche ich aber einen Tisch und muss ein zusätzliches Gerät dabei haben. Geit nid, gits nid! Also suchte ich eine Lösung. Swisscom hat ein Startup-Förderungsprogramm. Da kann man Ideen eingeben, die in einem dreistufigen Verfahren geprüft werden. Ich hatte das Glück, dass ich mit meiner Idee, eine eigene Smartphonetastatur zu entwickeln, überzeugen konnte. Es gelang mir, einen Sponsor zu finden. So konnte ich einen ersten Prototyp herstellen. Die nun entstandene Tastatur von help2type ist die exakte Abbildung der Tastatur eines Smartphones, einfach mit fühlbaren, haptischen Tasten. Die Tastatur ist über ein Uhrenband und Magnete flexibel auf der Rückseite des Smartphones befestigt. Sie kann einfach über den Bildschirm geklappt werden. Die Verbindung ist simpel über Bluetooth herzustellen. Mit meiner Energie habe ich es geschafft, Investoren zu begeistern. So konnte ich die Firma help2type (www.help2type.ch) gründen, bei der ich nun Geschäftsführer bin. Seit Ende August ist die Tastatur über unseren Webshop im Verkauf.

Jetzt müssen Sie nur noch Vertriebsmöglichkeiten finden?

Genau. Für die Schweiz will ich Eigenvermarktung über die Website machen, vor allem im Bereich der Blinden und Sehbehinderten. Ich sehe das Produkt aber auch für ältere Menschen, bei denen das Treffen der Felder schwierig wird. Vorläufig bin ich froh, wenn ich 1000 Stück verkaufen kann, damit die Investitionskosten wieder reinkommen. Dann bin ich so bei Null.

Viel Erfolg und vielen Dank für das Interview.
Martin Orgler

Punkt für Punkt zum Braillebuch

Die SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte ist nicht nur eine Bibliothek. Wir produzieren auch die Medien, die wir ausleihen, zu einem grossen Teil selbst. In unserem Hörbuchstudio nehmen wir an jedem Arbeitstag etwa drei Hörbücher auf. Und in unserer Druckerei übertragen wir täglich rund 150 Originalseiten von Büchern und Zeitschriften in Grossdruckbücher oder Bücher in Blindenschrift. Welche Schritte sind erforderlich, bis ein Braillebuch für die Ausleihe an unsere Kundinnen und Kunden bereit ist?

Wunschprogramm – die Auswahl eines Buches

Wie kommt es dazu, dass wir ein Buch in Blindenschrift übertragen? Manchmal entscheiden wir selbst. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn in einer Reihe, von der wir bislang alle Bücher übertragen haben, ein neuer Band erscheint. Auch unsere Spenderinnen und Spender können über eine Buchpatenschaft der Auslöser für eine Produktion sein, lesen Sie dazu mehr auf den Seiten ... und ... in diesem dialog.

Am häufigsten beginnt die Herstellung allerdings mit dem Buchwunsch einer Kundin oder eines Kunden. Sie können bei unserem Nutzerservice anrufen und einen Wunsch äussern. Wir prüfen dann als Erstes, ob das Buch bereits bei einer anderen Blindenbibliothek in Blindenschrift produziert wurde. Ist das der Fall, bekommen wir von der Partnerbibliothek ein Exemplar für die Ausleihe zugesandt. Falls nicht, beschaffen wir uns das Buch in Schwarzschrift und scannen es ein, damit wir es elektronisch weiterverarbeiten können. In seltenen Fällen können wir das Buch bereits in digitalisierter Form beziehen. Das Buch ist dann schon bereit für die nächsten Schritte.

Kontrolle und Lektorat – mit Spezialwissen und Fingerspitzengefühl

Nun kommen unsere Blindenschrift-Spezialistinnen und -Spezialisten zum Einsatz. Sie wandeln den elektronischen Text in Blindenschrift um. Dabei achten sie darauf, nicht nur den Text, sondern auch die Struktur des Buches zu übertragen, damit ein möglichst genaues Abbild des Schwarzschriftbuches in Blindenschrift entsteht. Sie kennen selbstverständlich alle Regeln der Blindenschrift. Sie werden bei der Übertragung aber auch von diversen Computerprogrammen unterstützt. So erstellen sie eine Druckvorlage, von der unsere Druckerei einen Probedruck in Brailleschrift herstellt. Dieser geht zurück in unsere Blindenschriftabteilung zu den Lektorinnen und Lektoren. Sie überprüfen den Text auf Fehler oder Unklarheiten, die bei der Übertragung eventuell entstanden sind. Ist diese Kontrolle erfolgreich abgeschlossen und sind alle Fehler korrigiert, gelangt die nun definitive Druckvorlage wiederum in unsere Druckerei.

Druck und Bindung – exaktes und sorgfältiges Arbeiten

Auch für den Druck ist exaktes und sorgfältiges Arbeiten gefragt. Wir wollen ein hochwertiges Produkt herstellen, das nicht gleich nach den ersten Ausleihen auseinanderfällt oder bei dem die Schrift zu schnell unlesbar wird. Wir verwenden daher ein besonders dickes und stabiles Papier. Während des Drucks mit unseren Spezialmaschinen überprüfen wir die Druckqualität laufend. Danach wird das Buch sorgfältig geschnitten und von Hand gebunden. Je nach Umfang des Original-Buches produzieren wir mehrere Braillebände. »Harry Potter und der Stein der Weisen« umfasst in Blindenschrift zum Beispiel vier Bände. Schliesslich katalogisieren wir das fertige Buch. Jetzt ist es für die Ausleihe bereit.

Zur Freude unserer Kundinnen und Kunden – alles bereit für den Versand

Sobald das Blindenschriftbuch unsere Druckerei verlässt, erhält das Versandteam die Mitteilung, dass Kundenbestellungen nun ausgeführt werden können. Die Mitarbeitenden versehen das Braillebuch mit einem Barcode. Dieser dient dazu, das Buch nach der Rückgabe wieder am richtigen Ort ins Regal einordnen zu können. Das Buch oder mehrere Bände eines Buches werden verpackt und eine Rücksende-Etikette wird beigelegt. Diese Pakete können wir per Blindenpost kostenlos an unsere Kundinnen und Kunden versenden.

So entstehen in der SBS pro Jahr mehrere hundert neue Braillebücher.
Martin Orgler

Coronavirus

Besondere Zeiten erfordern besondere Lösungen

Während des Lockdowns war die ganze SBS sehr gefordert. Einerseits mussten wir selbstverständlich unsere Mitarbeitenden schützen und haben daher, so weit es möglich war, im Homeoffice gearbeitet. Andererseits hatten wir mehr zu tun als in »normalen« Zeiten, da auch viele unserer Kundinnen und Kunden zuhause bleiben mussten und sehr viel mehr Bücher ausgeliehen haben als sonst.

Wir haben für Sie einige Bilder und kurze Geschichten zusammengestellt, die zeigen, wie wir diese besondere Zeit erlebt und gemeistert haben.

»Mein Wecker surrt, ich wandle schlaftrunken ins Bad, trinke wie immer meinen Energy-Drink, um aufzuwachen, packe mir eine Banane für die Zugfahrt ein, steige die Treppe hinunter und verlasse das Haus. Wie ich mir eine Zigarette für den Weg zum Bahnhof anzünde, fällt mir ein: Ich arbeite ja im Homeoffice! Also drehe ich eine kleine Runde durch Baden und gehe wieder nach Hause.«

»Um nicht mit dem ÖV zur Arbeit zu müssen, bin ich in der Zeit des Lockdowns mit dem Auto gefahren. Schnell hat das auch ein Junge aus der Nachbarschaft bemerkt. Jeden Morgen hat er mir fröhlich zugewinkt, wenn ich langsam an ihm vorbeigefahren bin. Natürlich habe ich zurückgewinkt, worauf er mich jeweils wie eine Sonne angestrahlt hat. Seither freuen wir uns beide jeden Tag auf unser kurzes morgendliches Treffen.«

»Was tun, wenn der quirlige Sechsjährige plötzlich den ganzen Tag daheimhockt, während die Eltern versuchen, ihr Homeoffice zu organisieren? Unsere Lösung hiess: Raus in die Natur. Fast täglich gingen wir ins nahe Naturschutzgebiet. Was als gemütlicher Spaziergang mit Vogelbeobachtung begann, wurde bald zu einer Art Corona-Bootcamp: Sohnemann, fröhlich erzählend, auf dem Velo vorneweg und ich, schwer atmend in Joggingschuhen hinterher. Besonders nett waren seine Coachingversuche: ›Mama, du bist schon viel schneller als gestern!‹«

»Als ich erwachte, erschrak ich fürchterlich. Ich musste mich erst besinnen – wer bin ich, wo bin ich, was muss ich als Nächstes tun? Ein Blick auf die Uhr zeigte mir, dass es kurz vor 9 Uhr war. Ich hatte verschlafen. Völlig verdattert sprang ich aus dem Bett und rannte im Pyjama die Treppe hinunter. Für einen Kaffee reichte es gerade noch, bevor ich mich um Punkt 9 Uhr vor den Laptop setzte. Corona hat also doch was Gutes, dachte ich mir. Zu spät kommen, fällt im Homeoffice schwer.«

»Tag fünfzehn im Homeoffice. Das Kreuz schmerzt vom unpassenden Stuhl, auf dem man nie zuvor acht Stunden am Stück gesessen ist. Der Kühlschrank lockt auch schon wieder. Und der Blick wandert vom Laptop aus dem Fenster zu maskenverhüllten Menschen. Die Sehnsucht nach den Arbeitskollegen, nach dem Büroalltag, nach Alltag überhaupt, wird immer drängender.«

»Wie jeden Morgen bin ich mit dem Velo innert fünf Minuten in der SBS. Tappe dort durch leere Gänge, sehe ausgestorbene Büros. Einige wenige Kolleginnen und Kollegen halten mit mir die Stellung. Es herrscht eine eigentümliche, fast feierliche Stimmung. Die Mittagspausen verbringen wir auf unserer leeren Terrasse. Am Telefon und im Versand gibt es viel zu tun – gerade unsere Leserschaft ist durch die soziale Distanz besonders betroffen. Die Nachfrage nach Büchern ist so gross, dass uns beinahe die Versandboxen ausgehen.«

Fotostrecke gesammelt von Shaana Studer und Martin Orgler.

In meinem Strandkorb geniesse ich die Pausen am liebsten.
In meinem Strandkorb geniesse ich die Pausen am liebsten.
3266 Km unterwegs, um Mitarbeitern Bücher und Unterlagen ins Homeoffice zu liefern.
3266 Km unterwegs, um Mitarbeitern Bücher und Unterlagen ins Homeoffice zu liefern.
Auch wenn unsere physische Bewegungsfreiheit eingescrhänkt ist, verleiht uns der Zugang zur Musik Flügel.
Auch wenn unsere physische Bewegungsfreiheit eingescrhänkt ist, verleiht uns der Zugang zur Musik Flügel.
In Zeiten von Corona betraf der Frühlingsputz vor allem die Türklinken.
In Zeiten von Corona betraf der Frühlingsputz vor allem die Türklinken.
Ich war mal ein Küchentisch ...
Ich war mal ein Küchentisch ...
Ein Vorteil für mich als Baslerin war definitiv der kurze Arbeitsweg.
Ein Vorteil für mich als Baslerin war definitiv der kurze Arbeitsweg.
Wer sich reinigt guten Mutes, tut sich damit etwas Gutes.
Wer sich reinigt guten Mutes, tut sich damit etwas Gutes.
Homeoffice und Homeschooling haben sich gut ergänzt. Der Sohn kontrolliert, ob der Papi fleissig arbeitet.
Homeoffice und Homeschooling haben sich gut ergänzt. Der Sohn kontrolliert, ob der Papi fleissig arbeitet.
Wo man sich wohl fühlt, lässt es sich gut arbeiten.
Wo man sich wohl fühlt, lässt es sich gut arbeiten.
... und plötzlich war die SBS leer.
... und plötzlich war die SBS leer.
Während ich arbeite, macht mein 6-jähriger Sohn eine Baustelle auf.
Während ich arbeite, macht mein 6-jähriger Sohn eine Baustelle auf.
Während des Lockdowns hatten wir besonders viele Ausleihen zu bewältigen.
Während des Lockdowns hatten wir besonders viele Ausleihen zu bewältigen.

Buchpatenschaft

Buchpatenschaften für Hörbücher und Bücher in Blindenschrift

Eine grosszügige Spende von Privaten, von Firmen oder aus besonderem Anlass

Liebe Leserin, lieber Leser

Sie lesen gerne Bücher? Diese Leidenschaft teilen unsere Kundinnen und Kunden mit Ihnen. Doch die Auswahl ist für sie eingeschränkt. Sie sind auf Hörbücher und E-Books mit Orientierungshilfen sowie auf Bücher in Brailleschrift oder Grossdruck angewiesen. Ihre Lieblingsbücher können sie weder in der Buchhandlung kaufen noch einfach im Internet herunterladen. Die SBS sorgt deshalb dafür, dass Lesewünsche dennoch in Erfüllung gehen. Mit einer Buchpatenschaft ermöglichen Sie uns, Lücken im Bestand zu schliessen oder die Teilhabe Sehbehinderter am aktuellen Geschehen durch die Finanzierung einer Neuerscheinung zu sichern.

So werden Sie Buchpatin oder Buchpate

Unter www.sbs.ch/spenden-unterstuetzen/buchpatenschaft/ finden Sie eine Auswahl von Wunschbüchern unserer Leserschaft. Oder haben Sie eigene Buchvorschläge? Teilen Sie uns diese mit! Wir besprechen sehr gerne jeden Ihrer Vorschläge.

Eine Buchpatenschaft für 4000 Franken

Mit diesem Betrag finanzieren Sie die Produktion eines Hörbuchs oder eines Braillebuchs. »Ihr« Hörbuch erhalten Sie als CD zur privaten Nutzung. Im dialog und auf der SBS-Website publizieren wir Ihre Patenschaft mit oder ohne Namensnennung. Auf Wunsch erwähnen wir Ihre Patenschaft auch gerne am Anfang des Buchs.

Wir sind gespannt, mit welchem Titel Sie unser Sortiment bereichern möchten!

Ines Meili, Verantwortliche Partnerschaften

Telefon 043'333'32'32
E-Mail spenden@sbs.ch

Informationen zu den Buchpatenschaften
www.sbs.ch/spenden-unterstuetzen/buchpatenschaft/

Diese Bücher konnten wir dank Patenschaften als Hörbuch oder Braillebuch realisieren

Hörbuch ermöglicht durch eine Spenderin:

Goliarda Sapienza: Wiedersehen in Positano

Als die Autorin Anfang der 50er-Jahre ins Bergdorf Positano kommt, verliebt sie sich in den Ort und seine Menschen. Sie begegnet Erica, von den Positanern seit dem Tod ihres Mannes ehrfürchtig »Prinzessin« genannt. Aus Faszination wird Freundschaft. Zwanzig Jahre lang treffen sich die beiden immer wieder, in den Zeiten dazwischen schreiben sie einander.

Goliarda Sapienza (1924-1996) kam in Catania als Kind einer kommunistisch-anarchistischen Familie auf die Welt. Sie studierte Schauspiel in Rom, feierte erste Erfolge am Theater, zog sich dann aber zugunsten des politisch engagierten Films und des Schreibens von der Bühne zurück. Die meisten ihrer Romane wurden zu ihrer Lebzeit nicht veröffentlicht. Den Roman »Wiedersehen in Positano« schrieb sie im Jahr 1984. Er gehört damit zu den letzten Texten, die die Schriftstellerin vor ihrem Tod verfasst hat.

Es liest: Ariela Sarbacher

Hörbuch ermöglicht durch eine Stiftung:

Liv Winterberg: Im Schatten des Mangrovenbaums

Anfang des 19. Jahrhunderts brechen Lillian, ihr Mann Joseph, Handelsagent der East India Company, und der Botaniker Elliot Wilberforce von London nach Singapur auf. Die Reise endet in einer Katastrophe, denn auf hoher See geht das Schiff in Flammen auf. Mit nichts als ihren Kleidern am Leib finden sich Lillian, Joseph, Elliot und die Schiffsmannschaft an der kaum besiedelten Westküste Sumatras wieder – und vor der schwierigen Aufgabe, sich durch den Dschungel zurück in die Zivilisation zu kämpfen. Die extremen Bedingungen führen zu einem unerwarteten Rollentausch.

Liv Winterberg wurde 1971 geboren und studierte Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft. Sie arbeitet als freie Autorin und Rechercheurin für Film und Fernsehen und lebt mit ihrer Familie in Berlin. Ihr erster Roman »Vom anderen Ende der Welt« wurde gleich ein Bestseller.

Es liest: Marianne Weber

Hörbuch ermöglicht durch eine Stiftung:

Irmi Seidl und Angelika Zahrnt: Tätigsein in der Postwachstumsgesellschaft

Der Ressourcenverbrauch und die Emissionen des aktuellen Wirtschaftens sprengen die planetaren Grenzen. Trotzdem halten Politik, Wirtschaft und Gesellschaft am Ziel fest, die Wirtschaftsleistung weiter zu steigern, um Arbeitsplätze zu sichern. Eigentlich müsste aber die Abhängigkeit der Erwerbsarbeit vom Wirtschaftswachstum beseitigt werden. Voraussetzung dafür ist eine neue Gewichtung von Erwerbsarbeit und unbezahlter Arbeit sowie ein Umbau der Systeme der sozialen Sicherung und der Besteuerung.

Irmi Seidl ist Ökonomin. Sie leitet die Forschungseinheit Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft.

Angelika Zahrnt ist Wirtschaftswissenschaftlerin und Systemanalytikerin.

Es liest: Sabine Trieloff

Hörbuch ermöglicht durch eine Stiftung:

Eduard Kaeser: Trojanische Pferde unserer Zeit

Wir leben in einer Symbiose mit der Technik. Dabei stösst unser Selbstverständnis an vielen Stellen auf fundamentale Herausforderungen, die eine Neubestimmung des Humanen in seiner technischen Umwelt erfordern. Die Problematik ist nicht sogleich sichtbar und manifestiert sich erst im Nachhinein als unbeabsichtigte Konsequenz des Technikgebrauchs. Die Frage lautet, ob der Mensch einen Platz zu behaupten vermag, der ihm mehr zusichert als eine Existenz als blosser Geräte-Fortsatz. Gelingt es uns nicht, diesen Platz zu verteidigen, werden wir unseres Menschseins beraubt.

Eduard Kaeser studierte theoretische Physik, Wissenschaftsgeschichte und Philosophie an der Universität Bern.

Es liest: Sabine Trieloff

Buchpatenschaft

Mit einer Buchpatenschaft von 4000 Franken ermöglichen Sie die Produktion eines Hörbuchs oder eines Blindenschriftbuchs. Ihre Spende können Sie von den Steuern absetzen. Wir freuen uns sehr, wenn Sie Ihre Patenschaft in Ihren Firmen-Publikationen und auf Ihrer Website erwähnen, wenn Sie Ihre Kundinnen und Kunden darüber informieren oder wenn Sie die SBS auch privat weiterempfehlen. Herzlichen Dank dafür!

Fünf Fragen an Eveline Hüssy

Sie wünschen, dass wir ein Buch als Hörbuch aufnehmen oder in Blindenschrift übertragen? Die 4000 Franken einer Patenschaft, die wir für die Übertragung des Buches benötigen, sind für Sie aber eine zu grosse Hürde? Dann machen Sie es wie eine unserer treuen Spenderinnen! Im dialog Nr.36 haben wir darüber berichtet, wie Eveline Hüssy auf unserer Internetplattform meine-spendenaktion.sbs.ch eine Online-Spendensammlung gestartet hat. Diese Sammelaktion ist nun abgeschlossen. Dazu konnten wir Eveline Hüssy ein paar Fragen stellen.

Martin Orgler: War es kompliziert, Ihre Sammelaktion auf meine-spendenaktion.sbs.ch einzurichten?

Eveline Hüssy: Nein, es war viel einfacher, als ich es mir vorgestellt hatte.

Ihre Spendensammlung hat das gesetzte Ziel sogar übertroffen. Was sagen Sie dazu?

Ich bin begeistert! Es freut mich sehr, wie grosszügig die vielen Spenderinnen und Spender die Aktion unterstützt haben. Da das Spendenziel deutlich übertroffen wurde, hat die SBS entschieden, das Buch zusätzlich auch als Hörbuch aufzunehmen. Das freut mich natürlich ganz besonders.

Warum haben Sie sich für den Kriminalroman »Die Patientin« von Christine Brand entschieden?

Sie ist eine tolle Autorin, die den Kriminalroman äusserst spannend aufgebaut hat – man fiebert mit dem blinden Ermittler Nathaniel bis zum Schluss mit.

Warum unterstützen Sie die SBS?

Lesen war für mich schon immer wichtig. Zudem habe ich in meiner Familie bereits vor vielen Jahren erleben können, wie wertvoll und hilfreich Hörbücher sind, wenn jemand nicht mehr lesen kann.

Haben Sie für unsere Leserinnen und Leser einen besonderen Buchtipp?

Eines meiner Lieblingsbücher ist »Jane Eyre« von Charlotte Brontë.

Who's who

Steven Jankovski – HAUSWART

Who's who: Steven Jankovski
Ihre Aufgabe in der SBS?

Sicherheitsverantwortlicher, Betriebssanitäter und Hauswart, ausserdem bin ich Berufsbildner. Mittlerweile begleite ich den vierten Lernenden durch seine Lehrzeit als Fachmann/-frau Betriebsunterhalt.

Ihre Motivation für die SBS zu arbeiten?

Ich finde es schön, dass die SBS handicapierten Menschen hilft. Die Erfahrungen, die ich in der Zusammenarbeit mit sehbehinderten oder blinden Mitarbeitenden machen kann, sind für mich sehr wertvoll.

Welche Eigenschaften schätzen Sie an Ihren Mitarbeitern?

Ich zähle zu den Jüngsten hier und profitiere viel von der Lebenserfahrung der Anderen.

Welches sind Ihre wichtigsten Eigenschaften?

Man sagt mir Geduld, Durchhaltewillen, Hilfsbereitschaft und Zuverlässigkeit nach.

Brauchen Sie Bücher, um glücklich zu sein?

Zum Glücklichsein brauche ich eher Gesundheit und ein paar Fussbälle.

In welcher Form geniessen Sie Literatur?

Mich interessieren vorwiegend Sachbücher und Fachzeitschriften. So erweitere ich mein Wissen.

Welches Buch hat Sie besonders geprägt und warum?

»Phoenix Rising«, das Buch erinnert mich an die Zeit um 2002 – pure Nostalgie.

Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen und warum?

»Darm mit Charme« von Giulia Enders. Vor Jahren hat sie mich in einem Interview mit ihrem Humor überzeugt. Kürzlich bin ich wieder auf das Buch gestossen und habe es nun endlich gelesen.

Welches Buch würden Sie selbst gerne schreiben?

Ein Buch über mein Fussballerleben als Amateur. Es gibt viele Bücher ehemaliger Profifussballer. Doch es gibt auch Leute wie mich, die es nicht bis ganz nach oben geschafft haben, die aber trotzdem sehr viel Zeit, Geld und Herzblut in den Sport investieren.

Sie können uns vier Bücher ans Herz legen:

»Roger Federer« René Stauffer; »Die Macht Ihres Unterbewusstseins« Dr. Joseph Murphy; »Deutsch-Frau/Frau-Deutsch« Mario Barth; »Ich bin dann mal Kult« Klaas Heufer-Umlauf

Ihre Lieblingsbeschäftigung neben der Literatur?

Fussballspielen

Ihr liebstes Reiseziel?

Teneriffa: Playa de las Americas

Ihr Lebensmotto?

Immer cool bleiben.

In fünf Sätzen

Bei Swiss Re Zürich absolvierte ich eine Lehre, danach zog ich weiter ins Spital Zimmerberg. Berufsbegleitend besuchte ich eine höhere Fachschule für Anlageunterhalt und Bewirtschaftung, die ich als Hauswart mit eidgenössischem Fachausweis abschloss. Nach einigen Weiterbildungen arbeitete ich im Auftrag diverser Krankenkassen als Berater im Aussendienst. Seit Ende 2009 bin ich nun in der SBS. Zuhause bin ich an der »Silber-Pfnüsel-Stahlküste«.

SBS-CD-Buch

Christine Brand: Tod am Napf und andere Kurzgeschichten

In »Tod am Napf« nimmt uns Christine Brand mit auf eine Bergwanderung dreier seit Jahren befreundeter Frauen. Sie zeigt, was passieren kann, wenn das gegenseitige Vertrauen fehlt. Zum Glück zeigen Sie, liebe Leserin, lieber Leser, uns immer wieder, dass Sie Vertrauen in unsere Arbeit haben.

Christine Brand, 1973 geboren und aufgewachsen im Emmental, ist freischaffende Schriftstellerin, Autorin und Journalistin. Über 20 Jahre lang berichtete sie als Journalistin aus den Gerichtssälen der Schweiz, zuletzt für die NZZ am Sonntag. Mit ihrem Kriminalroman »Blind« gelang ihr 2019 der Sprung in die Spiegel-Bestsellerliste. Im Frühjahr 2021 erscheint mit »Der Bruder« ihr siebter Krimi im Blanvalet-Verlag. Christine Brand lebt in Zürich und auf Sansibar.

Mit »Tod am Napf« und anderen Kurzgeschichten setzt die SBS ihre Reihe mit Texten Schweizer Autorinnen und Autoren fort. Im November wird dieses Werk als CD-Buch exklusiv für unsere Spenderinnen und Spender erscheinen.

Seit 2006 verschickt die SBS jedes Jahr ein neues Hörbuch an unsere Spenderinnen und Spender. Möchten Sie eine dieser CDs nachbestellen?

  • 2008 Erich Kästner, Patricia Highsmith, Martin Suter: Weihnachten – moderne Kurzgeschichten
  • 2009 Diverse Autoren: Advent – 24 Geschichten, Tipps und Rezepte
  • 2010 J.R.R. Tolkien: Briefe vom Weihnachtsmann
  • 2011 Esther Becker: Schlittentaxi
  • 2012 Robert Walser: Tiefer Winter
  • 2013 Stefan Teuwissen: Adventsbuch vom grossen bösen Wolf
  • 2014 Historisches: Der kleine Weihnachtsfrieden 1914
  • 2015 Franz Hohler: Weihnachtsgeschichten
  • 2016 Charles Lewinsky: Der Teufel in der Weihnachtsnacht
  • 2017 Federica de Cesco: Weihnacht im Flughafen
  • 2018 Arno Camenisch: Kurzgeschichten
  • 2019 Katja Früh: Geschichten aus dem Alltag

Die gewünschten CDs finden Sie unter CD-Bücher oder Weihnachts-CDs auf:

www.sbs.ch/spenden-unterstuetzen/geschenkideen/

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Die Welt mit anderen Augen sehen

Ein Legat für die Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte?

Damit die SBS auch in Zukunft ihre Bibliothek betreiben und eigene Bücher, E-Books und Hörbücher produzieren kann, ist sie auf Spenden und Legate angewiesen.

Prüfen Sie Ihre Nachlass-Situation online mit dem neuen Testament-Generator: www.sbs.ch/spenden-unterstuetzen/testament

Weitere Informationen erhalten Sie unter spenden@sbs.ch oder telefonisch unter 043'333'32'32.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Spendenkonto Schweiz IBAN CH81 04835 HELFEN SIE MIT

Impressum

Folgen Sie uns auf Facebook!
www.facebook.com/sbs.schweiz

dialog Nr. 37, Oktober 2020

dialog, das Magazin der SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte

Redaktionsleitung und Produktion: Martin Orgler, www.sbs.ch
Textredaktion und Beratung: trieloff kommunikation, www.trieloff.ch
Grafik Design und Layout / Illustration: JoosWolfangel, Johannes Joos, www.jooswolfangel.ch
Titelbild / weitere Fotos: Matthias Auer, www.auerfoto.ch; Sven Bachmann (Foto: Eveline Hüssy), www.sven-bachmann.ch; Claudia Burger (Foto: Sabine Trieloff), www.claudiaburger.de

© SBS 2020

Verlag: SBS Schweizerische Bibliothek für Blinde, Seh- und Lesebehinderte
Grubenstrasse 12
CH-8045 Zürich
Telefon 043 333 32 32
E-Mail: spenden@sbs.ch

Spendenkonto: 80-1514-1 IBAN: CH74 0900 0000 8000 1514 1

Der dialog ist für blinde, seh- und lesebehinderte Menschen auch in geeigneter Form erhältlich. Auskunft über Telefon +41 43 333 32 32 oder nutzerservice@sbs.ch

Aktuelle «dialog»-Ausgabe hören

dialog Nr. 37 (00:21) Start
1 Editorial (02:55) Start
2 Interview (16:11) Start
3 Braillebuch (05:01) Start
4 Coronavirus (05:19) Start
5 Buchpatenschaft (10:13) Start
6 Who's who. Steven Jankovski (03:24) Start
7 SBS-CD-Buch (03:22) Start
8 Legat (01:22) Start

Haben Sie Fragen? Kontaktieren Sie uns.

Porträt Martin Orgler
Martin Orgler

Gerne sind wir für weiterführende Informationen für Sie da.

Telefon
+41 43 333 32 32
E-Mail
spenden@sbs.ch
Montag – Freitag
08.00 – 12.15 und 13.15 – 17.00